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AfD-Chefin Weidel will „lockerer“ mit Homophobie umgehen

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Von: Katja Thorwarth

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Im ZDF-Sommerinterview wird AfD-Chefin Alice Weidel nur beim Thema Verfassungsschutz wirklich konkret. Homosexualität hingegen sei kein spezielles AfD-„Problem“.

Berlin – Im ZDF-Sommerinterview äußerte sich AfD-Chefin Alice Weidel zur Ablehnung von Homosexualität speziell innerhalb ihrer Partei. Doch das sei kein AfD-Problem: „Wissen Sie, diese Äußerungen, die haben Sie auch in anderen Parteien, die haben Sie überall“, sagte Weidel zu Moderatorin Shakuntala Banerjee. Die hatte sie zuvor nach feindseligen und verächtlichen Äußerungen aus den Reihen der AfD zu Demonstrationen für die Rechte der LGBTI-Community gefragt.

Fragen zu dem Thema wollte Weidel, die selbst lesbisch ist, persönlich verstanden wissen. „Zur Homosexualität, sagen Sie‘s gleich, Sie spielen auf mein Privatleben an, da können Sie mir auch die Frage direkt stellen“, sagte sie - worauf Banerjee betonte, sie interessiere sich für Weidels Umgang mit der Sache als Parteichefin. Es sei zwar der Fall, dass es im Extrem „nur wenig Akzeptanz und auch Verständnis“ für homosexuelle Paare gebe, ergänzte Weidel. „Das haben Sie aber überall, damit muss man auch irgendwie ein bisschen lockerer umgehen.“ Das sei einfach so. „Wissen Sie, ich kann damit umgehen. Das ist mir auch verhältnismäßig egal.“

AfD-Chefin Alice Weidel wird beim Verfassungsschutz konkret

Im Sommerinterview wurde auch das Thema AfD und Verfassungsschutz thematisiert. Kürzlich erst hatte Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang gesagt, dass die „extremistischen Strömungen“ in der AfD seit ihrem Bundesparteitag vom Juni gestärkt worden seien. Er begründete dies damit, dass sich „im neuen Bundesvorstand ... kein dezidierter Kritiker des formal aufgelösten rechtsextremistischen Verdachtsfalls ‚Flügel‘ mehr“ befände.

Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview
ZDF-Moderatorin Shakuntala Banerjee (l.) spricht im ZDF-Sommerinterview mit der AfD-Bundessprecherin und Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel. © Jens Hartmann / dpa

Angesprochen auf diese Einschätzungen, erhob Weidel selbst schwere Vorwürfe gegen den Inlandsgeheimdienst und die deutsche Justiz. Es werde „eine Behörde instrumentalisiert“, wobei die Regierung diese politisch gegen die AfD einsetze. „Der Verfassungsschutz wird jetzt politisch instrumentalisiert, um eine Oppositionspartei noch und nöcher zu verunglimpfen.“

AfD-Chefin Alice Weidel mahnt Neutralität der Medien an

Den Verweis auf die Einschätzung des Verwaltungsgerichts Köln ließ Weidel nicht gelten. Dieses hatte dem Verfassungsschutz bescheinigt, dass dieser ausreichende Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen innerhalb der Partei vorgelegt habe. Weidel antwortete darauf mit einer Anspielung auf den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, der vor dem Wechsel nach Karlsruhe für die CDU im Bundestag gesessen hatte. Beim Verfassungsgericht gebe es einen ehemaligen CDU-Abgeordneten, „der über die Gesetze heute als Richter entscheiden soll, über die er vorher entschieden hat“.

ZDF-Moderatorin Shakuntala Banerjee im Sommerinterview mit der AfD-Chefin Alice Weidel.
ZDF-Moderatorin Shakuntala Banerjee im Sommerinterview mit der AfD-Chefin Alice Weidel. © Jens Hartmann/dpa

Das gebe es „in keinem anderen westlichen Land, dass sie diese Vermischung der Gewaltenteilung haben“. Auch von den Medien verlangte Weidel mehr Unabhängigkeit und Kritik an der Regierung. (ktho/dpa)

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