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„In jeder Hinsicht auslaugt“: „Eiserne Puppe von Putin-TV“ macht überraschendes Eingeständnis 

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Von: Sebastian Richter

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Für Frieden zwischen Russland und der Ukraine gibt es keine Basis für einen Kompromiss. Dennoch sei die Bevölkerung kriegsmüde, gibt eine russische Moderatorin zu.

Moskau – Eine Moderatorin im russischen Staatsfernsehen hat zugegeben, dass sich ein großer Teil der russischen Bevölkerung ein Ende des Ukraine-Krieges wünscht. Das Land sei „in jeder Hinsicht erschöpft“, so die Moderatorin Olga Skabejewa. Anton Geraschtschenko, Berater des ukrainischen Innenministers, teilte einen Ausschnitt der Sendung auf Twitter.

„Wir sind alle erwachsen und wissen sehr wohl, dass Krieg den russischen Staat in jeder Hinsicht auslaugt“, sagte Skabejewa. „Gleichzeitig sind wir als angemessene und normale Menschen natürlich nicht in der Lage, militärische Aktionen und Krieg zu genießen, und jeder von uns, davon bin ich überzeugt, möchte ein Ende der Feindseligkeiten.“

Allerdings sei Frieden aktuell nicht möglich, fügte Skabejewa hinzu. „Wir verstehen einfach, dass dies unter den derzeitigen Bedingungen völlig unrealistisch und unmöglich ist.“

News zum Ukraine-Krieg: Mögliche Friedensszenarien für Russland unvorstellbar

Skabejewa ist als „Eiserne Puppe von Putin TV“ bekannt. Sie bezieht sich in ihren Ansagen auf einen Artikel der US-Zeitung Washington Post, in dem angeblich berichtet wird, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde von US-Beamten aufgefordert, einen „Deal“ mit Russland zu machen. Wenn man den Artikel genau und sorgfältig lese, biete er Russland drei Szenarien, so Skabejewa. Bei jedem davon könnten sie sich „nur selbst erschießen“.

Den russischen Kriegszielen entsprechen die erwähnten Szenarien tatsächlich nicht. Die drei Optionen bieten mögliche Verhandlungsgrundlagen für einen Frieden mit Russland. Zum einen könnte sich Russland aus allen besetzen ukrainischen Gebieten zurückziehen – einschließlich der seit 2014 besetzten Krim und dem östlichen Donbass. Die zweite Variante sieht einen Rückzug bis an die Fronten von 2014 vor, die letzte Variante beinhaltet den Rückzug aus dem Donbass, allerdings nicht von der Krim.

Russische Soldaten im Ukraine-Krieg. (Archivfoto)
Russische Soldaten im Ukraine-Krieg. (Archivfoto) © IMAGO/Konstantin Mihalchevskiy

„Wir können das nicht durchziehen, denn dann würde eine ‚spezielle Militäroperation‘ bedeutungslos werden, was bedeutet, dass wir uns und unser Land verraten würden“, so Skabejewa.

Russlands Bevölkerung ist kriegsmüde – kann aber nicht aufgeben

Auch eine eigentlich geheime Umfrage aus Russland kommt zu dem gleichen Schluss wie Skabejewa. Demnach halten immer mehr Menschen in Russland die „Spezialoperation“ – wie der Krieg in Russland genannt wird – für einen Fehler. Allerdings sind immer mehr Menschen der Ansicht, dass der Ukraine-Krieg jetzt nicht beendet werden dürfe – aus Angst vor einer Niederlage, so eine Expertin zu den Ergebnissen der Umfrage.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte in der Vergangenheit mehrfach, dass nur ein vollständiger Rückzug Russlands für die Ukraine akzeptabel wäre, also die erste Variante aus dem Bericht der Washington Post. Selenskyj will dennoch Möglichkeiten für Frieden ausloten. Vor kurzem kündigte der Präsident einen Friedensplan an, den er schon bald präsentieren möchte.

Russlands Präsident Wladimir Putin ist derweil der Meinung, 99,9 Prozent der Menschen in Russland sei bereit, für ihr Land zu sterben. Das schätzte der Kremlchef erst vor wenigen Tagen in einem Interview. (spr)

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