+
Der neue Brexit-Minister Stephen Barclay.

Brexit-Minister

Ein Sprecher für die Brexit-Gelangweilten

  • schließen

Stephen Barclay ist der neue britische Brexit-Minister.

Öffentlich zugeben könnte Stephen Barclay natürlich nie, daß er zu den Bobs gehört. Die Bobs – das sind im neuesten britischen Sprachgebrauch die Brexit-Gelangweilten (bored of Brexit). Sie wollen zweieinhalb Jahre nach dem Austrittsreferendum endlich das damalige Resultat verwirklicht sehen, und zwar unabhängig davon, wie sie im Juni 2016 abgestimmt hatten.

Als neuer Brexit-Minister fällt ihm die Aufgabe zu, im Auftrag von Premierministerin Theresa May um diese Gruppe zu werben. Die Chefin selbst wird dafür in den kommenden vierzehn Tagen bis zur entscheidenden Parlamentsabstimmung durchs Land reisen und die Briten zu überzeugen versuchen. Barclay muß in der Tory-Fraktion und in den Medien für den Vertrag werben, den Grossbritannien am Sonntag mit den 27 EU-Partnern abgeschlossen hat.

Wie seine Vorgänger in dem schwierigen Amt gehörte auch der Abgeordnete eines Wahlkreises bei Cambridge zu den Austrittsbefürwortern, anders als die Regierungschefin, die in der EU bleiben wollte. Dies erklärt den kometenhaften Aufstieg des bis dahin unauffälligen Gesundheits-Staatssekretärs: May braucht die Unterstützung genau jener pragmatischen Brexiteers, die wie die Bobs die Sache hinter sich bringen wollen. Als Barclay vergangene Woche erstmals neben der Chefin auf der Regierungsbank Platz nahm, war seine Zufriedenheit über die unverhoffte Beförderung mit Händen zu greifen.

Der 46-Jährige hat den klassischen Lebensweg eines Konservativen hinter sich: Privatschule, ein Jahr Dienst in der Armee, anschließend Geschichts- und Jurastudium an der Elite-Uni Cambridge. Mit 29 Jahren verpaßte er den Einzug ins Unterhaus nur ganz knapp, neun Jahre später war es dann so weit. Seither hat der verheiratete Anwalt und Vater von drei Kindern nie von sich reden gemacht. Vielleicht ist genau dies seine Stärke: Inmitten der Ideologen beider Seiten eine Stimme zu sein für jene, die den Streit über das Verhältnis zu Europa beilegen wollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion