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Russland: Propagandist nennt wahren Grund der Invasion

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Von: Andreas Apetz

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Sergej Mardan spricht im russischen Staats-TV abfällig über die Bevölkerung der Ukraine.
Sergej Mardan spricht im russischen Staats-TV abfällig über die Bevölkerung der Ukraine. © Screenshot Russia Media Monitor

Im russischen Propagandafernsehen erklärte ein Talkshow-Gast die wahren Beweggründe hinter der Invasion der Ukraine.

Moskau – Dass in den russischen Staatsmedien Propaganda betrieben wird, ist keine Neuheit und überrascht mittlerweile niemanden mehr. Dabei nimmt Russland stets die Rolle als Hüter von Anstand und Moral ein. Die Invasion der Ukraine wurde somit stets als „Spezialoperation“ getarnt, mit dem tugendhaften Ziel, die ukrainische Bevölkerung vor dem herrschenden Nazi-Regime zu befreien.

Während dieses Narrativ im Rest der Welt schnell in sich zusammenfiel, schluckten große Teile der russischen Bevölkerung die Geschichte des Kreml. Doch mittlerweile scheint auch das Staats-TV immer häufiger Klartext zu sprechen. Erst vor kurzem sprach ein russischer Kriegsberichterstatter davon, dass Russland niemals in die Ukraine einmarschiert sei, um jemanden zu befreien.

Russisches Staatsfernsehen: Abwertende Äußerungen über ukrainische Bevölkerung

Der Journalist Sergey Mardan moderiert den staatlich unterstellten Fernsehsender „Russia 1“. Bei seinen Nachrichtensendungen geht es vordergründig darum, die russische Propaganda zu untermauern. Unterstützt wird der Propagandist dabei immer wieder von seinen Interviewpartner:innen. Besonders häufig spricht Mardan mit seinen Talk-Gästen über den Ukraine-Krieg. So auch während einer Sendung mit dem russischen Kriegskorrespondenten Dmitry Steshin. Das Team von Russian Media Monitor hat das Gespräch übersetzt und einen Ausschnitt davon auf Twitter veröffentlicht.

Im zweiminütigen Videoclip erklären Mardan und sein Gesprächspartner Steshin, dass sich die ukrainische Bevölkerung ihre Identität auf „der Verleugnung von allem, was russisch ist“ aufgebaut habe. Damit würde das Volk seine eigenen Wurzeln verleugnen, was von Steshin als „schreckliche Abweichung“ (original: „horrid deviation“) bezeichnet wird. Man könne die Ukrainer:innen deshalb nicht als „Menschen mit einer vollwertigen Moral und einem normalen Denkapparat betrachten“, sagt Steshin.

Russisches Staatsfernsehen: Propagandist gibt zu, man wolle „niemanden befreien“

Dann findet der russische Kriegskorrespondent klare Worte: „Wir brauchen dort niemanden zu befreien. Wir müssen uns das nehmen, was uns gehört, und dafür sorgen, dass sie Angst haben, auch nur daran zu denken, in die falsche Richtung zu atmen.“ Dass damit nicht nur die Besetzung der Krim, sondern größere Teile der Ukraine gemeint ist, stellt Steshin kurz darauf klar. „Kiew, zumindest, sollten sie nicht behalten können. Danach werden wir sehen, was für ein schönes Leben wir für sie schaffen werden und wie sie ihre Identität neu überdenken wollen“, so der Korrespondent.

Für die Zukunft sehe der Talkshow-Gast allerdings keine guten Prognosen. Er fürchte, dass in einem „ideologisch durchlässigen“ Russland, ohne klar definierte „nationale Ziele“ der aktuelle Kreuzzug von Präsident Wladimir Putin umsonst sein wird. „Sie werden uns wieder austricksen, so wie sie auch die schlauen, klugen und bösen Bolschewiken ausgetrickst haben“, argwöhnt Steshin. Erst vor kurzem gab auch Moderator Mardan zu, Russland habe einen Fehler darin gemacht, einen leichten Sieg über die Ukraine zu erwarten. Er sprach anschließend von einem bevorstehenden „bösen Erwachen“. (aa)

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