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„Nicht mehr sicher“ – Russische Beamte dürfen keine iPhones mehr benutzen

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Russland sagt Apple den Kampf an: Aus Angst vor Spionage verbietet Moskau seinen Behörden die Nutzung von iPhones und Co.

Moskau – Werden russische Behörden über iPhones ihrer Mitarbeiter ausspioniert? Behörden in Moskau haben Tausenden von Beamten und Staatsangestellten verboten, iPhones und andere Apple-Produkte zu verwenden. Das Handelsministerium gab die Weisung aus, ab Montag (17. Juli 2023) die Verwendung von iPhones für „Arbeitszwecke“ zu untersagen. Damit steht das Ministerium nicht allein da: Das digitale Entwicklungsministerium sowie das staatliche Unternehmen Rostec, das vom Westen für die Lieferung von Russlands Kriegsmaschinerie in der Ukraine sanktioniert wird, hat angekündigt, dem Beispiel zu folgen, oder dass es intern bereits Verbote gebe.

Das Verbot spiegelt die wachsende Besorgnis im Kreml über einen Anstieg der Spionageaktivitäten durch US-Geheimdienste gegen Moskau wider. Sicherheitsbeamte in Ministerien – also FSB-Mitarbeiter, die zivile Positionen wie stellvertretende Minister innehaben – gaben laut einem Bericht der Financial Times an, dass „iPhones nicht mehr als sicher angesehen wurden und dass Alternativen gesucht werden sollten“, wie eine Person im Umfeld einer Regierungsbehörde, die Apple-Produkte verboten hat, äußerte.

iPhones nicht mehr erlaubt: „Jeder beschwert sich darüber, dass es unpraktisch ist“

Einen Monat nachdem Präsident Wladimir Putin sein Land im Februar letzten Jahres in die Ukraine einmarschieren hatte lassen, unterzeichnete er ein Dekret, wonach Organisationen, die an der „kritischen Informationsinfrastruktur“ beteiligt waren, bis 2025 auf in Russland entwickelte Software umsteigen müssen. Der Schritt spiegelte den langjährigen Wunsch Moskaus wider, staatliche Institutionen von ausländischen Technologien unabhänigig zu machen.

„Beamte glauben wirklich, dass die Amerikaner ihre Ausrüstung zum Abhören nutzen können“, sagte Andrej Soldatow, Experte für Sicherheits- und Geheimdienste in Russland. „Der FSB ist seit langem besorgt über die Verwendung von iPhones für professionelle Kontakte, aber die Präsidentschaftsverwaltung und andere Beamte lehnten die [Einschränkungen] ab – einfach weil sie iPhones mochten.“ Das Verbot des Handelsministeriums umfasst unter anderem Arbeits-E-Mails, so der stellvertretende Leiter Wassili Osmakow. Eine andere Person in der Nähe eines Ministeriums sagte: „Die Spezialisten der IT-Abteilung berichten, wenn jemand seine Mail von einem iPhone öffnet. Es ist leicht zu kontrollieren.“

Ein Rostec-Vertreter sagte gegenüber der Financial Times, dass die Beschränkungen für alle Apple-Geräte gelten. Aber ihre Verwendung für persönliche Zwecke ist immer noch erlaubt. „Jeder beschwert sich darüber, dass es unpraktisch ist, und dass sie ein anderes Telefon oder Tablet dabeihaben müssen“, fügte die Quelle hinzu.

Beamten ignorierten bisherige Verbote: „Frage ist, ob sie sich jetzt daran halten“

Der russische Cybersicherheitsexperte Alexej Lukatsky bezweifelte, ob die Beamten einen dauerhaften Wechsel aufrechterhalten werden. Die meisten Beamten hätten bisherige Verbote ignoriert. „Die Frage ist, ob sie sie jetzt einhalten werden.“ Der Kreml ist aber in seiner Wortwahl eindeutig: „Jeder in der Präsidentenverwaltung ist sich bewusst, dass das iPhone ein völlig transparentes Gerät ist und seine Verwendung für offizielle Zwecke inakzeptabel und verboten ist“, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow letzten Monat.

Russlands Präsident Wladimir Putin auf einem Handy- und einem Laptop-Bildschirm.
Russland verbietet Beamten die Nutzung von iPhones – aus Angst vor Spionage. (Symbolfoto) © Natalia Kolesnikova/AFP

Auch der Geheimdienst FSB behauptete, dass Apple den US-Geheimdiensten „eine breite Palette von Kontrollwerkzeugen über Personen von Interesse für das Weiße Haus anbietet“. Beweise nannte der FSB nicht. Apple bestritt die Vorwürfe und sagte in einer Erklärung, dass es „nie mit einer Regierung zusammengearbeitet habe, um eine Hintertür in ein Apple-Produkt aufzubauen und niemals zu tun“. Ex-Präsident Dimitri Medwedew bezichtigte Apple daraufhin der „schamlosen Lüge“. Seine andere Erklärung: „Oder Apple steht kurz davor, pleite zu sein.“ Medwedew selbst hatte als damaliger Präsident 2010 noch ein iPhone 4 von Steve Jobs ausgehändigt bekommen, als er Silicon Valley in den USA besuchte. (cgsc)

Nach dem Aufstand der Wagner-Gruppe sprechen Ex-Mitarbeiter aus Prigoschins Trollfabriken über die Strategien, die Eskalation in der Ukraine anzufachen. Indes wächst die Angst vor einem Stellvertreterkrieg von Belarus mithilfe der Söldner.

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