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Sylvie Goulard hat einen engen Bezug zu Deutschland. 

Europäische Union

Spezialistin für Finanzfragen

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Die französische Ex-Ministerin und Deutschland-Kennerin Sylvie Goulard soll EU-Kommissarin werden - ein Porträt.

Frankreich will Sylvie Goulard als Kommissarin nach Brüssel schicken. Welches Ressort die künftige EU-Kommissionspräsident Ursula von der Leyen der früheren französischen Vize-Präsidentin der französischen Zentralbank zuweist, ist noch unklar. Frankreich hatte Interesse an den Bereichen Handel oder Industrie angemeldet, zeitweise auch am Klima- und Umweltschutz; das wird mit der Wahl der 54-jährigen Spezialistin für Finanz- und Währungsfragen unwahrscheinlicher.

Mit Goulard besetzt Präsident Emmanuel Macron einen weiteren Schlüsselposten – neben jenen des Premier- und des Wirtschaftsministers – mit einer ausgewiesenen Deutschland-Kennerin. Bereits früh vor seiner Wahl unterstützte ihn die Politikerin der liberalen Zentrumspartei MoDem (Mouvement Démocrate). Sie nutzte damals ihre guten Verbindungen nach Berlin, um Macrons Wahlkampfbesuche in Deutschland zu organisieren und beteiligte sich an der Ausarbeitung seines Wahlprogramms zum Thema Europa.

Nach seinem Sieg machte er Goulard zur Verteidigungsministerin. Doch nach wenigen Wochen trat sie zurück, als die Justiz Vorermittlungen gegen MoDem wegen des Verdachts einleitete, ihr parlamentarischer Assistent sei von EU-Geldern bezahlt worden, obwohl er überwiegend für die Partei arbeitete. „Können Sie sich eine juristische Prozedur mich betreffend inmitten einer militärischen oder terroristischen Operation vorstellen? Für mich war das nicht möglich“, begründete Goulard ihre Entscheidung, die dennoch die Vorwürfe zurückweist.

Aus dem Élysée-Palast heißt es, Goulard eigne sich als Kommissarin aufgrund ihrer europäischen Expertise und ihrer ideologischen Nähe zu Macron. Die Mutter dreier Töchter gilt als glühende Verfechterin eines föderalistischen Europas, dessen Mitglieder sich noch viel stärker miteinander verzahnen.

Goulard hat nach einem Jura-Studium die Elitehochschulen Sciences Po Paris und ENA besucht, sie arbeitete im französischen Außenministerium, lehrte am Europakolleg in Brügge, war langjährige EU-Abgeordnete, beriet den früheren EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi und verfasste mehrere Bücher über Europa, auch gemeinsam mit dem italienischen Ex-Ministerpräsidenten Mario Monti. Mit ihm dürfte der gebürtigen Marseillerin mit familiären Wurzeln in Italien der Austausch wohl erneut leicht fallen: Italienisch spricht Goulard ebenso fließend wie Englisch und Deutsch.

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