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Söldnerarmee wird Aktiengesellschaft - Wagner-Gruppe hat neues Aufgabenfeld

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Die viel besprochene Söldnerarmee der Wagner Gruppe durchläuft einen Wandel. Dabei geht es ausnahmsweise nicht um militärische Fragen, sondern ihre offizielle Struktur.

Moskau – Berichte über die Söldner-Truppe der Wagner Gruppe gab es in der jüngsten Vergangenheit vor allem in einem Kontext: Dem Ukraine-Krieg. Ihr Anführer Yewgeni Prigoschin hat „Wagners“ militärische Bedeutung für Moskau seit Kriegsbeginn massiv ausgebaut. Das spiegelt sich in bestimmten Freiheiten der Gruppe. Ihr wachsendes Gewicht sorgt zudem für ein verändertes Auftreten von Wagner in Russland – was ändert sich?

Wandel der Wagner-Gruppe: Söldner-Truppe in Russland wird Aktiengesellschaft „PMC Wagner Center“

Zukünftig müsste es der Vollständigkeit halber bei Berichten über die Wagner-Gruppe heißen: Söldnerarmee und Aktiengesellschaft. Tatsächlich scheinen die Tage der Söldner als Schattenstruktur gezählt. Aus der einst geheimnisvollen Truppe ist in Russland jetzt eine offiziell eingetragene Aktiengesellschaft unter dem Namen „PMC Wagner Center“ geworden, berichtet merkur.de. Wie die BBC berichtet, soll Wagner nun als Gesellschaft in Sankt Petersburg eingetragen sein. Bei der Registrierungsadresse handelt es sich um die Anschrift des im letzten Jahr geöffneten „Wagner Technology Center.“

Die Söldnergruppe Wagner hat militärische Ausrüstung von Nordkorea erhalten. Das bestätigte das Weiße Haus.
Die Wagner Organisation in St. Petersburg. © Alexander Galperin/IMAGO

Die offiziellen Aufgabenfelder sind breit gefächert. Zu den ersten Assoziationen beim Thema „Wagner Gruppe“ gehört wohl keine davon: Laut Moscow Times zählt das „Wagner Center“ zu seinen Tätigkeiten „Unternehmens- und Managementberatung, Verlagswesen, Medien, wissenschaftliche Entwicklung und Leasing von Schiffen und Flugzeugen.“

Russland Armee fehlen Soldaten: Gruppe-Wagner tritt im Ukraine-Krieg zunehmend aus dem Schatten

Tatsächlich hat die Gruppe Wagner im Ukraine-Krieg wohl kaum andere Möglichkeiten, als aktiv in die Öffentlichkeit zu treten: Einschätzungen aus Großbritannien zufolge stellen Prigoschins Söldner inzwischen etwa zehn Prozent der in der Ukraine eingesetzten russischen Truppen. Laut britischen Geheimdiensten hatte die Gruppe nach Russlands Schwierigkeiten bei der Truppenbesetzung mit massiven Anwerbe-Bemühungen begonnen. Besonders im Kampf um Bachmut spielt die Wagner-Gruppe derzeit eine wichtige Rolle, immer wieder agiert auch sie im Kriegsgeschehen offenbar mit Täuschung.

Zum Zweck der Anwerbung braucht es Öffentlichkeit. Inzwischen ist Wagner daher wohl auch in Russlands Öffentlichkeit zunehmend wahrnehmbar. Samuel Ramani von der Denkfabrik Royal United Services Institute der BBC: „Sie rekrutieren offen in russischen Städten, auf Plakatwänden und werden in den russischen Medien als patriotische Organisation bezeichnet.“ Beispiel ihrer Bedeutung: Inzwischen nimmt Prigoschin sich selbst Kritik an der Führung im Kreml heraus.

Gruppe Wagner wirbt in Serbien – Russlands langjähriger Verbündeter ist irritiert

Serbien und Russland unterhalten eigentlich gute Verbindungen, doch zuletzt gab es Spannungen zwischen Moskau und Belgrad. Die Gruppe Wagner als Russlands Verbündeter hatte versucht, für den Ukraine-Krieg Rekruten in Serbien zu gewinnen, Präsident Aleksandar Vucic zeigte sich irritiert. In einem Fernsehinterview fragte er laut ntv: „Warum tun Sie Serbien das an? Warum rufen Sie von Wagner dazu auf, obwohl es gegen die Vorschriften verstößt?“ Unmutsbekundungen Vucics in Richtung Russland sind eine Seltenheit.

Hintergrund der Verstimmungen ist Werbung der Wagner-Gruppe beim serbischen Ableger des russischen Staatssenders RT. In dem Beitrag hatte die Organisation Serben dazu aufgerufen, sich den Kämpfen in der Ukraine anzuschließen. Selbst Belgrad hält diese Form neuer „Öffentlichkeitsarbeit“ für unzulässig – das neue, sehr publike Profil der Gruppe irritiert auch die serbische Politik.

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