Bundestag

Später Erfolg gegen Hacker

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Ein Russe, der für Moskaus Militärgeheimdienst GRU arbeitet, verantwortet angeblich Bundestag angegriffen haben.

Fünf Jahre nach dem Angriff auf das IT-System des Deutschen Bundestags ist es den Ermittlern offenbar gelungen, einen der Täter zu identifizieren. Nach Informationen von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ handelt es sich um einen 29-jährigen Russen. Dmitrij B. soll Hacker des russischen Militärgeheimdienstes GRU sein. Gegen ihn habe der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof einen internationalen Haftbefehl erwirkt, heißt es.

Im Frühjahr 2015 waren Hacker in das IT-System des Bundestages eingedrungen und hatten mehr als 16 Gigabyte an Daten gestohlen – darunter zahlreiche E-Mails von Abgeordneten.

Die US-Bundespolizei FBI geht dem Bericht zufolge davon aus, dass der Russe auch an den Hackerangriffen auf die US-Demokraten im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2016 und auf die Welt-Antidoping-Agentur Wada mitwirkte. In den USA wird er deshalb ebenfalls gesucht.

Nach Darstellung der genannten Medien waren das Bundeskriminalamt und die Bundespolizei an den langjährigen und sehr aufwendigen Ermittlungen beteiligt. Dass der Hacker in Deutschland oder den USA vor Gericht gestellt werden kann, gilt als unwahrscheinlich, da er sich kaum aus Russland herauswagen dürfte. Allerdings gilt B.s Identifizierung zumindest als Prestigeerfolg, weil sich die Herkunft eines Hackerangriffs selten zweifelsfrei feststellen lässt – geschweige denn ein daran unmittelbar Beteiligter.

Von Notz lobt die Polizei

Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, sagte: „Die Gefahr von Hackerangriffen ist unserem digitalen Zeitalter immanent. Dagegen kann es keine hundertprozentige Sicherheit geben. Allerdings haben die Polizeibehörden hier sehr gute Arbeit geleistet.“ Er fügte hinzu: „Im Ganzen müssen wir dem Thema IT-Sicherheit noch sehr viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Hier sollen Wahlen manipuliert und die Demokratie geschwächt werden. Das ist besorgniserregend.“

Derweil nähern sich die Ermittlungen gegen einen Hacker aus Homberg in Hessen, der Hunderte Prominente ausspionierte und Anfang 2019 aufflog, offenbar ebenfalls dem Ende. Ob Anklage gegen ihn erhoben wird, liege noch nicht vor, sagte die Wiesbadener Staatsanwältin Julia Bussweiler. Es sei „ein sehr umfangreiches Verfahren“. Doch „in vier Wochen könnte es etwas Neues geben. Mein Eindruck ist, dass wir uns dem Ende nähern“. Offiziell gab es rund 1000 Betroffene, von denen teils sehr private Informationen offen im Netz landeten. Darunter war auch der Grünen-Chef Robert Habeck.

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