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Monumental: Das „Tal der Gefallenen“ in Spanien nordwestlich von Madrid.

Diktator

Spaniens Oberstes Gericht genehmigt Umbettung Francos

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Spaniens Diktator soll exhumiert werden. Seine bisherige Ruhestätte im „Tal der Gefallenen“ ist zur Pilgerstätte für Rechtsextreme geworden. Doch Francos Enkel wollen in Berufung gehen.

Ein Sieg der spanischen Demokratie“, jubelte Premier Pedro Sánchez. „Wir werden es sehr schnell machen, je eher desto besser“, sekundierte seine Vize Carmen Calvo. Am Dienstag hat der Oberste Gerichtshof in Madrid beschlossen, den Einspruch der Familie Franco gegen die Exhumierung ihres Großvaters „in ihrer Gänze“ zurückzuweisen. Die Mumie des Diktators Francisco Franco kann nun aus der Felsenbasilika im Valle de los Caídos (dem „Tal der Gefallenen“) bei Madrid verschwinden. Die Francos aber wollen Rechtsmittel einlegen. Der Präsident der ebenfalls klagenden Francisco-Franco-Stiftung, Juan Chicharro, hatte schon vor der Urteilsverkündung angekündigt: „Wir werden weiter kämpfen bis zum Ende.“

Die spanische Demokratie hat sich lange damit abgefunden, dass Franco, der 1975 nach fast vierzig Jahren Diktatur friedlich im Bett starb, seitdem in einem Mausoleum geehrt wird, das er selber in den 1950er Jahren in einen Berg in der Sierra de Guadarrama im Nordwesten Madrids treiben ließ. Das Valle de los Caídos, nicht weit vom alten Klosterpalast El Escorial gelegen, ist heute eine bizarre Touristenattraktion. Auf der Platte über Francos Grab im Altarraum der Basilika liegen immer frische Blumen, was nur die Überzeugung des Stiftungspräsidenten Chicharro bestätigt: „Wir glauben, dass es einen stark in der Gesellschaft verankerten Franquismus gibt, der sich nicht direkt politisch äußert.“

Er äußert sich indirekt, wenn der Chef der konservativen Volkspartei, Pablo Casado, verspricht, „keinen Euro“ für eine mögliche Franco-Umbettung auszugeben. Oder in den Worten der Vox-Politikerin Rocío Monasterio über das Urteil: „Das öffnet auf unverantwortliche Weise alte Wunden.“ Es ist ein Mantra der spanischen Rechten, dass jede Erinnerungspolitik „alte Wunden“ öffne – Wunden, die sich in Wahrheit nie schließen konnten. Die Verlierer des Bürgerkriegs von 1936 bis 1939 sind Verlierer geblieben, weil sich der Staat nie um sie gekümmert hat, während derselbe Staat dem Sieger jenes Kriegs bis heute im Valle de los Caídos huldigt.

Die Enkel legten sich quer

Sánchez hält das für unerträglich. Nur zwei Wochen, nachdem der Sozialist im Juni vergangenen Jahres durch ein Misstrauensvotum an die Regierung gekommen war, kündigte er die baldige Exhumierung Francos an. So schnell ging es dann aber nicht. Die sieben Franco-Enkel, von denen sich keiner des mörderischen Großvaters schämt, legten sich quer. Die Mumie des Diktators sollte in der Felsenbasilika bleiben. Wenn sie aber umgebettet werden müsse, dann bitte in die Krypta der Almudena-Kathedrale in Madrid, wo schon Francos Tochter – die Mutter der sieben Enkel – liegt.

Die Richter haben der Regierung nun nicht nur das Recht zur Exhumierung Francos zugestanden, sondern auch das Verbot einer Bestattung in der Kathedrale sanktioniert. Noch gibt es keine schriftliche Begründung, aber offenbar hat das Argument der öffentlichen Sicherheit verfangen: Eine franquistische Pilgerstätte mitten in Madrid wäre aus Sicht der Regierung nicht nur eine Schande, sondern auch ein schwer kontrollierbarer Unruheherd. Franco soll lieber an der Seite seiner Frau im Madrider Vorort El Pardo beigesetzt werden.

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