+
Hat den Liberalen die Show gestohlen: Spaniens neuer Premier Pedro Sánchez.

Pedro Sánchez

Das ist Spaniens neuer Premier

  • schließen

Spaniens neuer Premier Pedro Sánchez fühlt sich wohl im Ungefähren ? ein Porträt.

Die Spanier hatten lange nichts vom Generalsekretär der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) gehört. Seit anderthalb Jahren saß der 46-Jährige nicht mehr im Parlament; die Politik machten andere. Zum Beispiel der Chef der liberalen Ciudadanos, Albert Rivera, der seine Partei in den vergangenen Monaten vorsichtig nach rechts bewegte, um eines Tages den Konservativen Mariano Rajoy zu beerben. Die Umfragen gaben Rivera Auftrieb: Wenn am vergangenen Wochenende Wahlen gewesen wären, hätte er sie ziemlich sicher gewonnen. Nun hat ihm Sánchez die Show gestohlen. Er ist Spaniens neuer Ministerpräsident. Aus dem Nichts an die Spitze.

Gäbe es einen Nobelpreis für Hartnäckigkeit, wäre Sánchez ein aussichtsreicher Kandidat. Worin er Mariano Rajoy ähnelt: Beiden Politikern waren Niederlagen immer nur Antrieb, erst recht weiterzukämpfen. Sánchez hat schon ein paar Mal krachend verloren. Zum ersten Mal im März 2016, als er vom König den Auftrag zur Regierungsbildung erhielt, aber im Parlament mit 131 gegen 219 Stimmen scheiterte. Dann bei den folgenden Neuwahlen, die Rajoy gewann. Dann im Oktober jenes Jahres, als er nach einem gnadenlosen parteiinternen Machtkampf als PSOE-Chef zurücktrat und zugleich sein Abgeordnetenmandat zurückgab. Das Kapitel Pedro Sánchez schien beendet.

Aber ein halbes Jahr später war er wieder da. Als die PSOE-Mitglieder einen neuen Vorsitzenden wählen sollten, wählten sie den alten, gegen die Meinung fast aller Parteigranden. Von diesem Zusammenprall von Basis und Führung haben sich die Sozialisten bis heute noch nicht ganz erholt. Sánchez vermochte es nicht, die Partei zu einen. Sein Beitrag zur Erneuerung beschränkte sich auf ein neues Motto: „Wir sind die Linke.“ Was er damit sagen will, ließ sich in den vergangenen anderthalb Jahren nicht erkennen.

Jetzt kann Sánchez zeigen, was er drauf hat, jenseits seines unfehlbaren Machtinstinkts. Er ist ein Mann ohne Eigenschaften: Pedro el Guapo – der Schöne –, viel mehr gab es bisher über ihn nicht zu sagen. Freundlich im Umgang, stets bemüht, einen guten Eindruck zu machen, wobei das Bemühen zu stark auffällt. Er ist gelernter Volkswirt mit ganz allgemein sozialdemokratischen Überzeugungen. Welche Politik er nun verfolgen wird, wird stark von seinen Mitarbeitern abhängen, er selbst hat von allem nur wenig gefestigte Vorstellungen. Die Spanier werden jetzt viel von ihm hören. Sie sind gespannt, was es wohl sein mag.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion