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Auf Regionalkonferenzen stellen sich die Kandidatinnen und Kandidaten für die Chefposten der Partei vor.

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SPD-Vorsitz: Die Kandidat*innen und das Wahl-Prozedere

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Die Suche nach neuen Chefs für die SPD geht in die entscheidende Phase. Wir stellen die Kandidierenden vor und erklären, wie die Wahl abläuft.

Am Mittwoch (4.9.2019) geht die Vorstellungstour der Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz los. 23 Verabredungen zwischen Bewerbern und Basis haben die SPD-Landesverbände organisiert. Die erste dieser Regionalkonferenzen startet um 18 Uhr in Saarbrücken, die letzte am 12. Oktober um 10.30 Uhr in München.

Dazwischen gastiert der SPD-Wanderzirkus in allen Bundesländern und macht Stationen in Berlin, Hamburg oder Bremen, aber auch in kleineren Städten wie Bad Hersfeld, Bernburg an der Saale oder Nieder-Olm. Der Ablauf jeder Veranstaltung sieht Eingangsstatements von maximal fünf Minuten Länge pro Team vor. Danach folgt eine Schnellfragerunde, in der jeder Kandidat zwei bis drei Fragen zu aktuellen Themen in maximal 60 Sekunden beantworten soll.

 Im Anschluss haben die Mitglieder das Fragerecht, wobei die Moderatoren darauf achten werden, dass alle Bewerber zu Wort kommen. Zweieinhalb Stunde sollen die Konferenzen maximal dauern. 17 Bewerberinnen und Bewerber gehen ins Rennen. 16 von ihnen treten in Zweierteams an, einer alleine.

Sie kandidieren für den SPD-Vorsitz

Klara Geywitz & Olaf Scholz

Die Kandidatur der Politologin (43) und des Juristen (63) war eine Überraschung: Ursprünglich hatte Finanzminister, Vizekanzler und Vize-SPD-Chef Scholz eine Bewerbung aus Zeitgründen ausgeschlossen. Geywitz hat gerade ihr Landtagsmandat in Brandenburg verloren. Sie war vier Jahre Generalsekretärin der dortigen Landes-SPD, trat 2017 im Streit mit Landeschef Dietmar Woidke zurück. Scholz und Geywitz gelten als Vertreter des pragmatischen SPD-Flügels und Befürworter der großen Koalition. Sie fordern aber auch einen Mindestlohn von zwölf Euro und eine Rentengarantie bis 2040.

Nina Scheer & Karl Lauterbach

Als scharfe Kritiker der großen Koalition haben sich die Umweltpolitikerin Scheer (47) und der Gesundheitsexperte Lauterbach (56) profiliert. Das Duo fordert eine neue Mitgliederbefragung über das Bündnis mit der Union. Scheer, die in Geesthacht lebt, sitzt seit 2013 im Bundestag. Sie ist Rechtswissenschaftlerin, Politikwissenschaftlerin und Violinistin. Ihr Vater, der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, war ein Vordenker der Energiewende. Lauterbach ist Mediziner und seit 2005 Mitglied des Parlamentes. Seit 2013 ist der Kölner, der stets eine Fliege trägt, Vizechef der SPD-Fraktion.

Petra Köpping & Boris Pistorius

Trotz ihres relativ hohen Alters gelten die sächsische Integrationsministerin (61) und der niedersächsische Innenminister (59) innerhalb der SPD schon länger als Politikerin und Politiker mit Zukunft. Staats- und Rechtswissenschaftlerin Köpping, die früher Landrätin des Landkreises Leipziger Land war, hat sich einen Namen als Stimme des Ostens gemacht. Rechtsanwalt Pistorius war Oberbürgermeister von Osnabrück und ist seit 2013 Innenminister von Niedersachsen. Das Duo steht für eine pragmatische SPD-Politik, in der Sicherheitsfragen eine große Rolle spielen.

Christina Kampmann & Michael Roth

Die frühere NRW-Landtagsabgeordnete (39) und der Staatsminister im Auswärtigen Amt (49) waren das erste Team, das seine Kandidatur erklärt hatte. Roth stammt aus einer hessischen Bergmannsfamilie, ist Politikwissenschaftler und seit 1998 im Bundestag. Kampmann, die auf einem Bauernhof in Ostwestfalen aufwuchs, ist Verwaltungswirtin, war Bundestagsabgeordnete und Ministerin in NRW. Beide gehören dem linken Flügel der Sozialdemokraten an. Sie fordern die Abschaffung der Schuldenbremse, eine Digitaloffensive und einen entschiedenen Kampf gegen Kinderarmut.

