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Donald Trump ist ziemlich weit auf Kim Jong Un zugegangen.

Abrüstung

Spielt Kim nur auf Zeit?

USA und Nordkorea werten Abbruch der Atomgespräche unterschiedlich.

Nach monatelanger Funkstille haben Washington und Pjöngjang erstmals wieder über eine atomare Abrüstung in dem ostasiatischen Land verhandelt. Doch beide Parteien zogen eine höchst unterschiedliche Bilanz der gut acht Stunden langen Gespräche im schwedischen Stockholm: Der nordkoreanische Unterhändler sprach von einem Scheitern. Er warf der US-Delegation vor, mit leeren Händen angereist zu sein und an alten Standpunkten festzuhalten. Das US-Außenministerium erklärte hingegen, die US-Unterhändler seien mit kreativen Ideen gekommen und hätten gute Gespräche mit der nordkoreanischen Seite geführt. Diese sollten in zwei Wochen fortgesetzt werden.

Nordkorea schloss allerdings weitere Verhandlungen vorerst aus. solange die USA keine „praktischen Maßnahmen“ ergriffen, um sich von ihrer feindseligen Politik zurückzuziehen.

Es waren die ersten Atomverhandlungen seit einem Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Machthaber Kim Jong Un Ende Februar in Vietnam, das unter anderem an Fragen der atomaren Abrüstung Nordkoreas sowie Sanktionserleichterungen für das international isolierte Land gescheitert war. Trump und Kim hatten die neuen Verhandlungen Ende Juni bei einem Treffen an der innerkoreanischen Grenze vereinbart.

„Wir sind enttäuscht von den USA“

Die USA und Nordkorea könnten nicht an einem Tag „70 Jahre Krieg und Feindseligkeit auf der koreanischen Halbinsel“ beseitigen, hieß es am Samstag aus dem US-Außenministerium. Um eine Lösung für die „gewichtigen Themen“ zu finden, bräuchten beide Seiten Entschlossenheit und Ausdauer. Der nordkoreanische Unterhändler Kim Myong Gil hingegen ließ vor Journalisten in Stockholm indes kein gutes Haar an der Gesprächsrunde. „Wir sind enttäuscht von den USA“, sagte er nach Angaben der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“.

„Die Verhandlungen haben unsere Erwartungen nicht erfüllt und wurden deshalb abgebrochen“, sagte der Nordkoreaner. Nun liege es an Washington, den Dialog wieder aufzunehmen, forderte er. Das US-Außenministerium erklärte hingegen, die Bemerkungen der Nordkoreaner deckten sich nicht „mit dem Inhalt und dem Geist der Gespräche“.

Nach Einschätzung des Nordkorea-Experten Chad O’Carroll von der Korea Risk Group ist das Treffen in Stockholm an völlig gegensätzlichen Erwartungshaltungen gescheitert. Die Nordkoreaner hätten Details großer Zugeständnisse der USA erwartet. Die US-Delegation habe aber vor größeren Konzessionen erst Fortschritte bei der Abrüstung Nordkoreas sicherstellen wollen, twitterte O’Carroll. Andere Nordkorea-Experten meinten, dass die nordkoreanischen Unterhändler sich nach dem Abgang des Nationalen Sicherheitsberaters und Hardliners, John Bolton, mehr versprochen hätten. Aus Sicht von Bolton wird Nordkorea sein Atomwaffenprogramm nie freiwillig aufgeben. Er warnte deshalb, dass die USA ihre Sanktionen gegen Nordkorea auf keinen Fall für mindere Zugeständnisse lockern dürften.

„Erwarten Sie mehr Raketen-Tests“

Die USA und westliche Verbündete fordern eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und eine Einschränkung der Raketen- und Waffenprogramme des ostasiatischen Landes. Nordkorea hat zwar den Willen zur Abrüstung bekundet, besteht aber vor Zugeständnissen auf einer schrittweisen Aufhebung der Sanktionen. Das international isolierte Land verfügt Experten zufolge über erste Atomwaffen und treibt die Entwicklung ballistischer Raketen weiter voran. Diese können mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden.

US-Präsident Trump ist mit den inzwischen drei persönlichen Treffen mit Kim ein Risiko eingegangen: Führt ihn der junge Machthaber an der Nase herum, um Zeit zu gewinnen? Oder könnte die Befriedung der koreanischen Halbinsel Trump sogar den Friedensnobelpreis einbringen, wie der Präsident zu hoffen scheint? Trumps Kritiker argumentieren, Kim wolle nur Zeit gewinnen, um sein Atomwaffenarsenal so zu verbessern, um militärisch nicht mehr verwundbar zu sein. Aus Sicht des Nordkorea-Experten Ankit Panda stehen die Zeichen auf Eskalation. „Erwarten Sie mehr Raketen-Tests.“

dpa

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