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Hohe Dunkelziffer: 2,35 Millionen Spanier sind schon mit Sars-CoV2 infiziert, nachgewiesen durch Antikörpertests.  

Corona-Krise

Spanien: Der Stand der Viren

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Eine Studie in Spanien zeigt: Fünf Prozent der Bevölkerung sind infiziert - das Zehnfache der offiziellen Fälle.

Es sei „eine der solidesten Studien“, die bisher in der Welt unternommen worden seien, sagt Spaniens Wissenschaftsminister Pedro Duque. Vom 27. April bis zum 11. Mai haben knapp 61 000 Spanier – ein repräsentativer Ausschnitt der Gesamtbevölkerung – ihr Blut auf Sars-CoV-2-Antikörper untersuchen lassen. Am Mittwochabend gab die Regierung die ersten Ergebnisse bekannt: Demnach haben sich rund fünf Prozent der Menschen in Spanien mit diesem Coronavirus infiziert und bereits Antikörper entwickelt. Das wären etwa 2,35 Millionen Menschen. Das ist, wie erwartet, deutlich mehr als die Zahl der im Laufe dieser Epidemie positiv Getesteten, die sich bis zum Donnerstag auf knapp 230 000 belief. Ein Großteil der Infizierten hatte, wie in den meisten Ländern der Welt, keinen Zugang zu einem Test.

Mit dieser ersten großen Studie in Spanien wollten sich die Gesundheitsbehörden ein Bild vom Stand der Dinge verschaffen. Ihnen war klar, dass die bisher vorgenommenen Tests nur einen kleinen Teil der Infizierten entdeckt hatten, vornehmlich jenen mit behandlungsbedürftigen Symptomen. Unter den Teilnehmern der Studie, bei denen Antikörper gefunden wurden, gab ein Drittel an, keinerlei Anzeichen einer Krankheit an sich entdeckt zu haben – das ist etwas weniger als die üblicherweise geschätzten 40 Prozent.

Nach den Ergebnissen der Studie ist das Coronavirus von Region zu Region deutlich unterschiedlich verbreitet. Im Zentrum des Landes – in und um Madrid – tritt das Virus deutlich stärker auf als an den Küsten. In sieben Provinzen (Madrid, Soria, Segovia, Guadalajara, Cuenca, Albacete y Ciudad Real) liegt die sogenannte Prävalenz über zehn Prozent, in fast allen Küstenprovinzen und auf den Balearen und Kanaren unter drei Prozent – zu den wenigen Ausnahmen gehört Barcelona mit 7,1 Prozent.

Ballungsräume stärker betroffen

Grundsätzlich und wenig überraschend sind Ballungsräume stärker betroffen als ländliche Regionen. Bemerkenswert an den Studienergebnissen ist, dass in den wenig betroffenen Regionen auch die Sterblichkeit – die Zahl der Toten im Verhältnis zur Zahl der Infizierten – deutlich niedriger ist als in den stark betroffenen Regionen. Das ist ein Hinweis darauf, dass eine Überlastung der Gesundheitssysteme wahrscheinlich tödliche Folgen für etliche Patienten hat.

Die durchschnittliche Sterberate liegt in Spanien nach dieser Studie bei 1,1 Prozent, etwas höher als in anderen Studien geschätzt. Diese Zahl ist aber noch mit einiger Vorsicht zu behandeln. Einerseits ist es gut möglich, dass weit mehr Menschen an Covid-19 gestorben sind als bisher registriert wurden. Andererseits liegt die Sensibilität der bisher ausgewerteten Schnelltests mutmaßlich bei gut 80 Prozent – womit also knapp 20 Prozent der Infizierten nicht entdeckt worden sein könnten. Die Blutproben der Teilnehmer werden zurzeit noch mit anderen Methoden in Laboratorien untersucht, was am Ende zu leicht abweichenden Ergebnissen führen kann. Die Studie soll noch zwei Mal im Abstand von jeweils drei Wochen wiederholt werden, um Daten über die weitere Ausbreitung der Epidemie in Spanien zu erhalten.

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