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Spanien verbietet Catcalling: Fachleute fordern auch in Deutschland Strafen

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Von: Delia Friess

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In Spanien ist Catcalling künftig verboten. Fachleute fordern auch in Deutschland Strafen für verbale Belästigung.

Madrid – Auf dem Instagram-Kanal von catcallsofffm sind sie nachzuverfolgen: Sprüche, Pfeifen, vulgäre Anmachen, die viele Frauen als sexuelle Belästigung empfinden. Der Instagram-Kanal will die täglich in Deutschland stattfindende sexuelle Belästigung sichtbar machen und schreibt mit Kreide die Sprüche an die jeweiligen Orte. Die erste Initiative wurde 2015 in New York in den USA gegründet. Mittlerweile gibt es sie in vielen deutschen Städten.

Was bedeutet Catcalling? Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) hat eine Online-Befragung über Catcalling durchgeführt. Dort heißt es: „Unter Catcalling werden sexuell konnotierte Verhaltensweisen bzw. verschiedene Arten der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt zusammengefasst.

Darunter fallen unter anderem Pfeif- oder Kussgeräusche, aufdringliche Blicke, vermeintliche Komplimente, anzügliche Bemerkungen oder Kommentare über das Äußere einer Person im öffentlichen Raum oder auch sexuelle Belästigung mittels digitaler Medien, z. B. durch die ungewollte Konfrontation mit Bildern oder Videos sexuellen Inhalts.“

Pfeif-oder Kussgeräusche fallen unter Catcalling

In Deutschland ist eine „berührungslose, aber unzumutbar aufgedrängte Sexualität noch kein eigener Straftatbestand bzw. keine Ordnungswidrigkeit“, kurz es steht in den seltensten Fällen unter Strafe. Der Deutsche Bundestag veröffentlichte 2020 einen Sachstand über Catcalling.

Darin heißt es, dass es nicht ausreiche, wenn eine Person ohne weitere Umstände einer anderen Person gegenüber eine sexuell motivierte Äußerung tätige – auch wenn dies „in unflätiger Weise geschehe“. Darin liege noch keine Ehrverletzung begründet.

Psychologin Ann-Kristin Hartz über Motive hinter Catcalling:

„Meist handelt es sich um ein Problem mit dem eigenen Selbstwert.“

Spanien verbietet Catcalling: In Deutschland ist dies noch keine Straftat

Anders soll das künftig in Spanien sein: Spanien hat im Mai sein Sexualstrafrecht reformiert. Demzufolge werden Kommentare, Vorschläge oder Verhaltensweisen sexueller Natur, die beim Opfer „eine Situation der Demütigung, Feindseligkeit oder Einschüchterung“ hervorrufen, mit einer Geldstrafe, gemeinnütziger Arbeit oder einem Hausarrest von bis zu einem Monat geahndet.

Junge Frauen mit Mund-Nasen-Schutz nehmen an einer Kundgebung zum internationalen Frauentag teil.
Junge Frauen mit Mund-Nasen-Schutz nehmen an einer Kundgebung zum internationalen Frauentag teil. © Matthias Oesterle / dpa

Das Parlament beschloss im Mai außerdem das „Nur-Ja-heißt-Ja-Gesetz“, das durch die linke Regierung eingebracht wurde und eine Verschärfung des Sexualstrafrechts vorsieht. Künftig müssen alle beteiligte Personen sexuellen Handlungen zustimmen. Das spanische Recht hebt dann auch den Unterschied zwischen Missbrauch und Aggression auf. Auf Taten ohne explizites Einverständnis stehen dann bis zu 15 Jahre Haft.

Kritiker meinen u.a., dass das Gesetz in der Praxis schwierig umzusetzen sei. Anlass für die Reformen war u.a. ein Vorfall, der ab 2016 für Empörung sorgte: Eine Frau wurde demnach von fünf Männern vergewaltigt und dabei gefilmt. Da es keine Drohungen oder Gewalt gegeben habe, das Opfer „passiv“ geblieben sei, wurde das Urteil Vergewaltigung nicht verhängt. Der Fall sorgte für landesweite Proteste in Spanien.

Catcalling: Spanien leitet Verschärfung des Sexualstraftrechts ein

Wie sich Catcalling auf das Leben der Betroffenen auswirkt, zeigt die Studie des Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN). In einer Online-Befragung von mehreren Tausend Menschen über Catcalling, sagte die Hälfte der Befragten aus, sich ängstlicher zu fühlen, 40 Prozent vermieden bestimmte Routen und acht Prozent haben sogar ihren Kleidungsstil verändert.

„Solche sexuellen Zudringlichkeiten dürfen nicht verharmlost werden, nur weil sie ohne Körperkontakt stattfinden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele Befragte unter verschiedensten Folgen von Catcalling leiden“, sagt Studienleiterin Laura-Romina Goede. Petitionen im Netz und der Deutsche Juristinnenbund forderten bereits, dass Catcalling strafrechtlich verfolgt werden sollte. (df)

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