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Der wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagte Abu Walaa steht im September im Oberlandesgericht in Celle.

"Schwesternnetzwerk"

Staatsschutz warnt vor Salafistinnen

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Eine Gruppe aus muslimischen Frauen, die teilweise aus dem Umfeld eines inhaftierten Hasspredigers stammen, ist offenbar bundesweit aktiv und in den Fokus der Staatsschützer geraten.

Das Gespräch im WhatsApp-Chat handelte von „der Kriegsbeute, vom Leben im Kriegsgebiet“. Auch wurde viel verbales Gift gegen die christlichen „Ungläubigen“ verspritzt, gegen die Menschen in Deutschland und anderen westeuropäischen Staaten. Die radikal-islamische Propaganda via Netz aus dem Herbst 2015 geht nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf eine salafistische Frauengruppe zurück, die vor allem in Niedersachsen, im Ruhrgebiet, im Bergischen Land und im Rhein-Main-Gebiet aktiv ist.

Die Gruppe setzt sich aus muslimischen Frauen zusammen, die teilweise aus dem Umfeld des inhaftierten Hildesheimer Hasspredigers Ahmed Abdullah A., alias Scheich Abu Walaa stammen. Der mutmaßliche Statthalter der Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) hierzulande soll über die Ehefrau eines Mitangeklagten aus Dortmund ein „Schwesternnetzwerk“ aufgebaut haben. Dies bestätigte ein IS-Rückkehrer den Ermittlern des Landeskriminalamts NRW im Herbst 2016.

Nadine H. soll diese Gruppe in seinem Auftrag gelenkt haben. In der geheimen Koranschule (Madrasa) ihres Mannes indoktrinierte sie andere Frauen mit dem Salafismus. Auch soll die muslimische Konvertitin einen Telegram-Chat eines deutschen IS-Kämpfers an das Frauennetzwerk weitergeleitet haben. Im „Leben einer Muhajira“ geht es vor allem um Schönfärberei des Alltags im selbst ernannten Kalifat.

Muslima im Blickfeld der Staatsschützer

Seit einiger Zeit rücken radikale Muslima verstärkt ins Blickfeld der Staatsschützer. Burkhard Freier, Chef des NRW-Verfassungsschutzes, warnte jüngst in der „FAZ“ vor ihrem Einfluss. Weil viele charismatische Führungspersonen der salafistischen Szene in Haft säßen, füllten Frauen laut Freier die Lücken.

Besondere Sorge bereitet den Sicherheitsbehörden ein 40-köpfiges Schwesternnetzwerk um Filiz G.. Die Frau des ehemaligen Kopfes der sogenannten „Sauerlandzelle“, die 2007 mit Autobomben ein Blutbad anrichten wollte, agitiert offenbar nach wie vor für ein Leben gemäß der Scharia und für einen Gottesstaat. So soll die Fundamentalistin für Spenden zur Unterstützung islamistischer Gefangener werben.

Im März 2011 hatte das Berliner Kammergericht die damals 29-Jährige wegen der Unterstützung ausländischer Terrororganisationen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Im Prozess hatte sich die Angeklagte von ihren Taten distanziert. „Es kommt mir vor, als sei es eine andere Person gewesen, die die Texte geschrieben hat“, hatte die nicht vorbestrafte Muslimin erklärt. Sie habe nicht gemerkt, dass sie sich habe radikalisieren lassen. Inzwischen sehen Verfassungsschützer das Reue-Bekenntnis in einem anderen Licht.

Das extremistische Schwesternnetzwerk speist sich aus verschiedenen Gruppierungen. Mal geht es um Tipps für die korrekte Ernährung nach streng islamischen Ritus, mal um die Deutung der Religionsvorschriften bis hin zur Hetze gegen Andersdenkende. Ganz wichtig sind die Ratschläge zur Kindererziehung.

Einblicke in die islamistische Kindererziehung

Eine Muslima, deren Mann durch den Hassprediger Abu Walaa für Syrien rekrutiert worden sein soll, gewährte in ihrer Vernehmung den Ermittlern Einblicke in die islamistische Kindererziehung. So wurde ein siebenjähriger Junge mit einer Schusswaffe abgelichtet. Manche Kinder aus dem Kreis um Abu Walaa seien so radikalisiert, dass sie viel über das Töten fabulierten, berichtete die Frau. Laut ihren Angaben habe ihr Mann versucht, dem älteren Sohn IS-Hinrichtungsvideos vorzuführen. „Ich war total dagegen und habe dies meinem Mann auch deutlich erklärt“, sagte sie aus. Ihr Partner habe dann erklärt, dass sein Sohn sich dann diese Clips eben später anschauen werde.

Zudem veranlasst der Niedergang des IS die hiesige Terrorabwehr zu erhöhter Aufmerksamkeit: Kürzlich erst warnte Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, vor der Rückreise von Frauen, Jugendlichen und Kindern deutscher „Gotteskrieger“. Es gäbe Kinder, so Maaßen, „die in den Schulen im IS-Gebiet einer Gehirnwäsche unterzogen wurden und in starkem Maße radikalisiert sind“. Auch ihre Mütter stellten zum Teil eine Bedrohung dar. „Frauen sind oftmals derart radikalisiert und identifizieren sich so mit der IS-Ideologie, dass man sie mit Fug und Recht auch als Dschihadistinnen bezeichnen kann.“ Das bedeute nicht immer, dass sie auch bereit wären, Terroranschläge zu begehen. „Aber wir müssen auch diese Frauen im Blick behalten.“

Wie radikal manche dieser Extremistinnen denken, beweist ein Aufruf von Arzu K. im Netz. Mit ihrem Mann unterhält sie für die IS-Medienstelle einen Telegram-Propaganda-Kanal: So soll die Frau den Tod des Salafisten-Predigers Pierre Vogel gefordert haben, weil er die Anschläge in Paris verurteilte. „Möge Allah Euch zu seiner Tötung verhelfen“, postete die IS-Anhängerin.

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