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Das Rätsel ihres Lebens ist gelöst: Inés Madrigal wurde 1969 zur Adoption freigegeben.

Spanien

Organisierter Kindsraub während der Franco-Diktatur? Die Justiz ermittelt, doch die Zweifel wachsen

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Der Fall der Spanierin Inés Madrigal nährt Zweifel, dass während der Franco-Diktatur Hunderttausende Kinder ihren Eltern weggenommen wurden.

„Ich hatte schon das Handtuch geworfen“, erzählte Inés Madrigal einer Reporterin von „El País“. „Ich dachte, dass ich nie meine Herkunft erfahren würde.“ Jetzt hat sie doch ihre Familie gefunden und ist überglücklich. Aber sie hat auch herausgefunden, dass ihre Geschichte eine etwas andere ist, als sie selbst geglaubt hatte.

Madrigal ist in Spanien bekanntgeworden als die erste Frau, die einen Arzt wegen seiner Verwicklung in einen möglichen Fall von Kindsraub vor Gericht gebracht hat. Madrigal kam 1969, in der Endphase der Franco-Diktatur, zur Welt. Als sie 18 Jahre alt wurde, erzählte ihr ihre Mutter, dass sie nicht ihre biologische Tochter sei. Sie sei einer anderen Frau weggenommen worden.

Nach langen Nachforschungen erstattete Madrigal Anzeige gegen den Madrider Arzt, der für den mutmaßlichen Kindsraub verantwortlich sei. Im Oktober vergangenen Jahres erging das Urteil: Der Arzt habe eine Unterschrift unter ein gefälschtes Dokument gesetzt, das Madrigals Adoptivmutter zur biologischen Mutter erklärte. Einer Strafe entging der 85-Jährige, weil die Tat als verjährt galt.

Die „Negationisten“ haben wahrscheinlich recht

Madrigal suchte weiter nach der Mutter, der sie offenbar gestohlen worden war. In einer privaten US-amerikanischen Gendatenbank stieß sie schließlich vor kurzem auf einen Vetter zweiten Grades. Und über den auf ihre Geschwister. Die Mutter, die sie im Juni 1969 zur Welt gebracht hatte, war schon gestorben.

Ihre neu gefundenen Geschwister, vier Brüder, erzählten ihr, dass die damals ledige Mutter in die Adoption eingewilligt habe. Madrigal ist also kein gestohlenes Kind. Der Arzt, der die Urkunde gefälscht hatte, tat es nicht, um ein Verbrechen zu vertuschen, sondern aus anderen unbekannten Gründen.

Eine Sorge treibt Madrigal nach dem glücklichen Ausgang ihrer Geschichte noch um: dass ihr Fall „den Negationisten“ Auftrieb geben könnte. Sie ist wie viele andere davon überzeugt, dass in Spanien organisierter Kindsraub von etwa 1940 bis 1990 an der Tagesordnung war. Selbsthilfeorganisationen mutmaßlich Betroffener sprechen von bis zu 300.000 Fällen.

Die Bewegung war Anfang der Zehnerjahre entstanden, und lange zog niemand die Berechtigung ihrer Anliegen in Zweifel. Doch mittlerweile sind viele Jahre der Ermittlungen vergangen, ohne eine Bestätigung für die Existenz eines Netzwerks, das Eltern ihre Neugeborenen wegnahm, zu finden. Alle aufgeklärten Fälle der vergangenen Jahre widerlegten die Befürchtung eines Kindsraubs. Die „Negationisten“ haben wahrscheinlich recht.

Die Justiz ermittelt in Hunderten Verdachtsfällen

Nach Recherchen von „El País“ sind seit 2010 bei der Staatsanwaltschaft rund 2100 Anzeigen wegen des Verdachts auf Kindsraub eingegangen. In 522 Fällen gab es genügend Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen. 120 Gräber wurden geöffnet, in der Erwartung, dass sie leer seien: In 117 fand man Knochen, in zwei weiteren andere Überreste.

„Wir kennen keinen einzigen Fall, in dem der Raub eines Säuglings bestätigt werden konnte“, sagte der Biologe Antonio Alonso. „Was wir stattdessen gesehen haben: Es stimmte, was Eltern gesagt wurde – dass ihr Kind gestorben war.“ Dasselbe hatte Spaniens bekanntester Gerichtsmediziner, Francisco Etxeberria, schon 2013 vor einem Untersuchungsausschuss des baskischen Regionalparlaments gesagt. Dafür musste er sich heftige Kritik anhören. Er sagte aber auch: „Wenn eine Frau sagt, ihr sei der Säugling gestohlen worden, muss das untersucht werden.“ Denn manchmal gibt es, wie im Fall von Inés Madrigal, ein glückliches Ende der Geschichte.

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