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Steve Bannon (l.) ist zurück im Weißen Haus. Zumindest vorübergehend. Geöffnet hat ihm die Tür Brasilens Staatschef Jair Bolsonaro.

Jair Bolsonaro in den USA

Besuch im Weißen Haus: Bolsonaro bei Trump

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Brüder im Geiste: Brasiliens Staatschef ist zu Besuch bei US-Präsident Donald Trump. Da darf sogar Steve Bannon mal wieder ins Weiße Haus.

Rechtspopulist Jair Bolsonaro ist auf Staatsbesuch in den USA. Dort wird Brasiliens Staatschef am Dienstag US-Präsidenten Donald Trump treffen. Im Weißen Haus wollen die beiden Männer, die in zahlreichen Punkten auf einer Wellenlänge liegen, über die künftige Zusammenarbeit der beiden Länder in Sachen Wirtschaft und Wissenschaft reden. Ein hoher US-Regierungsbeamter sprach von einem „historischen Treffen der beiden größten Volkswirtschaften der westlichen Hemisphäre“ und kündigte die Begründung einer „neuen Nord-Süd-Achse“ an.

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Auch die Staatskrise in Venezuela, das eine über 2.000 Kilometer lange Grenze mit Brasilien hat, soll Thema der Unterhaltung sein. Sowohl Trump als auch Bolsonaro unterstützen den Oppositionsführer Juan Guaidó, der sich selbst zum Übergangspräsidenten erklärt hat und den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro zum Rücktritt zwingen will.

Die in der Vergangenheit eher brüchigen Beziehungen scheinen auf einer rein persönlichen Ebene der Staatsführer derzeit deutlich stabiler. Bolsonaro und Trump sind in vielen Punkten einer Meinung. Beide propagieren eine nationalistische Haltung. Beide nutzen Twitter, um ihre Statements direkt zu ihrer Gefolgschaft zu transportieren und fallen dort mit kontrovers diskutierten Tweets auf. Multilaterale Bündnisse sind für beide ein Zeichen der Schwäche. Und beide schimpfen sie über „Fake News“ der „Mainstream Medien“, die einzig dafür konstruiert wären, um sie zu Fall zu bringen. Dabei nutzen sowohl Bolsonaro als auch Trump populistische Rhetorik, die sich häufig unter der Gürtellinie bewegt.

Brüder im Geiste: Jair Bolsonaro und Donald Trump

Bolsonaro gilt als knallharter Neoliberaler, für den der Klimawandel ein Märchen und der Amazonas nicht besonders schützenswert ist. Selbstredend liegen er und Trump auch in Fragen des Klimaschutzes auf einer Linie. 

Doch Bolsonaro geht gerne noch einen Schritt weiter, was ihm den Vorwurf faschistoider Tendenzen eingebracht hat - zum Beispiel als er seinen politischen Rivalen in einem Video mit Gefängnis gedroht hat. Als er die Militärdiktatur Brasiliens verherrlichte. Oder als er verbal gegen Frauen, Afrobrasilianer und Homosexuelle hetzte. Zuletzt für Aufsehen gesorgt haben auch Verbindungen Bolsonaros und seiner Söhne zu einer Miliz, die mutmaßlich für die Ermordung der linken Stadträtin Marielle Franco verantwortlich ist.

Steve Bannon ist Ehrengast

Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, warum Steve Bannon, Trumps ehemaliger Berater und rechtsextremer Vordenker der USA, an einem Dinner im Weißen Haus zu Ehren Bolsonaros teilnehmen wird - obwohl sich Trump mittlerweile von Bannon distanziert hat und dieser keine offizielle Rolle mehr im Weißen Haus bekleidet. Seit seinem Rauswurf hat sich Bannon zunehmend auf die Verbreitung seiner Ideologie in Lateinamerika und Europa konzentriert.

Die Reise in die USA ist Bolsonaros erster Staatsbesuch seit seinem Amtsantritt im Januar. Der selbsterklärte Trump-Bewunderer hat eine Neuausrichtung der brasilianischen Außenpolitik und eine Annäherung an die USA angekündigt.

Sein Besuch wird begleitet von zahlreichen Protesten. Sowohl Menschenrechtsaktivisten als auch Umweltschutzgruppen haben dazu aufgerufen. Sie kritisieren, dass Bolsonaro zum einen den Hass gegen Mitglieder der LGBT-Community schüren würde, zum anderen große Flächen des Amazonas für die Ausbeutung durch die Privatwirtschaft öffnen will. (mit afp)

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