Karamba Diaby wurde 1961 im Senegal geboren, seit 2013 sitzt er für die SPD und Halle an der Saale im Bundestag.
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Karamba Diaby wurde 1961 im Senegal geboren, seit 2013 sitzt er für die SPD und Halle an der Saale im Bundestag.

Rassimus in den USA

„Eine große Gefahr für die ganze Welt“

Der SPD-Politiker Karamba Diaby spricht über Unruhen in den USA und US-Präsident Donald Trump.

Herr Diaby, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die USA?

Insgesamt mit großer Besorgnis, denn die Gesellschaft dort ist sehr tief gespalten. Die Schwarzen stellen einen großen Teil der Bevölkerung. Dieser kann nicht auf Dauer diskriminiert bleiben. Aber immerhin gibt es auch einige positive Zeichen. Beispielsweise machen nun viele US-Unternehmen deutlich, für wie schädlich sie diese Spaltung des Landes halten, und geben Donald Trump Kontra.

Auch in Deutschland ist Rassismus ein Thema. Wie erleben Sie die Diskussion?

Das Thema wird aus meiner Sicht ernst genommen und breit und angemessen diskutiert. Allerdings bedaure ich es sehr, dass diejenigen, die vor allem von Rassismus betroffen sind, in der öffentlichen Diskussion nur eine sehr kleine Rolle spielen. Es sind vor allem Experten und Wissenschaftler, die dominieren. Es wäre glaubwürdiger, wenn mehr direkt Betroffene zu Wort kämen. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Man muss allerdings auch sagen: Die Situation in Deutschland ist mit der in Amerika nicht eins zu eins vergleichbar. Trotzdem gibt es in Deutschland selbstverständlich Rassismus. Das kann und sollte man nicht wegdiskutieren.

Die aktuelle „Maischberger“-Sendung zu den USA sorgte vor allem bei Twitter für Kritik, weil zuerst keine „People of Colour“ eingeladen wurden. Sie teilen diese Kritik also?

Nur teilweise. Dass beispielsweise Außenminister Heiko Maas zu Gast ist, finde ich völlig in Ordnung. Denn es geht in Amerika ja nicht nur um Rassismus, sondern insgesamt um eine Politik, die eine große Gefahr für die ganze Welt darstellt. Aber natürlich wäre es wichtig gewesen, auch schwarze Menschen in der Sendung zu haben. Wir haben sehr engagierte Menschen und Organisationen mit migrantischem oder schwarzem Hintergrund, die ihre Sichtweisen und Erwartungen sehr klar formulieren. Ein Teil der Gesellschaft sehnt sich danach, stärker gehört zu werden. Da gibt es Handlungsbedarf.

Sie selbst werden im Internet häufig extrem rassistisch angefeindet. Wie sehr belastet Sie das?

In meinem nichtdigitalen Alltag spielt das fast keine Rolle. Meine Arbeit als Abgeordneter für Halle läuft ungehindert. Aber natürlich kann man so etwas auch nicht völlig abschütteln. Ich freue mich sehr, dass es auf Hass-Attacken wahnsinnig viele Gegenreaktionen gibt. Das ist für mich, mein Team und alle, die unsere Arbeit unterstützen, sehr wichtig. Es macht mir Freude und stärkt mich in meiner Arbeit. Die Hetzer sind zwar laut, aber eine Minderheit.

Sollte bei rassistischen Äußerungen in den sozialen Medien stärker eingegriffen werden?

Absolut. Die Meinungsfreiheit darf nicht angetastet werden, aber das Internet ist auch kein rechtsfreier Raum. Und die Würde des Menschen – Artikel 1 des Grundgesetzes – ist unantastbar. Die Politik muss handeln, um die Schwächsten in der Gesellschaft zu schützen. Hass-Kommentaren muss aber auch von Nutzern entschieden widersprochen werden. Der Bundestag hat einiges auf den Weg gebracht, wir müssen beobachten, ob das ausreicht.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – was wäre dieser?

Dass alle in Deutschland Rassismus als ein ernstes Problem wahrnehmen. Es gibt Teile der Gesellschaft, die das Thema kleinreden. Was die Sensibilität angeht, ist da noch Luft nach oben. Rassismus ist ein Virus, Rassismus braucht ein Stoppschild, wo er sich auch zeigt – ob auf Omas 80. Geburtstag, auf der Firmenfeier oder im Stadion. Für mich ist ein Schlüssel dabei politische und Medien-Bildung. Diese kann den Menschen helfen, die Dinge realistischer und differenzierter wahrzunehmen und gegen viele Fake News immuner zu werden. Wenn wir das Thema Bildung als Gesamtgesellschaft ernst nehmen, sind wir auf dem richtigen Weg.

Interview: Christian Burmeister

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