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Während der Franco-Diktatur wurden Hunderte Menschen in Spanien ermordet.

Spanischer Bürgerkrieg

Mit Franco punkten

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Vor 80 Jahren endete in Spanien der Bürgerkrieg – doch der einstige Diktator Franco ist in der Politik noch allgegenwärtig. 

Cayetana Álvarez de Toledo weiß, wie sie ihre Partei in Stimmung bringt: indem sie dem sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez unterstellt, „ein franquistisches Projekt“ zu verfolgen. Das ist natürlich ein schlechter Witz, aber die versammelten Kandidaten der konservativen Volkspartei (PP) sind trotzdem begeistert. Parteichef Pablo Casado nennt seine Nummer eins in Katalonien nach dieser Rede – in Anspielung auf den Fußballstar des FC Barcelona – die „Messi“ der PP. Mit Franco lassen sich in Spanien immer noch gut Punkte machen.

Das ist nun allerdings genau der Vorwurf, den die spanische Rechte gerne der spanischen Linken macht: dass sie sich, statt sich um wichtigere Dinge zu kümmern, immer noch an der Franco-Diktatur abarbeitet. „Zeitverschwendung“ nannte Casado vor einiger Zeit die Debatten „über jemanden, der vor 43 Jahren gestorben ist“. Er würde gern Augen und Ohren vor diesem Diktator verschließen, der am 1. April vor 80 Jahren, nach knapp dreijährigem Bürgerkrieg, den Sieg über das republikanische Spanien verkündete und das Land danach bis zu seinem Tod Ende 1975 in der Gewalt behielt.

Spaniens Rechte möchte diese Diktatur vergessen. Die Linke kann sie nicht vergessen. Auch deshalb nicht, weil Franco alles dafür tat, dass seiner weiter gedacht werde. In der Nähe von Madrid, im Valle de los Caídos (dem „Tal der Gefallenen“), ließ er eine gewaltige Basilika in den Fels hauen, in deren Altarraum er seit seinem Tod bestattet liegt. Ministerpräsident Sánchez will die Mumie des Diktators dort endlich herausschaffen, was sich als schwieriger erweist als gedacht, weil sich die Franco-Enkel – von denen sich offenbar keiner des Großvaters schämt – querstellen.

Debatte um das Mausoleum

Das also ist Sánchez’ „franquistisches Projekt“: das letzte große Mahnmal der Franco-Diktatur zu beseitigen. Was lässt sich bloß dagegen einwenden? Damit würden „Wunden und Narben“ geöffnet, ist das Standardargument, das auch PP-Chef Casado benutzt. Es ist ein absurdes Argument. Das Franco-Mausoleum selbst ist die offene Wunde.

Der hinhaltende Widerstand – seit Jahrzehnten – gegen die symbolische Entfrancofizierung ihres Landes lässt sich nur sentimental erklären. Auch die spanische Rechte weiß, dass Franco ein mörderischer Diktator war, und einmal, nach einer parlamentarischen Debatte im Jahr 2002, hat die PP seine Diktatur auch in aller Form verurteilt. Doch damit sollte es gut sein. Jede weitere Geste ist eine Erinnerung an konkrete Verbrechen. Und an die will die Rechte nicht erinnert werden. Denn es sind die Verbrechen ihrer Eltern und Großeltern.

80 Jahre nach seinem Ende lebt der Bürgerkrieg fort, weil so viele Spanier noch immer nicht die Schützengräben von damals verlassen haben. Erst wenn sie das getan haben, werden sie verstehen, dass ihr Valle de los Caídos eine nationale Schande ist. Und kein Anlass für schale Witze.

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