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Ewiggestriger: Szene am Grab von Francisco Franco. 

Spanien

Streit um Francos Mumie

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Der Leichnam des spanischen Diktators wird zunächst nicht umgebettet.

Wir werden es der spanischen Regierung nicht leicht machen, mit der Mumie meines Großvaters zu spielen“, verkündete Francis Franco im Sommer vergangenen Jahres. Francis ist einer der sieben Enkelkinder von Francisco Franco, dem 1975 gestorbenen Diktator, der fast vierzig Jahre lang über Spanien herrschte. Francis und seine sechs Geschwister schämen sich ihres Großvaters nicht, der ein hunderttausendfacher Mörder ist. Sie finden es ganz richtig, dass Franco im Altarraum einer Felsenbasilika im Valle de los Caídos (dem „Tal der Gefallenen“), unweit von Madrid, bestattet liegt und dort mal bestaunt und mal verehrt wird. Dem will die Regierung von Pedro Sánchez schon lange ein Ende bereiten. Aber Francos Enkel machen es ihr nicht leicht.

Nun hat der Oberste Gerichtshof auf Antrag der Enkel die für den kommenden Montag geplante Umbettung der Mumie Francos aus dem Mausoleum in ein gewöhnliches Grab vorläufig gestoppt. In der Hauptsache soll in einigen Monaten entschieden werden. Bis dahin bleibt der einbalsamierte Leichnam, wo er ist, um den möglichen „Schaden“ zu verhindern, den eine Exhumierung bedeutete, die später vielleicht für illegal erklärt wird. Die Sánchez-Regierung gab sich entspannt. Der Oberste Gerichtshof werde den Widerspruch der Enkel am Ende sicher zurückweisen. Wenn es so kommt, wäre die Umbettung also nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Ursprünglich sollte alles ganz schnell gehen. Der Sozialist Sánchez war erst zwei Wochen im Amt, als er einen Zeitungsbericht über die geplante Franco-Exhumierung bestätigte: „Spanien kann sich keine Symbole erlauben, die die Spanier spalten. Damit werden keine Wunden geöffnet, damit werden Wunden geschlossen.“ Und im Juni vergangenen Jahres gab er zu verstehen, dass die Angelegenheit bald erledigt sein werde – ein Irrtum.

Denn da sind noch die Franco-Enkel. Sie haben bisher alle Mittel ausgenutzt, die ein Rechtsstaat zu bieten hat, um den Gang der Geschichte zu verlangsamen. Auch die mehrheitliche Zustimmung des Parlaments zu den Regierungsplänen Mitte September vergangenen Jahres beeindruckte die Francos nicht. Zwei Wochen danach schürten sie Panik, dass sie ihren Großvater, wenn er denn aus dem Valle de los Caídos herausgeholt würde, in der Madrider Almudena-Kathedrale bestatten ließen.

Und das mit militärischen Ehren, schließlich handele es sich um einen Ex-Staatschef. In der Krypta der Madrider Kathedrale liegt seit Ende 2017 schon Carmen Franco begraben, die einzige Tochter des Diktators und Mutter der sieben rebellischen Erben. Die Regierung war ratlos. Schließlich löste das Madrider Regierungspräsidium, zuständig für die öffentliche Ordnung in der Hauptstadt, das Problem: Der Diktator im Herzen Madrids wäre ein ständiger Unruheherd, die Sicherheit in der Kirche nicht zu garantieren, also müsse eine Umbettung dorthin verboten werden. Ein Alternativgrab steht schon zur Verfügung, im Vorort El Pardo, wo auch Francos Ehefrau beerdigt ist.

Die Regierung glaubte, dass damit nun alles geregelt sei, und legte im März den kommenden Montag als Umbettungstermin fest. Etwas länger wird es nun noch dauern. Der Oberste Gerichtshof wird entscheiden, ob die Franco-Enkel in Sachen Grabstätte überhaupt mitzureden haben. Schließlich ist das Valle de los Caídos keine Privatkapelle, sondern Staatsbesitz. Zurzeit ein recht einträglicher: Seit der Ankündigung der Umbettung haben sich die Besucherzahlen des Franco-Mausoleums verdoppelt.

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