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Plattenbausiedlung
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Ob Gründerzeithaus oder Plattenbauviertel: Gesundheit sollte darf keine Frage des Reichtums sein

Polikliniken

Ein solidarisches Gesundheitssystem ist nur ein Teil der Lösung

Die nächste Regierung müsste Projekte für gemeinnützige Medizin unterstützen, sagt Jonas Löwenberg von der Poliklinik Leipzig

Mein gesamtes politisches Denken und Handeln findet bisher unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel statt. Das passt ziemlich gut zu dem, was die CDU zu suggerieren versucht: Zu uns gibt es keine Alternative, wir sind die Mitte und alles andere ist extrem. Das geht allerdings meiner Meinung nach nicht auf, wenn ich sehe, wie viele junge Menschen die Sache mit der Alternativlosigkeit nicht glauben. Mein Merkel-Moment wird der Tag sein, an dem sie nicht mehr Kanzlerin ist. Und hoffentlich auch niemand aus ihrer Partei.

Wir sind vor einem Jahr hier im Stadtteil Schönefeld mit einer psychosozialen Beratung gestartet und fangen demnächst mit einer allgemeinen Sozialberatung an, bei der ich mitarbeiten werde. Ich bin auch bei den Stadtteilgesprächen dabei, die wir in den Sommermonaten anbieten wollen. Ich bekomme hier eine von drei Festanstellungen, habe aber schon während meines Studiums im 20-köpfigen Team ehrenamtlich mitgearbeitet.

Zur Person

Jonas Löwenberg, 28, ist Sozialarbeiter. Er arbeitet im Projekt „Poliklinik Leipzig“ und im bundesweiten „Poliklinik-Syndikat“.

Schönefeld besteht zum einen Teil aus schicken Gründerzeithäusern und ist gerade dabei, sich langsam zu gentrifizieren. Der andere Teil sind Plattenbauten. Insgesamt gibt es hier eine für Leipziger Verhältnisse hohe Migrationsquote, viele Sozialhilfeempfänger:innen und viele armutsgefährdete Jugendliche.

Wir wollen eine erste Anlaufstelle für Menschen mit sozialen Problemen sein und zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen helfen oder wenn es darum geht, bei den unterschiedlichen Trägern durchzublicken. Aber das ist nur der Anfang. Nach dem Konzept des bundesweiten Poliklinik-Syndikats soll eine hausärztliche Betreuung und ein psychologisches, beziehungsweise psychotherapeutisches Angebot dazukommen.

Es ist extrem schwierig, Projekte wie unseres zu finanzieren. Es läuft auf eine Kombination aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Projektzuschüssen von Stiftungen hinaus. Auch bei der Stadt haben wir Fördermittel beantragt. Wenn wir irgendwann auch als hausärztliche Praxis funktionieren, kommen natürlich die Krankenkassen dazu.

Die Serie

Zur Bundestagswahl am 26. September will die FR denjenigen Gehör verschaffen, die sich auch jenseits der Parteien engagieren: für neue Formen des Wirtschaftens, die den Planeten nicht zerstören. Für wohnliche Städte, gesunde Ernährung, umweltfreundliche Mobilität. Für mehr politische Teilhabe und Gleichberechtigung.

Diese Menschen haben den Mut , auch das zu wählen, was nicht zur Wahl steht. Oft sind es nachdenklich-leise Töne, die von den Mächtigen in Politik und Wirtschaft arrogant ignoriert und von rechtspopulistischen Lautsprechern übertönt werden. Die FR-Serie „Wir können auch anders“ soll ein Verstärker für diese inspirierenden Stimmen sein.

Auch Sie, die Leserinnen und Leser, können sich an unserer Serie beteiligen. Was wäre das erste, das die nächste Bundesregierung tun sollte? Schreiben Sie Ihre Antwort in einem bis drei Sätzen auf und schicken Sie sie an bundestagswahl21@fr.de . Eine Auswahl veröffentlichen wir im Rahmen der Serie.

In der nächsten Folge geht es um Rechte für Bürgerinnen und Bürger. Sie erscheint am Freitag, 09. Juli.

Zuletzt erschienen: eine Folge der Serie zu globaler Verantwortung am Freitag 02. Juli.

Alle Teile zum Nachlesen unter fr.de/bundestagswahl

Aber da sind wir schon bei der Politik: Die nächste Regierung müsste als Erstes für ein Trägermodell für Projekte wie unseres sorgen, in dem auch die Medizin, die heute nach der Profitlogik organisiert ist, gemeinnützig sein darf. Die Chancen dafür wären definitiv unter Grün-Rot-Rot am größten. Diese drei Parteien haben sich auch am ehesten die Beseitigung sozialer Ungleichheit auf die Fahnen geschrieben. Und unter einer solchen Regierung würden sich die Räume für zivilgesellschaftliches Engagement sicher vergrößern.

Insgesamt sehen wir unsere Arbeit als Teil einer größeren Utopie. Ein solidarisches Gesundheitssystem würde nur bedingt etwas bringen, wenn es bei Themen wie Wohnen, Arbeitsbedingungen und sozialen Sicherungssystemen weiter so dürftig aussieht. Die Verhältnisse, in denen wir leben, beeinflussen unsere Gesundheit viel stärker als das individuelle Verhalten, von dem immer die Rede ist.

Aufgezeichnet von Stephan Hebel

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