Porträt

Als Staatschef viel zu jung

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Auf den ersten Blick wirkt Andry Rajoelina wie ein Klon seines Erzfeindes Marc Ravalomanana, den er nach einem fast zwei Monate langen Machtkampf als

Auf den ersten Blick wirkt Andry Rajoelina wie ein Klon seines Erzfeindes Marc Ravalomanana, den er nach einem fast zwei Monate langen Machtkampf als Präsident Madagaskars stürzte. Beide geben sich gern nonchalant, sind ausgefuchste Geschäftsleute, gehören derselben madagassischen Volksgruppe an und waren Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo. Womöglich ist ihre Ähnlichkeit der Grund für die tiefe Antipathie, die sie verbindet.

Dabei hat Rajoelina sein Alter Ego zumindest in einer Hinsicht noch überflügelt. Im Gegensatz zu dem eher zurückhaltenden Ravalomanana ist der einstige Discjockey ein charismatischer Volkstribun, dem die Madagassen den Spitznamen "TGV" gegeben haben, nach dem französischen Hochgeschwindigkeitszug.

Einst moderierte Rajoelina selber Sendungen seines Radiosenders Viva, den er von seinen Einkünften als Werbemann finanzierte. Seine Programme waren dermaßen populär, dass die Madagassen auf der Straße ihre Erkennungsmelodie pfiffen. Ravalomanana, der sich einst vom Milchverkäufer zum Besitzer eines Geschäftsimperiums und schließlich zum Präsidenten des Landes hochgekämpft hatte, war schnell klar, welche Gefahr von seinem Konkurrenten ausging. Als Rajoelina im Dezember 2007 als unabhängiger Kandidat die Bürgermeisterwahlen in Antananarivo gewann, war ihm die Feindschaft des Präsidenten sicher.

Misstrauisch verfolgte Ravalomanana, wie sein junger Gegenspieler - genau wie er selbst neun Jahre zuvor - das Amt des Stadtchefs als Sprungbrett für höhere Ambitionen nutzte. Als Rajoelina die Unverfrorenheit besaß, in Viva ein Interview mit dem im französischen Exil lebenden ehemaligen Präsidenten Didier Ratsiraka auszustrahlen, schlug der Staatschef zu: Er entzog dem frechen Herausforderer die Sendelizenz.

Ravalomanana, Freund des deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler und Liebling des Weltwährungsfonds, aber hatte den jungen Discjockey unterschätzt. Für Rajoelina, den seine Landsleute wie einen Rockstar anhimmeln, bedeutet die Aufgabe seines einstigen Vorbilds einen atemberaubenden Erfolg.

Mit seinen 34 Jahren ist Rajoelina allerdings zu jung, um Präsident werden zu können. Die Landesverfassung sieht als Mindestalter eines Staatschefs 40 Jahre vor. Womöglich lässt sich der bisherige Oppositionschef zum Übergangspräsidenten küren, für den die Verfassungsklausel nicht gilt. Mancher Madagasse befürchtet, dass hinter dem schönen Gesicht Rajoelinas die Fratze des Ex-Präsidenten Ratsiraka lauert. Der hatte in seiner mehr als 30 Jahre währenden Regierungszeit nur Armut und Lähmung über den Inselstaat gebracht.

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