Spott über Kanzlerkandidat Habeck – Neuwahlen-Umfrage mit Überraschung
Habecks Ambitionen, Kanzlerkandidat der Grünen zu werden, wurden von anderen Parteien belächelt. Eine Umfrage zeigt, dass viele ihn als geeigneten Kanzler sehen.
Update vom 18. November, 13.43 Uhr: Nachdem Robert Habeck von seiner Partei zum Kanzlerkandidaten gewählt wurde, hat CSU-Chef Markus Söder sein Nein zu einer Koalition mit den Grünen bekräftigt. „Für uns ist Schwarz-Grün keine Option“, schrieb der bayerische Ministerpräsident in einem Beitrag auf X. Doch sein Ton scheint sich zumindest ein wenig geändert zu haben. „Die Grünen sind keine Feinde. Aber sie sind unter den demokratischen Parteien der Wettbewerber, die am weitesten von uns entfernt sind. Deshalb gilt: miteinander reden ja, koalieren nein.“
Den Parteitag der Grünen bezeichnete Söder weiter als „Enttäuschung“. Es sei klar, dass es mit den neu gewählten Parteivorsitzenden „keinen neuen Wein, sondern nur alten Essig in neuen Schläuchen“ geben werde. „Es sind weiter die gleichen Grünen – mit Robert Habeck an der Spitze. Die Beschlüsse gehen weiter nach links. Mit den Grünen ist beim Thema Migration kein Staat zu machen“, so der CSU-Vorsitzende.
Habeck nach Hausdurchsuchung wegen „Schwachkopf“-Beleidigung in der Kritk
Neben der massiven Kritik von Seiten der Union muss sich Habeck auch wegen einer gestellten Strafanzeige rechtfertigen. Ein Nutzer teilte online ein Bild des Wirtschaftsministers, das die Überschrift „Schwachkopf“ trug. Diese hatte eine Hausdurchsuchung bei dem Rentner aus Bayern nach sich gezogen, was im Anschluss zu massiver Kritik an Habeck führte. Die Reaktion sei nicht verhältnismäßig gewesen, so der Tenor einiger Kritiker.

Habeck selbst weist die Verantwortung für die Hausdurchsuchung von sich. Weil in einer Erklärung der Polizei auch die Rede von antisemitischen und rassistischen Hintergründen die Rede gewesen sei, glaube er, dass seine Anzeige lediglich der „Auslöser“ für die Polizeiaktion gewesen sei.
Berlin – Wie wirkt sich das Ende der Ampel-Koalition auf die Wahlabsichten der Deutschen aus? Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov bringt nun Aufschluss – und eine positive Überraschung für Grünen-Vizekanzler Robert Habeck, der vor wenigen Tagen in den ARD-„Tagesthemen“ erklärt hatte, Grünen-Kanzlerkandidat bei den Neuwahlen im Februar zu sein.
Umfrage zeigt Zuspruch für Robert Habeck als Grünen-Kanzlerkandidat vor Neuwahlen
24 Prozent der Befragten gaben in der YouGov-Umfrage an, dass sie Habeck als geeignet oder sehr geeignet für das Amt des Kanzlers halten. Am höchsten ist die Zustimmung zu Habeck als Kanzler bei Stadtbewohnern (28 Prozent). Unter den Wählern vom Land hält aber immerhin auch noch jeder Fünfte (21 Prozent) Habeck für geeignet.
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Für Habeck, der in den Tagen nach Bekanntgabe seiner Kandidatur viel Spott ertragen musste, dürfte das gut klingen. Dass er als Kanzler kandidiert, hatte unter anderem CSU-Chef Markus Söder scharf kritisiert: „Dass der grüne Wirtschaftsminister, der verantwortlich für das ökonomische Desaster und Abrutschen der Industrie ist, sich zum Kanzlerkandidaten erklärt, ist geradezu eine Verhöhnung der Wählerinnen und Wähler“, hatte er der Bild am Sonntag gesagt.
Auch BSW-Chefin Sahra Wagenknecht reagierte höhnisch: Die Grünen würden trotz ihrer mauen Umfragwerte „den gescheiterten Ampel-Wirtschaftsminister Habeck als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken“. Und ein CDU-Mann schlug sogar vor, das Frauenwahlrecht zu überdenken, sollte Habeck Kanzler werden. Frauen seien schlichtweg zu „emotional und labil“.
Habeck hat laut Umfrage in zwei Punkten als Kanzlerkandidat die Nase vor Scholz und Merz
In zwei Punkten hat Robert Habeck laut der neuen Umfrage sogar unter den übrigen Spitzenkandidaten die Nase vorn. Erstens: In Sachen Charisma. 13 Prozent der Befragten der Umfrage fanden Habeck charismatisch. Über Christian Lindner (FDP) sagten dies neun Prozent, über Friedrich Merz (CDU) 7 Prozent und über Olaf Scholz (SPD) sogar nur drei Prozent.
Zweitens liegt Habeck in Sachen Glaubwürdigkeit vor Scholz und Merz. 15 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, der Grünen-Politiker wirke glaubwürdig. Friedrich Merz halten dagegen nur zehn Prozent für glaubwürdig, über Kanzler Olaf Scholz sagen dies acht Prozent.
FDP-Chef Christian Lindner, der vergangene Woche von Kanzler Scholz entlassen wurde, hielt unter den Spitzenkandidaten für die Neuwahlen den höchsten Wert zu der Frage, ob er zu seinen Überzeugungen stehe: 20 Prozent sagten dies in der Umfrage über Lindner. Von Habeck sagten 16 Prozent, er stehe zu deinen Überzeugungen, über Scholz 14 Prozent.
Umfrage zu Neuwahlen: Ampel-Aus brachte wenige Veränderungen bei Sonntagsfrage
Hinsichtlich der Sonntagsfrage gab es wenig Veränderungen im Vergleich zu Umfragen vor dem Ampel-Aus. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würden laut der YouGov-Erhebung 33 Prozent ihre Stimme der Union geben. Im Oktober waren es 32 Prozent. Die SPD würden 15 Prozent wählen (16 Prozent im Oktober), die Grünen landen bei 12 Prozent und gewinnen im Vergleich zum Vormonat einen Punkt hinzu.
Die AfD verliert im Vergleich zum Oktober einen Punkt und kommt jetzt auf 19 Prozent. Die FDP liegt unverändert bei fünf Prozent, das BSW bei sieben Prozent (Oktober: 8 Prozent).
Für die YouGov-Befragung wurden im Zeitraum 8. bis 12. November 2024 insgesamt 2.193 Personen in einer repräsentativen Stichprobe befragt. Die Stichprobe bildet die Wahlberechtigten Deutschlands ab 18 Jahren hinsichtlich Alter, Geschlecht, Region, Wahlverhalten, Bildung und politisches Interesse ab. (smu)