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Konfrontation mit Nato: Russland ist laut Ex-Militär angriffsbereit

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Von: Lukas Zigo

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Nach Atom- und Invasionsdrohungen haben russische Staatsmedien nun vor einer Eskalation gewarnt. Man sei aber bereit für eine Konfrontation mit der Nato.

Moskau – Das russische Staatsfernsehen war seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht als beschwichtigendes Element aufgefallen. Vielmehr wird in den Polit-Talk-Sendungen von Allmachtsfantasien über Invasions- und Atomdrohungen bis hin zu Genozid und Herr der Ringe-Vergleichen alles verbreitet, was dem Kreml in die Agenda passt. Nun warnt ein russischer Moderator vor einer Eskalation der Spannungen zwischen Moskau und dem Westen.

Wladimir Solowjow vor dem 25. Internationalem Wirtschaftsforum St. Petersburg (SPIEF) in St. Petersburg, Russland.
Wladimir Solowjow vor dem 25. Internationalem Wirtschaftsforum St. Petersburg (SPIEF) in St. Petersburg, Russland. © IMAGO/Evgeny Biyatov

Wladimir Solowjow sagte am Sonntag (26. Juni 2022) im staatlich kontrollierten Fernsehsender Kanal 1, Russland setzte in der Ukraine nur 18 Prozent seiner Armee ein und sein Militär kämpfe in „Friedenszeiten“ so, dass es notfalls zu einer „direkten Konfrontation“ mit dem internationalen Bündnis bereit sei.

Russland: Abgeordneter rühmt sich im Staatsfernsehen mit atomaren Fähigkeiten

In dieser Sendung kam auch der Abgeordnete der Duma und ehemalige stellvertretende Befehlshaber des südlichen Militärbezirks Russlands, Andrej Gruljow, zu Wort. Er rühmte sich, dass Russland dank seiner nuklearen Fähigkeiten in der Lage sei, „alle Mittel eines Angriffs zu liquidieren, die das russische Territorium bedrohen“.

Daraufhin antwortete Solowjow: „Deshalb ist es verständlich, dass wir derzeit weniger als 18 Prozent unserer Streitkräfte einsetzen, nämlich unsere Friedensarmee, weil wir auf eine direkte Konfrontation mit den Streitkräften der gesamten Nato vorbereitet sind.“

Russland: Suwalki-Korridor wird thematisiert

Darüber hinaus sprachen die Männer über den Suwalki-Korridor, ein strategisch wichtiges Gebiet südwestlich der polnisch-litauischen Grenze und der kürzeste Landweg vom russischen Festland zur Exklave Kaliningrad. In der jüngsten Eskalation des seit fünf Monaten andauernden Krieges droht eine Pattsituation, um die russische Enklave zu entstehen. Moskau hat mit nicht näher bezeichneten „Vergeltungsmaßnahmen“ gedroht, sollten Lieferungen über den Landweg nach Kaliningrad eingeschränkt werden.

Guruljow machte klar, dass die Größe des Suwalki-Korridors Russland zufriedenstellen würde. „Alle haben sich über Litauen gestritten. Was für einen Suwalki-Korridor brauchen wir? Den ganzen Weg bis zur (Ostsee). Es ist, als ob sie über den Korridor von der Küche zum Wohnzimmer sprechen – 20 Kilometer, 40 oder 60 Kilometer... wie lang soll er sein? Ein Durchbruch für einen Korridor, in dem die Nato-Truppen auf beiden Seiten stehen würden?“, sagte er.

Russland – Guruljow wird deutlich: „Müssen einen Durchbruch (…) schaffen“

„Kein einziges normales Mitglied des Militärs würde sich darauf einlassen. Wir müssen einen Durchbruch für einen Korridor von St. Petersburg entlang der Ostseeküste schaffen. Nur dann werden wir eine normale Versorgungsroute für die Stadt Kaliningrad haben“, fügte er hinzu.

Er fügte hinzu, wenn andere Länder diesen Weg nicht sehen, müsse Moskau dies „gründlich erklären“, ohne dass Weißrussland, Russlands Nachbar und Verbündeter, einbezogen werden müsse.

Russland: Thema Atomwaffen als Allzwecklösung

Daraufhin kamen die beiden Männer auf das Thema Atomwaffen zu sprechen. Solowjow sagte, dass die politischen Führer im Westen „Herzinfarkte“ bekämen, wenn der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin ein Gespräch über Iskander-Raketensysteme und Suchoi-Flugzeuge führen würden.

Guruljow sagte, dass die an der Westgrenze von Belarus stationierte Iskander „100 Prozent“ Westeuropas abdecken würde, da sie eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern hat. Das Raketensystem kann nukleare Sprengköpfe tragen. „Bei all den Verteidigungssystemen, auch den importierten, liegt die Effizienz bei 90 Prozent“, sagte er. „Neun von zehn Raketen erreichen ihr Ziel, und eine, die sie abzuschießen versuchen, trifft es. Ich halte das für ein großartiges Ergebnis, das unseren Feinden zu denken geben solle, unabhängig davon, wie sehr der Westen uns zum Einsatz von Atomwaffen provoziert.“

„In Anbetracht der Bedrohung (durch Atomwaffen) entwickeln und verwirklichen wir bei Bedarf Pläne, um alle Mittel eines Angriffs, die das Territorium Russlands bedrohen, zu liquidieren. Wir sind in der Lage, das zu erreichen“, fügte er hinzu. (lz)

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