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Der rheinland-pfaelzische Ministerpraesident a.D. Kurt Beck.

Interview

„Spitze sollte keine überstürzten Entscheidungen treffen“

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Der frühere SPD-Chef Kurt Beck über die Folgen der Urwahl .

Herr Beck, was war Ihr erster Gedanke, als Sie vom Ausgang des SPD-Mitgliedervotums erfahren haben?

Das Ergebnis der Mitgliederbefragung hat mich überrascht – wie viele andere auch. Aber wenn man Menschen nach ihrer Meinung fragt, muss man akzeptieren, wie sie entscheiden. Ich bin gewillt, die demokratische Entscheidung der SPD-Mitglieder anzuerkennen.

Was heißt das?

Ich werde das neue Führungsduo nach Kräften unterstützen. Das Ergebnis der Mitgliederbefragung gilt. Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans müssen nun auf dem SPD-Parteitag gewählt werden.

In der Führungsriege der SPD zweifeln manche daran, ob Esken und Walter-Borjans die nötigen Kompetenzen mitbringen, um die SPD zu führen. Auch Altkanzler Gerhard Schröder ist skeptisch.

Die SPD hat in einem demokratischen Verfahren eine Entscheidung gefällt. Und es hilft meiner Partei nicht, diese Entscheidung schon 24 Stunden später infrage zu stellen. Ich rufe alle Genossen dazu auf, sich hinter der neuen Parteispitze zu versammeln.

Sie waren selbst Vorsitzender der SPD. Was raten Sie Ihren Nachfolgern?

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans müssen ihren eigenen Weg finden. Wenn ich der neuen Parteispitze etwas mitgeben soll, wäre es der gut gemeinte Ratschlag, nun keine überstürzten Entscheidungen zu treffen. Die SPD ist in einer schwierigen Situation. Alle nun folgenden Schritte müssen sorgfältig abgewogen und diskutiert werden.

Sollte die SPD in der großen Koalition bleiben?

Die Regierung überstürzt zu verlassen, wäre sicherlich kein guter Weg. Die neue Parteispitze muss sich sehr genau überlegen, an welcher Stelle die SPD für die Menschen mehr erreichen kann. Dafür muss sie sich ausreichend Zeit nehmen. Die paar Tage bis zum Parteitag werden für eine Entscheidung dieser Tragweite kaum ausreichen. Ich warne vor der Hoffnung, dass in der Opposition alles besser wird.

Interview: Andreas Niesmann

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