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Mehrere Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka wurden am Ostermontag zu Zielscheiben von Bombenanschlägen. Mindestens 290 Menschen starben.

Interview

„Religion wird oft missbraucht“

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Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz über Terror gegen Gläubige.

Konstantin von Notz ist stellvertretender Fraktionschef der Grünen im Bundestag und ihr Beauftragter für Religion und Weltanschauungen. Im FR-Interview spricht er über 

Herr von Notz, nimmt die Gewalt gegen Christen weltweit zu?
Zweifellos gibt es brutalste terroristische Gewalt ganz gezielt auch gegen Christinnen und Christen. Wir haben das gemeinsam mit anderen Fraktionen mehrfach im Bundestag thematisiert. Aber es lässt sich ein allgemeineres Muster der Extremisten aller Couleur erkennen: Terroristen zielen oft bewusst auf Gläubige, um zu spalten, Gräben zu vertiefen und Versöhnung zu verunmöglichen. Das verbindet die Dschihadisten, die in europäischen Großstädten gezielt „Ungläubige“ treffen wollen, mit den Tätern von Sri Lanka – wo die genauen Hintergründe noch der exakten Aufklärung bedürfen – mit rechtsextremistischen Tätern wie in Christchurch.

Trotz des unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds?
In ihrer religiösen Zugehörigkeit mögen sich die Attentäter unterscheiden – in ihrem Vorgehen ähneln sie einander, denn das Motiv ist fast deckungsgleich: Man hasst die Pluralität moderner Gesellschaften, will die Menschen gegeneinander aufbringen, religiös und ethnisch spalten und die staatliche Ordnung erschüttern, um ein autoritäres, antidemokratisches Herrschaftssystem zu errichten.

Konstantin von Notz (48).

Hat der Westen, hat vielleicht gerade eine so säkulare Partei wie die Grünen die Macht von Religion unterschätzt?
Wir sind eine ausgesprochen plurale Partei. Es gibt säkulare und fromme Grüne, ich selbst bin gläubiger Protestant. Die Stigmatisierung von Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit ist ein altes Phänomen, das uns seit jeher bewusst ist. Von ihm zeugt die deutsche Geschichte mit zahllosen Religionskriegen bis hin zum schlimmsten Menschheitsverbrechen, dem nationalsozialistischen Völkermord, der Shoah. Religion wird oft ideologisch missbraucht, um Hass und Gewalt politisch zu rechtfertigen.

Sind wir in Deutschland immun gegen solches Denken?
Nein. Die AfD mit ihren dauerhaften wie pauschalen Attacken gegen „den Islam“ oder „die Muslime“, die Angstmacherei der Partei vor angeblichen „Messermännern“, die zu uns kämen, um das christliche Abendland auszulöschen, schürt genau diese gefährliche Erzählung. Aus Worten werden schnell Verschwörungsfantasien, die wiederum zu Gewalttaten führen können.

Interview: Marina Kormbaki

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