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Keine Zeit mehr für Höflichkeiten - wie hier beim Fernsehduell in Los Angeles Ende Januar: Barack Obama und Hillary Clinton.

US-Demokraten

Spaß beiseite

Im Vorwahlkampf der US-Demokraten schlagen Obama und Clinton jetzt schärfere Töne an.

Von DIETMAR OSTERMANN

Washington. Nach dem Clinton-Comeback in den US-Bundesstaaten Ohio und Texas stellen sich die Demokraten auf einen langen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur ein. Parteichef Howard Dean stellte am Donnerstag trotz der drohenden Aussicht auf eine Kampfabstimmung auf dem Konvent im Sommer klar, dass die Parteiführung in den Zweikampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton vorerst nicht eingreifen will. Vor den Clinton-Siegen am Dienstag war erwartet worden, dass prominente Demokraten die New Yorker Senatorin bei einem schlechten Abschneiden zur Aufgabe drängen. Davon ist nun nicht mehr die Rede.

Dean deutete an, dass neben den zwölf noch ausstehenden Vorwahlen auch Florida und Michigan erneut abstimmen könnten. Beide Bundesstaaten hatten im Januar Urnengänge abgehalten und damit gegen einen Parteibeschluss verstoßen. Offiziell durfte nur ein Staat aus jeder Region - Iowa im Mittleren Westen, New Hampshire im Nordosten, South Carolina im Süden, Nevada im Westen - im Januar wählen.

Florida (185 Delegierte) und Michigan (128) wurden mit dem Entzug der Mandate für den Parteitag in Denver im August bestraft, der den Präsidentschaftskandidaten wählt. In beiden Staaten fand kein Wahlkampf statt; Obama war in Michigan nicht auf dem Wahlzettel. Clinton, die beide Abstimmungen gewann, hatte sich bislang für eine Anerkennung eingesetzt. Obama lehnt das ab.

Florida und Michigan könnten neue Abstimmungen organisieren. Die Gouverneure Charlie Crist, ein Republikaner, und Jennifer Grisholm, eine Demokratin, appellierten an die Partei, eine Lösung zu finden. Die deutet sich an: Statt aufwändiger Vorwahlen könnten Caucus-Parteiversammlungen abgehalten werden. Der Ausgang wäre unklar: In beiden Staaten werden Clinton Chancen eingeräumt. Außer Nevada hat Obama jeden Caucus gewonnen.

Für die neue Phase im Nominierungskampf deuteten beide Bewerber eine aggressive Strategie an. Nachdem zuletzt Clinton heftige Attacken geritten hatte, konterte das Obama-Lager. Chefstratege David Axelrod forderte, Clinton müsse ihre Steuererklärung für 2006 offenlegen. Auch solle Bill Clinton eine Liste mit Spendern für seine Präsidentenbibliothek in Arkansas veröffentlichen. "Wenn es Gegenleistungen gab, etwa Begnadigungen, müssen die Menschen das jetzt wissen, nicht erst im Wahlkampf im Herbst", sagte der frühere Senator und Obama-Unterstützer Bill Bradley. Clinton-Sprecher Howard Wolfson erklärte, Obama habe die Wähler in Texas und Ohio nicht überzeugen können, dass er das Zeug zum Oberkommandierenden habe, deshalb dürfe er nicht Präsidentschaftskandidat werden.

Jenseits dieser Scharmützel legten beide Lager Pläne vor, wie sie die Nominierung gewinnen wollen. Obama argumentiert, er sei weiter der Kandidat mit den meisten gewählten Delegierten, der Vorsprung uneinholbar. Nach unterschiedlichen Zählungen gewann Clinton am Dienstag trotz drei Siegen in vier Vorwahlen nur 5 bis 15 Delegiertenstimmen mehr als Obama. Wegen archaischer Regeln reklamierte das Obama-Lager den Sieg in Texas für sich: Clinton erhielt dort mehr Voten, womöglich aber weniger Delegierte. Laut CNN kommt Obama auf 1520 Delegierte, Clinton auf 1424. Nötig auf für Nominierung sind 2025 Delegierte.

Beide Seiten werben verschärft um "Superdelegierte", die wohl den Ausschlag geben düften. Von den knapp 800 Delegierten, die für den Parteitag gesetzt sind, ist rund die Hälfte unentschlossen.

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