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"Bavaria One - Mission Zukunft". Viele hoffen immer noch, es sei Satire.

Raumfahrtprogramm

Söders "Bavaria One"-Desaster

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Ministerpräsident Markus Söder möchte ein bayrisches Weltraumprogramm starten. Das Ganze soll 700 Millionen Euro kosten.

Als gelernter Fernsehjournalist und erfahrener Wahlkämpfer weiß Markus Söder sehr genau, was Bilder alles auslösen können. Er hat oft mit Inszenierungen gespielt: Mit immer neuen Kostümen bei seinen Faschingsauftritten und zuletzt natürlich in der Kruzifix-Debatte, als er zum Fototermin in die Münchener Staatskanzlei bat.

Doch diesmal hat Söder offenbar überdreht: Das Bild mit ihm am Rednerpult und seinem übergroßen Konterfei mit Verweis auf das soeben gestartete, 700 Millionen Euro schwere bayerische Raumfahrtprogramm „Bavaria One“, das er am Dienstag verbreitet hatte, sorgt in den sozialen Netzwerken für Hohn und Spott.

„Major Markus“, plötzlich völlig losgelöst? „Vielleicht muss man wirklich hinterm Mond leben, um Prioritäten so zu setzen“, mokiert sich Juso-Chef Kevin Kühnert über die bayerischen Weltraum-Ambitionen. Über den „Krieg der Sterne“ der CSU gegen Angela Merkel und die Bundeskanzlerin, wird sich auf Twitter lustig gemacht. Von Personenkult in Popart-Format ist da die Rede. Die bayerische Opposition rät, Söder solle doch lieber „irdische Probleme“ lösen.

Markus Söder, der Astronaut?

Den bayerischen Regierungschef, der einmal erzählte, dass er als kleiner Junge davon geträumt habe, Astronaut zu werden, trifft der Shitstorm in einer hochsensiblen Phase seiner Kampagne. Das Ziel, die absolute Mehrheit der CSU bei der Landtagswahl am übernächsten Sonntag noch zu verteidigen, scheint nicht mehr erreichbar: Die jüngste Umfrage sieht die CSU nur noch bei 33 Prozent. Bei den Christsozialen geht es hinter den Kulissen längst darum, wer am Ende die Verantwortung für einen als durch und durch verkorkst empfundenen Wahlkampf übernehmen muss.

In der Not versuchen Söders Leute die Flucht nach vorn, stellen klar, dass das viel belächelte Konterfei des Ministerpräsidenten nicht aus der Staatskanzlei stamme, sondern von der Jungen Union Bayern. Dabei hatte Söder das Bild selbst verbreitet. Das eigentliche Problem des 51-Jährigen Franken ist aber, dass es ihm nicht gelingt, im Schlussspurt zur Wahl mit einem zukunftsweisenden Sachthema den Nachweis von Seriosität zu erbringen.

Söder, der mit seiner Weltraum-Strategie auf den Spuren seines großen Vorbilds Franz Josef Strauß wandelt, der einst ein Raumfahrtkontrollzentrum nach Oberpfaffenhofen holte, wird stattdessen verlacht. Dabei wäre Edmund Stoiber, Vor-Vor-Vorgänger des heute amtierenden Regierungschefs, kaum anders vorgegangen. Auch er hätte wohl darauf gesetzt, einen „BayernSat“ ins All zu schicken und den Freistaat zum führenden Produktionsstandort von Trägerraketen zu machen. Nur scheint die von der CSU erfundene Kombination aus „Laptop und Lederhosen“ und bajuwarischem Selbstbewusstsein heute nicht mehr so zu ziehen wie früher - was Söder in diesen Tagen schmerzhaft zu spüren bekommt.

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