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Von Anfang an habe sich die Dorfgemeinschaft Kais in das Projekt eingebracht.

Mut-Geschichte 2

Solarpioniere

Africa Green Tec betreibt in malischen Dörfern Solartainer, mobile Solaranlagen, und verkauft den Strom zu günstigen, aber kostendeckenden Preisen.

Im Schatten eines Butterbaums schweißt Nuhun Traoré die zerbrochene Felge eines Lastkarrens. „Früher hatte ich, um schweißen zu können, einen Dynamo an einen Dieselgenerator angeschlossen“, sagt der junge Schmied. „Seit ich nun Solarstrom kaufe, von dem neuen Ungetüm dort drüben, ist meine Stromrechnung um zwei Drittel gesunken.“

Kai, ein Dorf im Südosten des westafrikanischen Mali. Das „Ungetüm“ steht mitten im Dorf – ein Container voller Elektronik, lackiert in den Nationalfarben Malis: Gelb, Grün, Rot. Darauf ein Logo mit den Konturen Afrikas: Africa Green Tec. Über dem Container weit ausladende Dächer aus Solarpaneelen, in deren Schatten ältere Männer in Boubous, bunt gemusterten Gewändern, Tee trinken.

Den Container hat das Sozialunternehmen Africa Green Tec aufgestellt: das Start-up des Deutschen Torsten Schreiber und seiner malischen Frau Aida Schreiber. Africa Green Tec betreibt in malischen Dörfern Solartainer, mobile Solaranlagen, und verkauft den Strom zu günstigen, aber kostendeckenden Preisen.

Von Anfang an habe sich die Dorfgemeinschaft Kais in das Projekt eingebracht, berichtet Chief Dramane Traoré, ein Cousin Nuhuns. 200 Eukalyptusbäume hätten die Männer gefällt, sie drei Monate lang in Wasser gelegt und die Stämme dann als termitenfeste Strompfosten aufgestellt. Mit seinem Stromanschluss bekam dann jeder Kunde zwei Steckdosen und drei LED-Lampen.

Dramane Traoré fährt, seit er Strom hat, alle paar Tage in die 60 Kilometer entfernte Stadt Sikasso. „Dort kaufe ich sechs Kartons gefrorene Makrelen aus Mauretanien und fahre sie so schnell wie möglich hierher zu meiner Tiefkühltruhe. Den frischen Fisch reißen mir die Leute inzwischen aus der Hand.“ Ein Mann voller Ideen. „Wir sollten auch unsere Mangos elektrisch trocknen“, sagt er. „Wir sollten unsere Cashewnüsse rösten und daraus Cashewbutter herstellen. Bis jetzt exportieren wir leider Nüsse und Mangofrüchte unverarbeitet nach Burkina Faso.“

Noch vor einem halben Jahr wollte er in die Stadt ziehen, sagt der Chief. Die Ankunft des Solartainers war ein Grund, dass er blieb – wie sein Cousin, der Schmied Nuhun Traoré. Der hat mittlerweile zwei Mitarbeiter eingestellt. Und mit ihnen flickt er neuerdings nicht nur zerbrochene Felgen; er schmiedet auch Ackergerät, repariert Türen, baut Sesselgestelle – und schweißt sogar zusammengebrochene Motorräder. „Seit ich zwei Schweißgeräte und eine Flex mit Solarstrom betreibe, wächst mein Geschäft wie verrückt. Ich drehe keine Däumchen mehr, wenn ein Dynamo kaputt ist, sondern arbeite von morgens um sieben bis nachmittags um fünf“, sagt Nuhun Traoré. (tkr)

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