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Pfahls Anwalt räumte weite Teile der Anklageschrift ein.

Prozess gegen Pfahls

Staatsanwalt fordert für Pfahls fünf Jahre Haft

Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig Holger Pfahls soll Gläubiger um hohe Summen geprellt haben. Nach seiner Verurteilung wegen Bestechlichkeit durch den Waffenlobbyisten Schreiber schuldete er der Justiz, dem Finanzamt und dem Verteidigungsministerium mehr als drei Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft hat im Bankrott-Prozess gegen den ehemaligen Rüstungsstaatssekretär Ludwig Holger Pfahls eine fünfjährige Haftstrafe gefordert. Die Ankläger legten ihm zur Last, in vier Fällen seine Gläubiger um hohe Summen geprellt zu haben. Er habe über ein ausgeklügeltes System über Jahre hinweg Vermögen über mehr als fünf Millionen Euro verschleiert, obwohl er sich dem Staat gegenüber als mittellos ausgab. „Es fragt sich schon, weshalb zahlt ein mehrfacher Millionär nicht einmal die Forderung der Staatsanwaltschaft Augsburg über nicht einmal 100.000 Euro“, sagte Staatsanwalt Marcus Peintinger.

Der frühere CSU-Politiker hatte zu Beginn des Prozesses eingeräumt, seine Gläubiger hinters Licht geführt zu haben. Nach einer privaten Insolvenzerklärung 2007 habe er über Strohleute weiter über ein Millionenvermögen im In- und Ausland verfügt, erklärte er über seinen Anwalt. Sechs Komplizen wurden bereits zu Geld-, Bewährungs- und Haftstrafen verurteilt. Das Gericht ließ am Montag den Anklagepunkt der Steuerhinterziehung gegen Pfahls fallen, da Pfahls seinen Steuerschulden von über 600.000 Euro sowie die ausstehende Geldstrafe der Augsburger Justiz beglichen hat. Für seine Frau, die den Großteil seiner Geschäfte über ihre Konten abwickelte, beantragte Staatsanwalt Peintinger eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Pfahls Doppelleben

Pfahls schuldete laut Anklageschrift nach seiner Verurteilung wegen Bestechlichkeit durch den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber der Justiz, dem Finanzamt und dem Verteidigungsministerium mehr als drei Millionen Euro. In seiner eidesstattlichen Erklärung 2007 bezeichnete er sich als mittellos. Über Mittelsmänner und Auslandsfirmen erwarb und verkaufte er allerdings weiterhin Grundstücke und Villen, zudem hielt er Immobilien, Barbestände und Firmenanteile im Gesamtwert von rund 4,2 Millionen Euro. Pfahls Anwalt räumte weite Teile der Anklageschrift ein. Allein 2,1 Millionen Euro seien auf Konten in der Schweiz, den Bahamas und Luxemburg geparkt gewesen.

Eine eigene Anklageschrift gab es gegen den Pfahls-Komplizen Dieter Holzer, einer der Schlüsselfiguren der Leuna-Affäre. Der Ex-Lobbyist soll Pfahls bei seinen Geschäften, etwa dem verdeckten Verkauf einer Villa an der Cote d'Azur, geholfen haben. Holzer räumte am letzten Prozesstag die Vorwürfe „notgedrungen“ ein. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll er zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Pfahls hatte ein komplexes Geflecht an Finanzströmen unterhalten, um das Geld an seinen Gläubigern vorbei zu sich zu schleusen. Der frühere Staatssekretär war 2005 nach fünfjähriger Flucht wegen Bestechlichkeit vom Landgericht Augsburg zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden, da er für ein Panzergeschäft mit Saudi-Arabien vom Waffenlobbyisten Schreiber Schmiergeld bekommen haben soll. (rtr)

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