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Säulenheiliger und Vorbild: Denkmal Sankaras in Ouagadougou.
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Säulenheiliger und Vorbild: Denkmal Sankaras in Ouagadougou.

Burkina Faso

Späte Gerechtigkeit für Thomas Sankara

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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In Burkina Faso wird nach 34 Jahren der Tod von „Afrikas Che Guevara“ gerichtlich aufgearbeitet

Fast 34 Jahre nach der Ermordung des afrikanischen Politikhelden Thomas Sankara sind in dem westafrikanischen Staat Burkina Faso jetzt 14 Personen wegen Mordes und der Entführung seines Leichnams angeklagt worden – darunter auch der einstige Freund Sankaras, Blaise Compaoré. Der heute 70-Jährige war Sankara 1987 als Präsident Burkina Fasos nachgefolgt und hatte den Armutsstaat über 27 Jahre lang regiert, bevor er durch einen Bürgeraufstand entmachtet wurde und in die benachbarte Elfenbeinküste floh. Die Regierung in Ouagadougou betreibt seit Jahren die Auslieferung Compaorés, was von der ivorischen Regierung jedoch abgelehnt wird. Sie hat dem burkinischen Ex-Präsidenten inzwischen die ivorische Staatsangehörigkeit zuerkannt. Der Prozess muss deshalb ohne den Hauptangeklagten stattfinden.

Sankara zählt zu den populärsten Politikern in ganz Afrika, vergleichbar dem ersten kongolesischen Regierungschef Patrice Lumumba oder Nelson Mandela. Seine Familie suchte schon seit Jahrzehnten die Mörder vor Gericht zu bringen, war daran allerdings am Widerstand Compaorés gescheitert. Dessen Regierung hatte behauptet, der bei seinem Tod lediglich 37 Jahre alte Präsident sei eines natürlichen Todes gestorben, in Wahrheit wurde er während des Putsches erschossen. Nach Compaorés Sturz 2014 hatte ein Militärgericht die Ermittlungen gegen Sankaras Mörder aufgenommen und dessen Leichnam ausgraben lassen. Dabei wurde festgestellt, dass Sankara von 16 Schüssen in die Brust getötet worden war.

Außer Compaoré ist auch dessen einstiger Vertrauter und Chef der Präsidentengarde, Gilbert Diendéré, angeklagt worden. Der Ex-General sitzt nach einem gescheiterten Coup in Burkina Faso bereits im Gefängnis: Er wurde 2015 zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Außer Compaoré und Diendéré werden noch zwölf weitere Militärs für den Mord Sankaras und mehrerer seiner Mitarbeitenden direkt oder indirekt verantwortlich gemacht. Viele weitere Putschbeteiligte sind inzwischen gestorben. „Der Prozess kann beginnen“, sagte der Anwalt der Sankara-Familie, Guy Hervé Kam: „Die Zeit für Gerechtigkeit ist endlich gekommen.“

Bahnbrechende Reformen

Als 33-jähriger Offizier hatte Sankara 1983 gemeinsam mit Compaoré und anderen jungen Mitgliedern der „Kommunistischen Offiziers-Gruppe“ gegen die burkinische Militärregierung geputscht: Der populäre Hobbygitarrist wurde von seiner Gruppe zum Präsidenten gekürt. Als Staatschef regte Sankara eine Vielzahl bahnbrechender Reformen an: Er ließ 2,5 Millionen Kinder gegen Gelbfieber, Masern und Gehirnhautentzündung impfen (und rettete damit bis zu 50 000 Heranwachsenden das Leben). Außerdem teilte er große private Landbesitztümer unter Kleinfarmer:innen auf und vermochte den Schulbesuch von sechs auf fast 30 Prozent zu steigern. Während seiner vierjährigen Regierungszeit nahm die Getreideproduktion um 75 Prozent zu: Das Land, das heute große Teile an Nahrungsmittel importieren muss, war damals autark.

Sankara machte sich auch als Panafrikaner einen Namen. In seinen feurigen Reden pflegte er mit dem „Imperialismus“ der ehemaligen Kolonialnationen, vor allem Frankreich, ins Gericht zu gehen und führte das von ihm in Burkina Faso („Heimat der Aufrechten“) umbenannte Ober-Volta sowohl aus dem Weltwährungsfonds wie aus der Weltbank. Der bekennende Marxist sprach sich auch gegen Entwicklungshilfe aus: „Wer dich ernährt, kontrolliert dich auch“, pflegte Sankara zu sagen.

Sankaras Bescheidenheit sorgte für Aufsehen

Das größte Aufsehen erregte jedoch die Bescheidenheit des „afrikanischen Che Guevara“. Als eine seiner ersten Amtshandlungen strich er das eigene Gehalt und das seiner Minister auf 450 US-Dollar zusammen: Die Limousinen der vorigen Regierungen wurden verkauft, stattdessen Modelle des billigsten im Land erhältlichen Wagens angeschafft – das war damals der Renault 5.

Kritiker:innen sahen Sankara im Lauf seiner Regierungszeit allerdings auch immer autokratischer werden: Die von ihm eingesetzten „Komitees zur Verteidigung der Revolution“ hätten immer willkürlicher geherrscht. Compaoré nannte den von ihm organisierten Putsch gegen seinen Ex-Freund denn auch eine „Richtigstellung der Revolution“, schlug allerdings sogleich einen dem westlichen Ausland sehr viel gewogeneren Kurs ein.

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