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Eine Kanzlerin, ein Premier und die Skulptur einer berittenen Doppellanzenwache im Hyderabad House in Neu-Delhi.

Indien

Auf Socken zu Gandhi

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Angela Merkel und Teile ihres Kabinetts intensivieren in Neu-Delhi die vielfältigen Verbindungen zwischen Deutschland und Indien: Yoga, Rüstung, Ayurveda.

Die massive Kritik und die indirekten Rücktrittsforderungen von Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz wegen der für die Union katastrophalen Thüringenwahl hatte Angela Merkel am Freitag weit hinter sich gelassen. Demonstrativ ungerührt befand sie: „Wir leben in Demokratien, da muss man auch mit Kritik umgehen.“ So gesagt am Rande der Regierungskonsultationen in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi.

Zuvor hatte der indische Premierminister Narendra Modi Merkel als „außerordentliche Führerin, nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt“ gelobt. Merkel war am Donnerstag zu ihrem vierten Besuch in Indien aufgebrochen, im Schlepptau die Minister Heiko Maas (Außenamt), Anja Karliczek (Bildung), Julia Klöckner (Agrar), Monika Grütters (Kultur). 22 Vereinbarungen unterzeichneten die Vertreter der beiden Staaten, vom Austausch über Raumfahrt bis zur Würdigung von Yoga und Ayurveda. Überein kam man auch in Sachen Kooperation bei Rüstungsprojekten wie etwa U-Booten. Grundlage dafür sei das „gemeinsame Interesse an der Stabilität der Region des Indischen Ozeans“, wie es offiziellerseits hieß.

Gemeinsam für CO2-Abbau

Für die Kanzlerin hat die Reise ausgesprochen strategischen Wert, wirtschaftlich wie politisch. Die Deutschen suchen Partner jenseits des zur Supermacht aufsteigenden China, auf das sich der Fokus deutscher Firmen und Politiker bisher vor allem richtete. Indiens Wirtschaftsentwicklung hinkt zwar der Chinas hinterher, aber die Potenziale scheinen immens: In rund 15 Jahren soll Indien China als bevölkerungsreichstes Land überholen. Schon jetzt ist Deutschland Indiens wichtigster Handelspartner in der EU. Gleichzeitig versuchen die Deutschen Indien in der Klimapolitik bei der Stange zu halten – der Subkontinent ist der drittgrößte Emittent klimaschädlicher Gase. Beide Regierungen bekräftigten nun einmal mehr die Klimaziele von Paris zur CO2-Reduktion – während über Delhi eine dicke Smogwolke hing. Eine Milliarde Euro Unterstützung hat die Bundesregierung für „grüne“ Infrastruktur zugesagt.

Die Deutschen setzen auch bei der Lösung des Afghanistan-Konflikts auf Indien. Außenminister Maas ist zufrieden, einen weiteren Partner in der „Allianz für Multilateralismus“ zu haben, die einen Kontrapunkt setzen soll zu Trumps Abschottungspolitik.

Schwierig wurde es bei den Themen, die der Menschenrechtsausschuss des Bundestages der Regierungsdelegation mit auf den Weg gegeben hatte: Modi werden seit Amtsantritt 2014 sein Nationalismus und die Bevorzugung der Bevölkerungsmehrheit der Hindus vorgehalten. Und das seit 1947 mehr schlecht als recht zwischen Indien und Pakistan geteilte halbautonome Kaschmir militärisch abgeschottet und direkt der Zentralregierung untergeordnet zu haben, sorgt auch für ein Imageminus.

Also forderte Merkel eine bilaterale Lösung für das Gebiet, denn so wie im Augenblick sei „es nicht nachhaltig und nicht gut“. Diplomatischer fiel dann „Im Bereich der Gleichberechtigung kann noch einiges getan werden“ aus, aber in einem Land, in dem Gewalt gegen Frauen virulent und systemisch ist, dürfte das schon sehr laut gewesen sein.

Umso bedächtiger würdigte die Kanzlerin dann Indiens friedliebenden Nationalheld Mahatma Gandhi, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird: Einen Gedenkstein zu seinen Ehren umrundete sie auf Socken. 

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