Gesine Schwan & Ralf Stegner

Das Kandidatenduo Schwan (76) und Stegner (59) ist womöglich das intellektuellste Team im Bewerberkreis – und gleichzeitig das am schwersten zu vermittelnde. Die Berliner Politikprofessorin Schwan ist öffentlich durch die zwei erfolglosen Kandidaturen als Bundespräsidentin bekannt geworden. Stegner ist Dauertalkshowgast und Vordenker der SPD-Linken. Es war viele Jahre Chef der Nord-SPD, musste als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2012 eine schwere Niederlage verkraften. Bis heute ist der Mann aus Bordesholm Oppositionsführer im Kieler Landtag.

Saskia Esken & Norbert Walter-Borjans

Die Informatikerin (58) und der Volkswirt (66) sind als letzte Bewerber in das Rennen um den SPD-Vorsitz eingetreten. Das Duo gilt als Geheimfavorit der Parteilinken. Juso-Chef Kevin Kühnert hat bereits seine Unterstützung signalisiert, auch der Landesvorstand der wichtigen NRW-SPD steht hinter dieser Bewerbung. Die Baden-Württembergerin Esken gehört dem Bundestag seit 2013 an und beschäftigt sich vor allem mit Themen rund um Digitalisierung. Der Kölner Walter-Borjans war bis 2017 Finanzminister von Nordrhein-Westfalen. Er machte sich als Kämpfer gegen Steuerhinterziehung einen Namen – auch weil er mehre CDs mit Datensätzen potenzieller deutscher Steuerbetrüger kaufen ließ.

Simone Lange & Alexander Ahrens

Die Oberbürgermeisterin von Flensburg (42) und ihr Kollege (53) aus Bautzen sind die Kandidaten mit den wenigsten Berührungspunkten zum Berliner Politikbetrieb. Verwaltungswirtin Lange wollte bereits 2018 SPD-Vorsitzende werden, holte im Duell mit Andrea Nahles aber nur 27 Prozent der Stimmen. Jurist und Sinologe Ahrens ist seit 2010 Oberbürgermeister von Bautzen und seit 2017 Mitglied der Sozialdemokraten. Zuvor gehörte er der Partei von 1992 bis 2001 an. Beide wollen die SPD deutlich linker ausrichten. Lange fordert eine stärkere Umverteilung des Reichtums, Ahrens denkt über ein bedingungsloses Grundeinkommen nach. Die große Koalition verlassen wollen beide.

Hilde Mattheis & Dierk Hirschel

Die Kandidatur der Bundestagsabgeordneten (64) und des Verdi-Bereichsleiters (49) dürfte eine aus der Kategorie „chancenlos“ sein. Lehrerin Mattheis, die dem Bundestag seit 1986 angehört, hat sich in der SPD einen Name als scharfe Kritikerin des Establishments gemacht. Sie lehnt die große Koalition strikt ab, will stattdessen Rot-Rot-Grün – oder in die Opposition. Die Vorsitzende des Forums Demokratische Linke 21 hat selbst auf dem linken SPD-Flügel nur wenige Verbündete. Ökonom Hirschel ist in der SPD bislang wenig bekannt. Er fordert einen Neustart der SPD in der Wirtschaftspolitik.

Karl-Heinz Brunner

Der Jurist (66) aus dem bayerischen Illertissen ist der einzige Einzelkämpfer im Feld der Bewerber. Dass er gewählt werden könnte, glaubt er selbst nicht: „Ich bin absoluter Realist.“ Brunner, der seit 2009 Bundestagsabgeordneter ist, gehört dem pragmatisch-konservativen Seeheimer Kreis in der SPD an und stört sich laut eigener Aussage an einem „deutlichen Überhang“ der Gegner der großen Koalition und der linken Sozialdemokraten im Bewerberfeld. Damit der Auswahlprozess die gesamte politische Breite der SPD widerspiegelt, hat er seinen Hut in den Ring geworfen. 

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