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Mosambiks Präsident Filipe Nyusi (in Weiß) will mit allen Mitteln an der Macht bleiben.

Wahlen

Spannungen in Mosambik

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Beobachter fürchten Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen.

Warum Anastacio Matavele sterben musste, ist noch immer ein Geheimnis. Der angesehene Direktor einer unabhängigen Wahlbeobachtergruppe hatte gerade einen Workshop in der mosambikanischen Provinzhauptstadt Xai-Xai beendet, als Anfang vergangener Woche fünf Männer das Feuer auf ihn eröffneten – Matavele starb kurze Zeit später in einem Krankenhaus. Auf ihrer Flucht verursachten die Attentäter einen Autounfall: Einer von ihnen starb, zwei weitere wurden verhaftet. Sie stellten sich als Mitglieder einer Elite-Einheit der Polizei heraus. Der Mord werfe einen „dunklen Schatten“ auf die bevorstehenden Wahlen in dem südostafrikanischen Staat, kommentierte die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW). Auf ein Ergebnis der Ermittlungen warten die Mosambikaner noch immer.

Matavele ist nicht der einzige, der vor dem Urnengang am heutigen Dienstag ums Leben kam: Mehr als 40 Menschen seien während des „gewalttätigsten“ Wahlkampfs in der fast 30-jährigen Nachkriegsgeschichte Mosambiks schon gestorben, sagt HRW-Landesdirektorin Zenaida Machado. Zum ersten Mal in der 45 Jahre währenden Herrschaft der Frelimo-Partei bestehe die Möglichkeit, dass die Befreiungsbewegung zumindest in Teilen des Landes die Macht verlieren könne. Auf jeden Fall werde sie nicht mehr auf die absolute Mehrheit setzen können. Die Stimmung vor den Wahlen ist so angespannt wie noch nie seit dem 1992 beendeten Bürgerkrieg zwischen der moskautreuen Frelimo und der einst vom Westen finanzierten Rebellentruppe Renamo.

Zwar unterzeichneten die beiden Parteien im August ihren dritten Friedensvertrag, doch auch dieser könnte nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse auf der Müllhalde der mosambikanischen Geschichte landen. Schon heute fühlt sich eine Splitterpartei, die „Junta Militar da Renamo“, nicht an die Vereinbarung gebunden. Und die von Korruptionsskandalen gebeutelte Regierungspartei wird nach den Worten Machados alles tun, um einen Machtverlust zu verhindern.

Schon jetzt hat sie für diesen Zweck alles Mögliche getan. Die Kandidaten der beiden größten Oppositionsparteien, der Renamo und der Demokratischen Bewegung Mosambiks (MDM), wurden im Wahlkampf nach Kräften behindert, Tausende von Wahlbeobachtern ließ die Regierung unter Präsident Filipe Nyusi erst gar nicht zu. In Gaza, einer Frelimo-Hochburg, stehen 300 000 Namen mehr auf der Wählerliste, als Erwachsene überhaupt in der Provinz gemeldet sind. Dafür werden in der Sofala-Provinz, einer Renamo-Hochburg, Zigtausende nicht zu den Urnen gehen können: Sie waren Anfang des Jahres von zwei verheerenden Zyklonen vertrieben worden. Schon heute stehe fest, dass die Abstimmung nicht als „frei und fair“ betrachtet werden könne, sagt Jasmine Opperman, Analystin beim Institut für Sicherheitsfragen in Pretoria.

Ihren Popularitätsverlust hat die Regierungspartei nur sich selbst zuzuschreiben. Nyusis Vorgänger, Armando Guebuza, wusste sich als korruptester Staatschef im Nachkriegsland einen Namen zu machen. Allein im Zusammenhang mit einem Skandal verschwanden unter seiner Herrschaft zwei Milliarden US-Dollar in den Taschen der Präsidentenfamilie und führender Frelimo-Mitglieder. Der Weltwährungsfonds und westliche Gebernationen drehten daraufhin den Hahn zu. Mosambik schlitterte in eine Rezession, die Preise schossen in die Höhe. Ein gutes Dutzend Frelimo-Hierarchen landeten schließlich hinter Gittern, während Guebuza weiter seine Freiheit genießt.

Dabei könnte Mosambik im Reichtum fast schwimmen. Im Indischen Ozean im Norden des Landes wurden riesige Erdgas-Vorkommen entdeckt: Derzeit bereiten die beiden Mineralölkonzerne Total und ExxonMobil die Exploration des wertvollen flüchtigen Stoffes vor. Wie auch sonst in Afrika hat der Fund allerdings nur Unheil über Mosambik gebracht. In der nördlichen Provinz Cabo Delgado sind Experten aus aller Welt beschäftigt.

Seither haben sich dort mehrere Banden gebildet. Sie richten unter der Bevölkerung stetig neue Massaker an. Allein in diesem Jahr kamen fast 200 Menschen auf brutalste Weise ums Leben. Wer genau sich hinter den Banden verbirgt, ist umstritten. Die einen sehen Sicherheitsunternehmen am Werk, die auf diese Weise Aufträge der Ölkonzerne erzwingen wollten. Andere sprechen von islamistischen Zellen, die den abgelegenen aber reichen Landesteil zu destabilisieren suchten.

Unumstritten ist, dass in Cabo Delgado weder ein geregelter Wahlkampf möglich war noch eine glaubwürdige Abstimmung denkbar ist. Ein weiterer Grund dafür, dass der Urnengang nachträglich angefochten und die Welle der Gewalt zu ganz neuen Höhen aufgepeitscht werden könnte.

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