Thailand

Soldat erschießt mindestens 30 Menschen

Ein Amokläufer im Nordosten Thailands erschießt mindestens 30 Menschen und verletzt viele weitere. Der Täter veröffentlicht Bilder der Gewalt im Internet.

Bei einem der weltweit verheerendsten Amokläufe der vergangenen Jahre hat ein 32-jähriger Soldat in Thailand mindestens 30 Menschen getötet – viele davon in einem Einkaufszentrum. Das berichtete das Nachrichtenportal „Khaosod English“ am Sonntag unter Berufung auf die Behörden. Auch der mutmaßliche Attentäter sei getötet worden, meldeten thailändische Medien und beriefen sich auf Polizeikreise. Mindestens 42 Menschen wurden demnach verletzt.

Premier und Ex-Juntachef Prayut Chan-o-cha sagte, einen Vorfall wie diesen habe es noch nie in Thailand gegeben. Er hoffe, dass die Tat die einzige und letzte dieser Art bleibe. Am Sonntag versammelten sich viele Menschen im Zentrum der Stadt Nakhon Ratchasima und legten Blumen zum Gedenken nieder.

Begonnen hatte das Massaker am Samstagnachmittag (Ortszeit) auf einem Militärstützpunkt in der Provinz Nakhon Ratchasima, auch Korat genannt. Demnach hatte der 32-Jährige zunächst seinen Vorgesetzten und zwei weitere Personen getötet. Über das genaue Motiv wurde zunächst nichts bekannt, allerdings soll er mit der Schwiegermutter des Kommandeurs einen Streit gehabt haben. Später hieß es, es sei um Landstreitigkeiten und Geldfragen gegangen.

Anschließend flüchtete der Angreifer mit gestohlenen Waffen, Munition und einem Militärfahrzeug. Auf seiner Flucht durch das Zentrum der gleichnamigen Provinzhauptstadt schoss er wahllos ums sich, unter anderem auf Besucher eines buddhistischen Tempels. Zudem veröffentlichte er Fotos und Videos von seinen Taten und sich selbst mit einem Gewehr in der Hand im Internet. Seine Facebook-Seite wurde deaktiviert.

Zum Schluss verschanzte er sich in einem Einkaufszentrum, wo er Medienberichten zufolge mehr als ein Dutzend Geiseln nahm. Die Gegend um das Einkaufszentrum wurde abgeriegelt, und eine militärische Spezialeinheit versuchte, den Mann zu stellen. Überwachungskameras zeigten den Soldaten, wie er sich in militärischer Montur durch die Flure bewegte. Nachdem er sich etwa 17 Stunden verschanzt hatte, wurde er von der Spezialeinheit erschossen. Fernsehbilder und Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie Besucher des Kaufhauses ins Freie flohen oder von der Polizei eskortiert wurden.

In Thailand, wo nach den Wahlen vom März 2019 weiter einstige Putschisten und deren Verbündeten regieren, herrscht eine Kultur der Gewalt und Straflosigkeit. Nie haben sich hohe Militärs für Massaker an Zivilisten oder die brutale Behandlung von Rekruten in den eigenen Reihen verantworten müssen. Am jährlichen „Children‘s Day“ öffnet die Armee ihre Stützpunkte für Kinder. Dort können die Kleinen auf Panzer klettern oder mit Waffen posieren.

Auch im zivilen Umfeld machen Morde durch Schusswaffen häufig Schlagzeilen. Meist geht es um einen persönlichen Disput, Eifersucht oder darum, dass sich der Täter gedemütigt fühlt. Auseinandersetzungen wegen Geldes enden ebenfalls oft tödlich. Nach Behördenangaben von 2017 gibt es in dem Land mehr als zehn Millionen zivile Schusswaffen. epd

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