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Der Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz.

Breitscheidplatz

Stahl, Beton, Poller

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Berlin gibt 2,5 Millionen Euro aus, um den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz zu sichern ? vor allem gegen Fahrzeuge.

Gegen die Stahlkörbe, die sich wie eine Festungsmauer um den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz ziehen, waren die Betonpoller vom vergangenen Jahr noch dezent, hier und da ließen sie sich sogar mit Tannengrün kaschieren. Was gar nicht sinnvoll war, schließlich sollten die Besucher die Poller ja sehen, sollten wissen: Für Sicherheit ist gesorgt.

Nach dem Anschlag am 19. Dezember 2016 wurde viel über Freiheit geredet. Dass der Terror eigentlich ihr gelte, dass wir sie uns nicht nehmen lassen dürften. Aber niemand wollte danach mehr einen Weihnachtsmarkt ohne Sicherheitskonzept eröffnen. Die Poller waren die Antwort der Behörden auf den Terror. Sie war trotzig: jetzt erst recht. Sie war irgendwie hilflos.

Denn die Poller erinnern jetzt jeden daran: Achtung, Sie betreten einen gefährdeten Ort. Und sie werfen die Frage auf, ob es so etwas wie absolute Sicherheit überhaupt geben kann. 

Die 160 Stahlkörbe, die entlang der Tauentzien- und der Budapester Straße stehen, jeder gefüllt mit zwei Tonnen Sand, machen ihn allenfalls ein bisschen sicherer. 2,5 Millionen Euro wurden für den in Deutschland „einzigartigen Zufahrtsschutz“ ausgegeben, wie der Innensenator Andreas Geisel (SPD) verkündete. Sicherheit ist teuer.

Und deshalb ist sie auch ein Geschäft, war sie schon immer, das erfährt man von Helmut Höge, der sich seit den 80ern mit Pollern befasst – nur dass die Wellmann-Poller, die Berlins Straßen säumen, früher 1000 Mark das Stück kosteten. 

Höge ist Sozialwissenschaftler, deswegen vielleicht sagt er: „Man sollte sich mehr Gedanken über das Soziale machen, statt immer mehr Geld in Sicherheit zu stecken.“ Und fügt dann doch hinzu: „Aber vielleicht geht es nicht anders.“

Der Staat muss etwas tun. Und solange niemand eine bessere Idee hat, werden eben Stahlkörbe aufgestellt. Und in Rampen verankerte Metallpoller. Plus Betonsperren. Einen Mann wie den Attentäter, der in Straßburg wahllos Menschen auf einem Weihnachtsmarkt erschoss, wird das leider nicht aufhalten. 

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