Was war noch mal Corona? Touristen in der „Bierstraße“ in Palma de Mallorca. 
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Was war noch mal Corona? Touristen in der „Bierstraße“ in Palma de Mallorca.  

Mallorca

Spahn: Kein zweites Ischgl

  • vonFelix Huesmann
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Gesundheitsminister Spahn warnt angesichts der Exzesse am Ballermann auf Mallorca vor den besonderen Gefahren beim Reisen und beim Feiern.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat deutsche Touristen auf Mallorca zur Vorsicht gemahnt. Die Bilder vom Wochenende von „des Deutschen liebster Insel“ besorgten ihn, sagte Spahn am Montagvormittag in der Bundespressekonferenz in Berlin. „Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird.“

„Ich bin wirklich kein Spielverderber oder Feierverächter. Aber es ist gerade einfach nicht die Zeit dafür.“ Wo gemeinsam gefeiert werde, sei das Infektionsrisiko besonders hoch, sagte Spahn. Dieses Risiko bestehe auch bei der Rückreise im Flugzeug und anschließend in der Heimat. Den „wenigen, die sich nicht an Regeln halten wollen“, müsse sehr klar gemacht werden, dass sie die Erfolge der Corona-Bekämpfung gefährdeten, sagte Spahn. Er setze jedoch nicht in erster Linie auf Verbote, sondern zuerst auf die Vernunft der Bürger. „Die meisten wissen, dass Gruppenreisen zum Ballermann oder Großveranstaltungen im Moment keine gute Idee sind.“

Grundsätzlich sei die Lage während der Corona-Pandemie in Deutschland aktuell jedoch erfreulich, so Spahn. Derzeit gebe es bundesweit knapp 5000 akute Infektionen, das sei ein niedriges Niveau. „Wir haben unser Land bis hierhin gut gemeinsam durch die Krise geführt“, sagte der Gesundheitsminister. Daran hätten die Bürger einen großen Anteil. Den Gesundheitsämtern vor Ort gelinge es, Infektionsketten zu identifizieren und Corona-Ausbrüche lokal begrenzt zu halten. Dafür werde auch zunehmend mehr getestet.

In der vergangenen Woche seien fast 500 000 Menschen auf das Coronavirus getestet worden, mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt seit Beginn der Pandemie. Die Testkapazität liege mittlerweile sogar bei mehr als 1,1 Millionen, ergänzte Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts.

Infektionszahlen steigen

Spahn und Wieler warnten jedoch vor einem möglichen Wiederanstieg der Infektionszahlen im Fall von Unachtsamkeit. Immer wieder zeigten regionale Ausbrüche, wie schnell sich das Virus verbreite, „wenn man es ihm zu leicht macht“, sagte Spahn. Weltweit stiegen die Infektionszahlen außerdem weiterhin schnell an, so RKI-Chef Wieler. Ein Anstieg sei vor allem in Ländern wie Indien, Pakistan, den USA oder Israel zu beobachten, die Corona-Einschränkungen trotz steigender Fallzahlen gelockert haben.

„Wir müssen nicht automatisch mit einer zweiten Welle im Herbst und Winter rechnen“, sagte Minister Spahn. „Wir haben es schon einmal geschafft, eine Welle zu brechen und die Pandemie im Zaum zu halten. Das kann uns wieder gelingen.“

Spahn kündigte an, er wolle die Corona-Krise nutzen, um die Rolle Europas in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu stärken – auch vor dem Hintergrund des Rückzugs der USA aus der Institution. Europa habe durch die Pandemie wieder gelernt, dass es zusammenstehen und souveräner werden müsse. Während der in diesem Monat begonnenen deutschen EU-Ratspräsidentschaft solle es ein koordiniertes, verstärktes Engagement geben „mit einer europäischen Stimme“, auch um die Reform der WHO voranzutreiben. Die Corona-Pandemie könne dafür eine Chance sein. Er betonte zugleich, dass Deutschland in diesem Jahr mit mehr als 500 Millionen Euro der größte staatliche Geldgeber sei.

Nach Ansicht der Bundesregierung müssen Strukturen der WHO verbessert werden, damit die Organisation die Reaktion auf globale Gesundheitskrisen koordinieren kann. Der Notfallbereich müsse unabhängiger von politischen Fragen werden, sagte Spahn. (mit epd)

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