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Stichwahlen in Georgia

Stacey Abrams: Eine demokratische Frau verändert Georgia

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Der US-Bundesstaat Georgia war lange Jahre republikanisch geprägt. Das hat sich grundlegend geändert. Architektin des Wandels ist die Demokratin Stacey Abrams. 

  • Stacey Abrams spielt im US-Bundesstaat Georgia eine enorm wichtige Rolle.
  • Vor den Stichwahlen um die beiden noch offenen Sitze im US-Senat setzen die Demokraten auch auf ihre Zugkraft.
  • News zur US-Wahl 2020: Alle Informationen und Hintergründe im Überblick.

Atlanta – Stacey Abrams ist allgegenwärtig. Wann immer von Georgia die Rede ist, taucht ihr Name auf. Denn auch wenn sie derzeit keine bedeutende politische Position innehat, gehört Abrams ganz eindeutig zu den wichtigsten Politikerinnen der demokratischen Partei. Schon bei der US-Wahl 2020 blickten die Menschen wie gebannt auf den Bundesstaat im Südosten der Vereinigten Staaten.

Würde es Joe Biden tatsächlich gelingen, den US-Präsidenten Donald Trump ausgerechnet in einer eigentlich republikanisch geprägten Gegend zu besiegen? Er schaffte es tatsächlich. Nach langwierigen Auszählungen hatte zum ersten Mal seit Bill Clinton im Jahr 1992 wieder ein Demokrat in Georgia bei einer Präsidentschaftswahl die Nase vorne.

US-Wahl 2020: Stacey Abrams verhilft Joe Biden in Georgia zum Sieg

Für viele Fachleute steht hinter Bidens Sieg in Georgia vor allem ein Name: Stacey Abrams. Die Zeitung „Politico“ brachte es schon vor der Wahl auf den Punkt: „Wenn es eine Person gibt, die für die Entwicklung Georgias hin zu einem Schlüsselsaat verantwortlich ist, dann ist sie es.“

Angefangen hat alles mit einer Niederlage. Nach sieben Jahren als Oppositionsführerin im Repräsentantenhaus von Georgia wollte Stacey Abrams die erste Schwarze Gouverneurin eines US-Bundesstaates werden. Ihr Gegner im Kampf um das höchste Amt in Georgia war Brian Kemp, der sich im parteiinternen Vorkampf der Republikaner durchgesetzt hatte. Kemps prominentester Fürsprecher war kein Geringerer als Donald Trump.

Stacey Abrams begeistert die Menschen in Georgia.

Stacey Abrams setzt in Georgia auf linke Politik

Stacey Abrams unterschied sich fundamental von den vorherigen Kandidaten der Demokraten. Die hatten mit einer eher zentristischen Politik eins ums andere Mal versucht, in Georgia vor allem moderate Republikaner für sich zu gewinnen. Davon wollte Abrams, die von Bernie Sanders und Barack Obama unterstützt wurde, nichts wissen. Als links-progressive Politikerin forderte sie in ihrem Wahlkampf soziale Gerechtigkeit, Investitionen in Bildung, besseren Krankenversicherungsschutz und eine Reform des Strafrechts. Ziel ihrer liberalen Gesellschaftspolitik war, vor allem eine überdurchschnittliche Wahlbeteiligung von Schwarzen zu erreichen.

Abrams verlor die Wahl in Georgia. Nicht ganz 55.000 Stimmen gaben am Ende den Ausschlag zugunsten von Brian Kemp. Doch ihre Aufgabe war ja auch fast unmöglich gewesen. Immerhin hatte Kemp als Secretary of State, der in US-Bundesstaaten funktional die Aufgaben eines Innenministers wahrnimmt, quasi seine eigene Wahl kontrolliert. Abrams warf ihrem Gegner jedenfalls vor, es zugelassen zu haben, dass unter seiner Aufsicht sozial benachteiligten Gruppen und vor allem Schwarzen die Teilnahme an der Wahl in Georgia erheblich erschwert worden sei.

Das Wochenmagazin „New Yorker“ sparte damals ebenfalls nicht mit Kritik an Kemp: „Seine Amtszeit als Secretry of State wurde von Maßnahmen der Wählerunterdrückung und Einschüchterung überschattet. Es ist unmöglich, darüber zu sprechen, ohne auch darüber zu sprechen, wie dadurch die Wahlbeteiligung von Minderheiten beeinträchtigt worden ist.“

Name Stacey Yvonne Abrams
Geburtstag9. Dezember 1973 in Madison (Wisconsin)
ParteiDemokraten
StudiumAbschluss in Politikwissenschaften an der University of Texas / Abschluss in Rechtswissenschaft in Yale
Politische Karriere2007 bis 2017 Abgeordnete im Repräsentantenhaus von Georgia, seit 2011 als Oppositionsführerin

Stacey Abrams kämpft in Georgia gegen die Unterdrückung von Stimmen

Doch Stacey Abrams gab nicht auf. Die in Yale ausgebildete Anwältin, die auch als Romanautorin arbeitet, machte es sich fortan zur Aufgabe, eines der grundlegenden Probleme der US-Demokratie zu lösen. Noch immer nämlich haben in den USA Millionen Menschen keinen Zugang zur Wahlurne, vor allem Schwarze und Geringverdienende. So nahm sie die Niederlage in Georgia zum Anlass, um sich noch stärker als zuvor schon gegen die Unterdrückung der Stimmen von Wählerinnen und Wählern zu engagieren.

Tatsächlich haben seit 2018 ihre eigens gegründeten Initiativen und Organisationen knapp 800.000 Menschen in Georgia für Wahlen registriert. „An den Zahlen freut uns vor allem, dass 45 Prozent dieser neuen Wähler jünger als 30 Jahre alt sind. 49 Prozent sind People of Color“, sagte Abrams dem Hörfunksender NPR gegenüber. „Und wir haben fleißig daran gearbeitet, dass sie sich auch an der Wahl beteiligen.“

Geprägt wurde Abrams durch ihre Eltern, die als Teenager in der Bürgerrechtsbewegung aktiv waren. Ihr Vater wurde verhaftet, weil er Schwarzen Gemeinden bei der Registrierung zur Stimmabgabe geholfen hatte. „Meine Eltern haben uns mitgenommen, als sie gewählt haben“, sagte Abrams, die noch sechs Geschwister hat, in einem Interview dem „Guardian“. „Sie sprachen darüber, warum Politik wichtig ist. Sie haben dafür gesorgt, dass wir die Nachrichten gesehen und Fragen gestellt haben. Und sie haben erwartet, dass wir wählen gehen. “

Stichwahlen in Georgia: Stacey Abrams will Demokraten zum Sieg verhelfen

Nun steht der nächste harte Wahlkampf in Georgia an. Am 5. Januar 2021 versuchen Raphael Warnock und Jon Ossoff, das lange Zeit für unmöglich gehaltene doch noch möglich zu machen. Sollten beide ihre Stichwahlen um die beiden noch offenen Sitze im US-Senat gegen Kelly Loeffler und David Perdue gewinnen, käme es im Senat zum Patt – das Kamala Harris als Vizepräsidentin mi ihrer entscheidenden Stimme zugunsten der Demokraten auflösen könnte.

Die Stichwahlen in Georgia sind also vor allem für die Partei von Joe Biden von ungemein großer Bedeutung. Stacey Abrams ist für einen möglichen Sieg wahrscheinlich die stärkste Trumpfkarte, die den Demokraten zur Verfügung steht. (Christian Stör)

Rubriklistenbild: © imago-images/Kevin Lowery

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