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Zielt unter Umständen nicht genau: Das Gewehr G36.

Bundeswehr

„Die Soldaten kennen die Macken der G36“

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In Tests sind Mängel am Sturmgewehr der Bundeswehr belegt werden. Unfälle gab es laut Jürgen Görlich, Vize-Vorsitzende des Bundeswehrverbands, bisher aber noch nicht.

Nach dem Desaster um marode Flugzeuge bei der Bundeswehr stehen nun die Sturmgewehre in der Kritik: Sie zielen unter Umständen abweichend. Der Vize-Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Jürgen Görlich, zur Frage, ob die Bundeswehr neu ausgestattet werden muss.

Herr Görlich, wie schießt es sich mit einem G36?
Als ich das erste Mal mit einem G36 geschossen habe, war ich richtig froh. Es war eine echte Verbesserung gegenüber dem G3, das wir bis dahin hatten. Das G36 liegt gut an der Schulter, hat einen geringen Rückstoß. Mein Trefferbild war wesentlich besser. Ich war sehr zufrieden mit der ersten Begegnung – und danach hatte ich auch nie Probleme.

Gab es die denn bei anderen?
Es gab immer wieder die Rückmeldung von Kameraden, dass ihr Trefferbild in gewissen Situationen nicht in Ordnung ist. Es hieß dann erst, das liege an Problemen mit gewissen Munitionssorten und nicht an der Waffe. Der Wehrbeauftragte hat auf eine unabhängige Untersuchung gedrängt. Und die hat nun ergeben: Es gibt Abweichungen.

Welche Probleme gibt es denn?
Es sind vor allem Probleme bei großer Hitze. Da kann es zu Präzisionsabweichungen beim Schießen kommen. Hitze gibt es bei den Einsätzen in Mali, in Afghanistan, am Horn von Afrika und bei starker Nutzung der Waffe – also in Gefechtssituationen.

Gab es bereits Unfälle?
Soweit ich weiß nicht. Die Soldaten konnten sich bisher auf ihr Gewehr verlassen. Die meisten sind sehr geübt an ihrer Waffe, kennen also auch ihre Macken.

Dann kann ja alles so bleiben.
Der Generalinspekteur der Bundeswehr will bis Donnerstag eine Weisung herausgeben, wie mit der Waffe umgegangen werden soll. Hier zuhause im Grundbetrieb wird man das G36 weiter nutzen. Für die Einsatzländer wird es Entscheidungen geben müssen, wie sich die Soldaten verhalten sollen. Es könnte sein, dass dort auf die alte Waffe, das G3, zurückgegriffen wird.

Und das ist die Lösung?
Mittel- und langfristig wird man eine andere Lösung finden müssen: Entweder justiert Heckler & Koch nach, oder wir müssen eine neue Waffe ordern. Das Wichtigste für die Soldaten ist, dass es kein Sicherheitsproblem gibt.

Angesichts der letzten Meldungen: Sitzt die Bundeswehr eigentlich auf einem Haufen Schrott?
Aber nein. Es hapert bei einigen Großprojekten. Wir haben täglich Zig Dinge in der Nutzung. Wenn die alle nicht funktionieren würden, könnten wir unseren Auftrag nicht erfüllen.

Die Ministerin hat angekündigt, dass Deutschland mit Frankreich und Italien eine bewaffnete Drohne entwickeln will. Braucht die Bundeswehr sowas?
Bewaffnete Drohnen sind militärisch zweckmäßig. Die Soldaten werden besser geschützt, bei Aufklärung wie auch militärischem Eingreifen. Der Schutz ist natürlich durch den Einsatz von Drohnen größer als bei der Erkundung am Boden.

Aber es gibt ethische Bedenken.
Die teile ich dann, wenn der Mensch nicht mehr im Spiel ist. Aber wenn ein Mensch entscheidet, ob und wann die Drohne eingesetzt wird, ist das vertretbar, die Soldaten wissen um ihre Verantwortung.

Interview: Daniela Vates

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