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Pegasus-Affäre

Sogar Macron soll verwanzt gewesen sein

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Auch Frankreichs Präsident war laut den Pegasus-Enthüllungen womöglich ein Abhörziel

In der Spähaffäre um die Schadsoftware Pegasus hat der französische Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag eine Krisensitzung der Regierung einberufen. Der Präsident nehme die Sache „sehr ernst“, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal.

Zahlreiche französische Politiker:innen, aber auch Anwält:innen und Journalist:innen stehen auf der Liste von Leuten, deren Smartphones mit der israelischen Software Pegasus zwecks Abhörung verwanzt worden sein sollen. Darunter Polizeiminister Gérald Darmanin und Außenminister Jean-Yves Le Drian – sowie Macron. Eine Telefonnummer des französischen Staatschefs wurde möglicherweise ausspioniert. Ob sie wirklich abgehört wurde, ist nicht festzumachen, solange das Handy nicht überprüft wird.

Der Élysée-Palast dürfte dazu nicht die Hand bieten, da die Enthüllung für Macron eher peinlich ist. Der Präsident hatte die Möglichkeit, nach seiner Wahl im Mai 2017 die gesicherte Software Teorem oder Cryptosmart zu verwenden. Letztere wird durch den französischen Geheimdienst DGSI kontrolliert; aber sie gilt als schwer zu bedienen, auch soll sie einen relativ schlechten Empfang bieten. Macron zog es deshalb vor, einzelne Telefonnummern aus der Wahlkampfzeit weiter zu verwenden.

Nicht nur peinlich, sondern auch politisch brisant ist die Enthüllung, weil die Abhörlisten laut des Enthüllungsnetzwerks Forbidden Stories von einem befreundeten Land stammen sollen: Marokko. Unter Macron hatte sich die Beziehung zum marokkanischen König Mohammed VI. merklich abgekühlt. Für starke Spannungen sorgen die Fragen Migration und Westsahara.

Wie knifflig die Pegasus-Enthüllung ist, zeigte die Reaktion in Paris. Am Montag hatte Regierungssprecher Gabriel Attal die ersten, generellen Enthüllungen – noch ohne die Macron-Connection – als „äußerst schockierend“ bezeichnet. Jetzt, da der Skandal konkret und die Implikation Marokkos und Frankreichs klar ist, reagiert das Präsidialamt zurückhaltender. Aus dem Élysée-Palast verlautete, es sei „Vorsicht“ geboten; noch sei nicht erwiesen, dass das Telefon des Präsidenten wirklich ausspioniert worden sei.

Marokko bestreitet Vorwürfe

Wie weit der vermutete Lauschangriff aus Marokko nach ersten Erkenntnissen ging, zeigt sich darin, dass neben Politiker:innen auch andere neuralgische Personen betroffen sind. Darunter ist auch ein – möglicherweise früherer – Rektor der Großen Moschee von Paris, die vom marokkanischen Widersacher Algerien kontrolliert wird. Der französische Geheimdienst scheint nach ersten Erkenntnissen nicht hinter die Abhöraktion gekommen zu sein. Pariser Onlineportale führen das darauf zurück, dass sich die IT-Fachleute des DGSI auf Cyberattacken aus China oder Russland konzentrierten; von befreundeten Staaten erwartete er dies nicht.

Frankreichs betroffener Ex-Umweltminister François de Rugy forderte die Regierung auf, Marokkos Botschafter einzubestellen. Die Regierung schweigt sich dazu fürs Erste aus. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat derweil nach einer Anzeige von zwei Journalisten und dem Verlag des Onlinemagazins Mediapart Ermittlungen aufgenommen.

Die marokkanische Botschaft in Paris wies die Vorwürfe zurück. Auch die israelische Firma NSO schloss als Herstellerin der Software aus, dass Macron ausgespäht worden sei. Die Firma bezeichnete sich als Opfer einer „bösartigen und verleumderischen“ Kampagne. mit afp/dpa

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