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Immerhin Spaniens Außenministerin Gozalez Laya traf Guaidó.

Venezuela

Sánchez kriegt die Krise

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Venezuelas Interimspräsident Guaidó besucht Spanien. Der Regierung in Madrid ist das lästig.

Wir werden keinen Schritt zurücktun“, sagte Pedro Sánchez mit großem Ernst, „Venezuela kann mit Spanien rechnen.“ Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seit der spanische Regierungschef den venezolanischen Parlamentspräsidenten Juan Guaidó in aller Form als „beauftragten Präsidenten“ des südamerikanischen landes anerkannte – so wie gut 50 andere Staaten der Welt, darunter Deutschland. Heute scheint Sánchez sein damaliges Engagement peinlich zu sein. Guaidó war am vergangenen Wochenende in Spanien – und die Sánchez-Regierung tat, was sie konnte, um ihn vor den Kopf zu stoßen.

Der Ärger begann am Montagabend. Da stieg José Luis Ábalos, Spaniens Bauminister und einer der engsten Sánchez-Vertrauten, in sein privates Auto und machte sich auf den Weg zum Madrider Flughafen. Seine Spritztour tauchte auf keiner offiziellen Agenda auf. Am Flughafen traf er sich mit dem gerade gelandeten venezolanischen Tourismusminister und mit der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez. Den Tourismusminister hätte er auch ganz offen am nächsten Tag auf der Madrider Fremdenverkehrsmesse treffen können. Und Rodríguez hätte er lieber gar nicht treffen sollen. Die darf nämlich keinen Fuß auf den Boden eines EU-Staates setzen. Als herausragende Vertreterin des autoritären Maduro-Regimes hat sie nämlich Einreiseverbot.

Wie viele Dinge, die geheim bleiben sollen, blieb Ábalos’ Ausflug nicht geheim. Am Donnerstag berichtete die spanische Netzzeitung „Vozpópuli“ morgens erst über sein Treffen mit dem Tourismusminister und abends über jenes mit Delcy Rodríguez. Eine Bombe.

Ábalos übte sich daraufhin in der Kunst der Ausflüchte. Er habe Rodríguez zwar gesehen, aber ein „Treffen“ könne man das nicht nennen. Er habe sie bloß begrüßt. Sie sei im Flugzeug sitzengeblieben, habe also spanischen Boden nicht betreten, bevor sie am nächsten Tag weiter Richtung Türkei flog. Die letzte offizielle Erklärung für Ábalos’ nächtlichen Trip zum Flughafen war schließlich, dass er sich bloß auf den Weg gemacht habe, um Rodríguez vom Verlassen des Flugzeugs abzuhalten. Als gäbe es keine Polizei am Flughafen.

Pedro Sánchez tat unterdessen so, als ginge ihn das alles nichts an. Er war die ganze Woche damit beschäftigt, in Hubschrauber zu steigen und sich die Verwüstungen anzuschauen, die der Sturm Gloria an den spanischen Mittelmeerküsten angerichtet hat. Am Samstag sprach er dann doch endlich: Ábalos habe versucht, eine diplomatische Krise zu verhindern, und das sei ihm ja auch gelungen. „Was ist der Vorwurf?“, fragte Sánchez rhetorisch.

Was Sánchez’ Terminkalender nicht hergab, war ein Treffen mit Guaidó. Der hatte sich in den Tagen zuvor unter anderen mit Angela Merkel, Boris Johnson und Emmanuel Macron unterhalten, aber Sánchez fand, es reiche, wenn er seine Außenministerin vorschicke. Die nahm sich am Samstag eine gute halbe Stunde Zeit für den „beauftragten Präsidenten“ Venezuelas. Statt ins Ministerium lud sie ihn in ein Kulturzentrum ein und strich den nach so einer Zusammenkunft üblichen gemeinsamen Pressetermin.

Eine gute Erklärung für Sánchez’ neue Venezuela-Politik, die sich – so hat es den Anschein – dem Maduro-Regime einzuschmeicheln versucht, gibt es nicht. Höchstens die: dass Sánchez heute, anders als vor einem Jahr, gemeinsam mit der Linkspartei Podemos regiert – und die hat schon immer ein besonders inniges Verhältnis zu Maduros Vorgänger Hugo Chávez gepflegt. „Venezuela kann mit Spanien rechnen“, sagte Sánchez vor einem Jahr. Wen er mit „Venezuela“ meint, hängt offenbar ganz vom politischen Moment ab. Die diplomatische Krise hat Sánchez nicht abgewendet, sondern heraufbeschworen.

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