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Kostenlose Schulbücher sollen arme Familien entlasten.

Studie

Der Staat muss die Kinderarmut bekämpfen

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Eine Befragung zeigt, dass die Wähler sich eine bessere Förderung von Kindern wünschen. Die Verbände dringen auf eine Kindergrundsicherung.

Knapp drei Viertel der Deutschen finden, dass Staat und Gesellschaft eher wenig bis sehr wenig unternehmen, um die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerks, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Für die repräsentative Studie hatte das Politikforschungsinstitut Kantar Public 1621 Menschen befragt, darunter 620 Kinder und Jugendliche. Sie kamen zu einer ähnlichen Einschätzung wie die Erwachsenen.

Vor allem Anhänger der Linken und der AfD bewerten die Aktivitäten zur Bekämpfung von Kinderarmut als unzulänglich. Am zufriedensten zeigen sich Unions- und FDP-Wähler in der Umfrage. Wähler der AfD sind aber mehrheitlich (53 Prozent) nicht bereit, mehr Steuern zu zahlen, wenn dadurch das Problem wirkungsvoll bekämpft werden könnte. Die Mehrheit der Anhänger der anderen Parteien könnte sich dies durchaus vorstellen. Die größte Zustimmung finden Steuererhöhungen bei den Sympathisanten der Grünen (81 Prozent) und Linken (74 Prozent).

Kostenlose Bücher und Lehrmittel in der Schule, mehr Fachkräfte und Sozialarbeiter in den Schulen und Kitas und kostenloser Zugang zu Kultur- und Freizeitmöglichkeiten empfinden die Erwachsenen als die wichtigsten Mittel gegen Kinderarmut. „In Deutschland ist jedes fünfte Kind von Armut betroffen. Das ist eine große Hypothek für unsere Zukunft“, sagte Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. „Wir begrüßen es, dass in den Koalitionsgesprächen diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zukommt.“

Der Report zeige, dass die Menschen Staat und Gesellschaft in der Pflicht sähen, entschiedener Kinderarmut zu bekämpfen. Nur das Kindergeld zu erhöhen, bringe nichts. Außerdem seien die verschiedenen Leistungen viel zu komplex und gingen oft an den Anspruchsberechtigten vorbei.

„Kindergeld reicht nicht“

Als arm gelten Familien, wenn sie nur über 60 Prozent oder weniger des Durchschnittseinkommens verfügen. Bisher haben sich Union und SPD darauf geeinigt, das Kindergeld um 25 Euro zu erhöhen. Das reiche nicht, sagte auch Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen. „Wir müssen intensiv über die Einführung einer Kindergrundsicherung diskutieren.“ Das Ende von Koalitionsgesprächen sei nicht das Ende von Diskussionen. Auch das Kinderhilfswerk plädiert für eine Kindergrundsicherung. Diese würde unabhängig vom Einkommen der Eltern alle Leistungen bündeln, so dass jedem Kind die gleiche Summe zustünde.

„Uns ist jedes Kind gleich viel wert“, betonte Krüger. In einem Bündnis haben sich 13 Verbände, Initiativen und Vereine zusammengeschlossen, die eine Kindergrundsicherung von 573 Euro im Monat pro Kind fordern. Auch die Grünen und Linken sind für eine Grundsicherung.

Schon im Dezember 2017 hatte sich die Arbeits- und Sozialministerkonferenz der Länder dafür ausgesprochen, die finanziellen Leistungen der Kinder- und Familienförderung grundsätzlich zu reformieren. Das wird von vielen Verbänden begrüßt. Eine Arbeitsgruppe entwickelt derzeit ein Grobkonzept für die Einführung einer einkommensunabhängigen Kindergrundsicherung.

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