Oktoberfest-Attentat

„Der Staat muss das Leid anerkennen“

  • Markus Decker
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Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) plant Hilfe für Opfer des Oktoberfest-Attentats.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) will die Opfer des Münchner Oktoberfest-Attentats von 1980 unterstützen. Der Generalbundesanwalt habe 40 Jahre nach dem Anschlag jetzt eine eindeutig rechtsextremistische Motivation des Täters festgestellt, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Für sie sei deshalb klar: „Der Staat muss das fürchterliche Leid der Betroffenen des Oktoberfest-Attentats anerkennen.“

Ihr Haus sei schon mit der Stadt München im Gespräch, „wie wir uns mit den vielen Opfern des schrecklichen Attentats solidarisch zeigen können“, sagte Lambrecht. „Damit zeigen wir auch viele Jahre nach der Tat, dass wir auf der Seite der Opfer stehen und solche rechtsextremistisch motivierten Taten nicht dulden.“

Die SPD-Politikerin nannte es überdies unerträglich, dass Rechtsextremisten und Rassisten auch heute noch andere Menschen in unserem Land angriffen, und verwies unter anderem auf die antisemitischen und rassistischen Morde von Halle und Hanau. Sie werde jetzt im Kabinettsausschuss zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und Rassismus Vorschläge zum Schutz und zur Unterstützung der Opfer von rechter Gewalt unterbreiten.

Mittel aus speziellem Fonds

Die „taz“ hatte bereits am Mittwoch berichtet, das Justizministerium erwäge, die Opfer zu entschädigen, ein Ministeriumssprecher bestätigte Gespräche über eine „Solidarleistung“ an die Opfer. Bereits vor einem Jahr hatte das Bundesamt für Justiz, das für die konkreten Auszahlungen aus dem Opferfonds zuständig ist, dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geschrieben, man sei zwar entsprechend aufgeschlossen, müsse aber die Entscheidung des Generalbundesanwalts abwarten. Reiter hatte sich mehrfach an das Justizministerium gewandt.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass der damalige Attentäter Gundolf Köhler aus einer rechtsextremistischen Motivation heraus gehandelt habe. Er hatte am 26. September 1980 eine Bombe am Haupteingang zum Oktoberfest gezündet. 13 Menschen wurden getötet, unter ihnen der Attentäter. Mehr als 221 Personen wurden teils schwer verletzt. Die Einstufung des Anschlags als terroristischer Akt erlaubt den Zugang zu einem Fonds der Bundesregierung, der Opfer von Terror- und Extremismustaten entschädigt. Diesen Zugang will die Bundesregierung nun öffnen.

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