Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Staatsmedien jubeln

„Sputnik V“: Russland beginnt mit Corona-Massenimpfungen – doch es gibt Kritik

Russland impft die Bevölkerung nun mit „Sputnik V“. In den Staatsmedien wird der Corona-Impfstoff als gigantischer Erfolg gefeiert – Experten äußern Kritik.

  • In Moskau beginnt die Impfung mit dem Coronavirus-Vakzin „Sputnik V“.
  • Staatsmedien feiern die Anwendung als Erfolg – Wissenschaftler beklagen die nicht vollständige Austestung des Impfstoffs.
  • Russland gehört zu den weltweit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder.

Moskau – In seiner Hauptstadt Moskau hat Russland mit großangelegten Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Der von russischen Wissenschaftlern entwickelte Impfstoff „Sputnik V“ wurde am Wochenende in insgesamt 70 Kliniken mehr als 25.000 freiwilligen Personen verabreicht. Die staatlichen Medien bejubelten den Beginn der Impf-Kampagne und verglichen ihn mit dem Vordringen der Sowjetunion ins Weltall. Eine der Schlagzeilen lautete: „Der Start des Sputniks!“ Der „Sputnik“ war 1957 der erste künstliche Erdsatellit im Kosmos.

Russland startet mit der Corona-Impfung extrem früh – „Sputnik V“ im Einsatz

Damit gehört Russland zu den ersten Ländern weltweit, die ihre Bevölkerung in größerem Stil gegen Corona impfen lassen. Zum Auftakt bekamen Mitarbeiter des Bildungs- und des Gesundheitswesens sowie sozialer Dienste den Impfstoff. In Europas größter Stadt mit offiziell zwölf Millionen Einwohnern hatten sich Tausende für den Start am Samstag einen Termin geben lassen. Bürgermeister Sergej Sobjanin gab die Zahl der bisher Geimpften am Sonntagmittag mit 25.000 an. Insgesamt sollen in Moskau bis zu sieben Millionen Menschen geimpft werden.

Der TV-Sender Rossija 24 zeigte, wie riesige Kühltaschen mit der Aufschrift „Sputnik V“ per Flugzeug auch in andere Teile des riesigen Landes gebracht wurden. In anderen Regionen beginnen die Massenimpfungen in den nächsten Tagen. Sie sind kostenlos und freiwillig. Zugelassen sind zunächst aber nur Menschen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren. Impfen lassen kann sich, wer von Berufs wegen viel Kontakt mit anderen hat und deshalb einem besonderen Risiko ausgesetzt ist. Auch Soldaten bekommen die Spritze gegen Corona. Nach 21 Tagen ist eine zweite Injektion erforderlich.

Russland: Eine Krankenschwester impft eine Frau mit dem Corona-Impfstoff „Sputnik V“ in einem Krankenhaus in Moskau. Putin hat angekündigt, Risikogruppen mit dem Vakzin flächendeckend zu versorgen.

Corona in Russland: Wladimir Putin hat sich mit „Sputnik V“ noch nicht impfen lassen

Kremlchef Wladimir Putin hatte zum Start der Impf-Kampagne angekündigt, dass allein im Dezember rund zwei Millionen Impfdosen verabreicht werden sollen. Allerdings gibt es Probleme, das Corona-Vakzin in großen Mengen zu produzieren. Kremlkritische Medien berichten, dass Putins Ziel nicht erreicht werde. Der 68-Jährige selbst hat sich nach Angaben des Kremls bisher nicht impfen lassen.

Die Corona-Impfungen in Russlands Hauptstadt Moskau nahmen nach Angaben der Behörden jeweils etwa eine Stunde in Anspruch. In den ersten zehn Minuten wurde eine medizinische Bestandsaufnahme gemacht. 15 Minuten dauerte die Vorbereitung des Präparats, das in gefrorenem Zustand bei minus 18 Grad Celsius aufbewahrt wird. Die frisch Geimpften mussten dann noch etwa eine halbe Stunde unter medizinischer Beobachtung bleiben, bevor sie nach Hause gehen durften.

Das Staatsfernsehen zeigte ausgiebig, wie sich zufriedene Menschen die Nadel in den Oberarm stoßen ließen. „Das ist jetzt mein Schutzschild“, sagte die Sozialarbeiterin Jelena Orlowa mit dem Impfzertifikat in der Hand. Dabei beklagen Experten, dass der Corona-Impfstoff noch nicht ausgetestet sei. Ausländische Forscher kritisieren, dass es an Daten fehle und viele Fragen offen seien. Solche Zweifel hat die russische Regierung wiederholt zurückgewiesen. Zudem betont sie, dass es Vorbestellungen aus rund 50 anderen Staaten gebe.

Corona-Impfung mit „Sputnik V“: Russen sollen Kontakte und Alkohol einschränken

Nach Angaben von Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa dauert es 42 Tage dauere, bis sich nach der Impfung eine Immunität gegen das Coronavirus gebildet hat. In dieser Zeit besteht weiterhin Gefahr, sich bei anderen Leuten anzustecken. Die Politikerin riet dazu, sich nach einer Impfung für diesen Zeitraum bei Kontakten mit der Außenwelt einzuschränken und auch keinen Alkohol zu trinken.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich nach Angaben des Kremls noch nicht mit „Sputnik V“ impfen lassen.

In Russland gab es zuletzt mehrere Fälle, in denen sich etwa geimpfte Ärzte dann doch infizierten und an Corona erkrankten. Die oberste Amtsärztin des Landes, Anna Popowa, hatte betont, dass kein Vakzin „einen Menschen komplett vor einem Virus“ schützen könne. „Aber die Impfung schützt vor einem schweren Verlauf und vor dem Tod.“

Corona in Russland: Impfstoff „Sputnik V“ soll extrem günstig sein

Russland hatte als erstes Land der Welt bereits im August „Sputnik V“ zur breiten Anwendung zugelassen. Das Land entwickelt zudem mehrere weitere Vakzine. Die Wirksamkeit von „Sputnik V“ wird mit 95 Prozent angegeben. Zudem wirbt Moskau mit einem günstigen Preis von 2136,20 Rubel (23,80 Euro) je Zwei-Komponenten-Impfung im Vergleich etwa zu westlichen Entwicklungen.

Russland gehört zu den weltweit am stärksten von der Pandemie betroffenen Staaten. 29.039 Neuinfektionen kamen am Sonntag hinzu – so viele wie noch nie an einem Tag. Die Zahl der Corona-Toten wurde mit 43.141 angegeben. (dpa)

Rubriklistenbild: © KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare