Bei Demonstrationen in Madrid protestieren die Einwohner gegen die Maßnahmen der Regierung
+
Bei Demonstrationen in Madrid protestieren die Einwohner gegen die Maßnahmen der Regierung

Bezirke abgeriegelt

Corona in Spanien: Stadtteile in Madrid wegen steigender Zahlen abgeriegelt

  • vonSebastian Richter
    schließen

In Madrid explodiert die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Neue Beschränkungen sollen die Ausbreitung verlangsamen. 

  • In Spaniens Hauptstadt steigen die Neuinfektionen mit Corona rasant.
  • Neue Maßnahmen sollen die Ausbreitung des Virus verhindern.
  • Bewohner befürchten eine Ausgangssperre nach sozialen Klassen.

Madrid – Seit Montag sollen eine Reihe von Vierteln der Hauptstadt Spaniens wegen explodierender Corona-Neuinfektionen abgeriegelt worden sein. Vor allem die mehrheitlich ärmeren Stadtteile und Vororte im Süden Madrids seien betroffen. Etwa 850.000 Bewohner sollen durch die neuen Regelungen ihre Viertel nicht mehr verlassen dürfen. Nur für den Weg zur Arbeit, zum Arzt oder den Schulweg dürfen Ausnahmen gemacht werden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Mittag.

Maßnahmen gegen Corona: Bewohner ärmerer Viertel dürfen ihre Stadtteile nicht mehr verlassen

Eine strikte Ausgangssperre, die den Bewohnern verbietet ihre Häuser zu verlassen, gibt es nicht. Dennoch bitten die Behörden darum, die meiste Zeit zu Hause zu bleiben. Von Außen kommt niemand mehr in die Viertel hinein, die Polizei hat bereits mit Kontrollen begonnen. Geschäfte, Bars und Restaurants dürfen zwar ihren Betrieb weiterführen, müssen aber die Zahl ihrer Gäste und Kunden um die Hälfte reduzieren. Außerdem wurden Parkanlagen in den betroffenen Vierteln geschlossen. Die neuen Einschränkungen in Madrid gelten für zwei Wochen. In der gesamten Region wurde die Obergrenze für Treffen von zehn auf sechs Menschen gesenkt.

Einen kompletten Lockdown wie im Frühjahr wollen die Behörden unbedingt vermeiden. Damals war die Lage derart außer Kontrolle geraten, dass die Betten in den Intensivstationen der Krankenhäuser nicht mehr ausreichten. Es gab so viele Tote, dass in Madrid eine Eislaufbahn für die Kühlung der Coronatoten verwendet werden musste. Auch der ohnehin schon angeschlagenen Wirtschaft Spaniens hat der Lockdown stark geschadet.

In einigen der betroffenen Viertel führten die Maßnahmen zu zahlreichen Protesten und Demonstrationen. Da die neuen Regelungen hauptsächlich in einkommensschwachen Bezirken angewandt wurden, fürchten einige Bewohner eine Trennung nach sozialen Klassen.

Wegen Protesten gegen Ungleichbehandlung: In Madrider Oper muss eine Vorstellung abgebrochen werden

Wegen lautstarken Protesten wurde im Madrider Opernhaus „Teatro Real“ eine Vorstellung abgebrochen. Während im teuren Parkett viele Sitze frei blieben, drängten sich die Menschen auf den preiswerten oberen Rängen dicht an dicht. Die Gäste machten ihrem Unmut über die unterschiedliche Behandlung mit Buhrufen, Schreien, Klatschen und Trampeln Luft. Der spanisch-argentinische Wissenschaftler und Politiker Pablo Echenique nannte den Vorfall „eine perfekte Metapher für die unverantwortlichen klassizistischen Maßnahmen Ayusos und Aguados für Madrid.“ Isabel Diaz Ayuso und Ignacio Aguado sind hohe Regierungsmitglieder in Madrid.

Schriftstellerin Rosa Montero ist anderer Meinung. Auf den teuersten Plätzen ganz vorne sei man ebenfalls „zusammengepfercht“ gewesen. „Ich fürchte, es war eher totales Unvermögen denn Diskriminierung“, schrieb sie über Twitter.

Madrid schwer von Corona betroffen: Ein Drittel aller Neuinfektionen Spaniens in der Region

In den abgesperrten Bezirken wurden zuletzt 1.000 Infektionen mit dem Corona-Virus pro 100.000 Einwohner gemeldet. Damit liegen die Zahlen fünfmal über dem landesweiten Durchschnitt. Auch in anderen Vierteln Madrids gibt es extrem hohe Infektionszahlen. Auf die Region um die Hauptstadt entfallen mehr als ein Drittel aller Neuinfektionen in Spanien. Zudem ist Madrid ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Von hier aus, könnte sich eine zweite Welle über ganz Spanien ausbreiten.

EinwohnerInfektionenTodesfälle
Spanien:46.940.000640.04030.495
Davon Region Madrid:6.642.000108.3748.456

Seit der Beginn der Corona-Pandemie wurden in ganz Spanien 640.000 Infektionen gemeldet. Über 30.000 sind an der Lungenerkrankung verstorben. Damit ist Spanien das am meisten von Corona betroffene Land Westeuropas. (Von Sebastian Richter)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare