+
Errejón will enttäuschte Podemos-Wähler für sich gewinnen.

Spanien

Spaniens Linke zersplittert

  • schließen

Podemos-Mitgründer startet Íñigo Errejón die neue Bewegung Más País („Mehr Land“) und macht damit Pablo Iglesias Konkurrenz.

Pedro Sánchez, Spaniens amtierender Ministerpräsident, ist gerade in New York, und das ist der richtige Ort, um diesen Satz zu sagen: „Wir erleben gerade die Neuordnung des politischen Umfeldes von Podemos, links der PSOE. Wir verfolgen das mit Respekt und ein wenig Distanz.“ Womit der Generalsekretär der spanischen Sozialisten (PSOE) vor allem sagen wollte: Mich geht das alles nichts an, was da gerade in der spanischen Parteienlandschaft passiert. Es geht ihn aber doch etwas an.

Am Mittwochabend hat Íñigo Errejón, einer der Mitbegründer der linkspopulistischen Partei Podemos, beschlossen, als Spitzenkandidat der neuen Formation Más País („Mehr Land“) bei den Parlamentswahlen am 10. November anzutreten. Spaniens Linke zersplittert. Das könnte eine schlechte Nachricht für die Linke sein, muss es aber nicht.

An diesem Montag war in Spanien die 13. Legislaturperiode der nachfranquistischen Demokratie zu Ende gegangen. Sie hatte nur knapp fünf Monate gedauert, weil die Parteien nicht in der Lage waren, irgendein regierungsfähiges Bündnis zu schließen. PSOE-Chef Sánchez wollte unbedingt ohne Koalitionspartner regieren. Er warb um die Stimmen von Podemos, ohne die Partei in eine gemeinsame Regierung einzuladen. Denn die Vorstellung, Podemos-Minister am Kabinettstisch sitzen zu haben, hätte ihn „nicht schlafen lassen“, sagte er.

Podemos ließ sich auf dieses Spiel nicht ein, was etliche Anhänger der Partei für einen Fehler halten: Sie ziehen eine PSOE-Minderheitsregierung einer möglichen rechten Regierung vor. Andererseits gibt es PSOE-Anhänger, die es Sánchez verübeln, nicht die Gelegenheit für eine linke Regierung genutzt zu haben. An die einen wie die anderen Enttäuschten richten sich Errejón und Más País. „Wir sind das Gegengift gegen die Enthaltung“, sagt Errejón. Nach dem traurigen Politikspektakel der vergangenen fünf Monate wäre ein Einbruch der Wahlbeteiligung am 10. November nur naheliegend.

Für „legitim und sehr vorhersehbar“ hält Podemos-Chef Pablo Iglesias das Projekt seines ehemaligen Freundes Errejón. Der heute 35-Jährige lernte den fünf Jahre älteren Iglesias an der politikwissenschaftlichen Fakultät der Madrider Complutense-Universität kennen. Gemeinsam mit Mitstreitern entwickelten sie das bewusst populistische Projekt Podemos („Wir können“), mit dem sie Anfang 2014 an den Start gingen und sehr schnell das frühere spanische Zweiparteiensystem aufbrachen. Doch das übergroße Ego des Parteichefs Iglesias vertrieb einen prominenten Parteigründer nach dem anderen aus dessen Reihen. Errejón ging Anfang dieses Jahres, um sich mit der damaligen Madrider Bürgermeisterin Manuela Carmena für ein neues linksalternatives Projekt unter dem Namen Más Madrid zusammenzutun – das er nun zu Más País erweitert hat.

Die ideologischen Differenzen zu Podemos sind klein. Die Umgangsformen jedoch sind andere: Errejón ist weniger vehement als Iglesias. „Reiner Pragmatismus kann dich zum Zyniker machen“, sagte er kürzlich in einem Interview mit der Zeitung „El País“. „Aber nur mit moralischen Überzeugungen kannst du zum Fanatiker werden.“ Es gibt schon erste Umfragen, die Errejón gut fünf Prozent der Stimmen geben, hauptsächlich zulasten von Podemos, aber auch der PSOE. Am Verhältnis von Links- zu Rechtsparteien ändert sich vorerst nichts. Aber der Kampf um die Stimmen hat gerade erst begonnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion