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2010 stürzt die polnische Regierungsmaschine in Russland ab: Alle 96 Insassen sterben, auch Präsident Kaczynski – in das Gedenken mischt sich nun Streit.

Smolensk-Katastrophe

Smolensk-Katastrophe: Polen fordert Wrack zehn Jahre nach Absturz zurück

2010 stürzt die polnische Regierungsmaschine in Russland ab: Alle 96 Insassen sterben, auch Präsident Kaczynski – in das Gedenken mischt sich nun Streit.

Mit einer Kranzniederlegung haben Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und der Chef der Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, der Opfer der Flugzeug-Katastrophe von Smolensk gedacht. Bei dem Absturz am 10. April 2010 starb auch der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski. Lech und Jaroslaw waren Zwillingsbrüder. Das Außenministerium in Warschau erneuerte zum Jahrestag seine Forderung an Moskau, das Flugzeugwrack an Polen auszuhändigen. 

Die Feier am Mahnmal für die Opfer der Katastrophe am Pilsudski-Platz in Warschau fand wegen der Corona-Epidemie ohne Publikum statt. Auch Reden gab es nicht. „In der Geschichte Polens der Nachkriegszeit hat es keine größere Tragödie gegeben“, schrieb Regierungschef Morawiecki in einem Facebook-Eintrag.

Russland bezeichnet Polen als „undankbar“

Zunächst hatte die polnische Regierung geplant, am 10. April mit einer Delegation ins russische Smolensk zu reisen. Doch die Reise wurde kurzfristig auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Als Grund nannten die Polen die schleppende Zusammenarbeit mit den russischen Behörden. Russland bezeichnete die polnische Seite als „undankbar“. 

Bei dem Absturz der polnischen Regierungsmaschine beim Landeanflug in dichtem Nebel auf das russische Smolensk waren 96 Menschen ums Leben gekommen. Sie waren unterwegs zu einer Gedenkfeier für die Opfer der Massaker von Katyn. Dort hatten 1940 Angehörige des sowjetischen Geheimdienstes NKWD Tausende polnische Offiziere ermordet. 

PiS-Anhänger gehen von Mordanschlag aus

Ermittlungen zur Ursache der Flugzeugkatastrophe dauern an. Anhänger der PiS gehen bis heute von einem Mordanschlag auf Kaczynski aus. Bislang vorgelegte Untersuchungen des polnischen Innenministeriums und der russischen Ermittler sprechen von einem Pilotenfehler. Die Crew habe nicht auf eine frühe Warnungen reagiert und sei trotz schlechter Sichtverhältnisse weitergeflogen. „Der Pilot hätte die Entscheidung treffen müssen, einen anderen Flughafen anzusteuern. Das war aber nicht der Fall“, sagte Swetlana Petrenko vom Staatlichen Ermittlungskomitee in Russland der Agentur Interfax. Die Theorie von möglichen Sprengstoffspuren hätten Experten aus beiden Ländern mit zahlreichen forensischen Untersuchungen widerlegt, sagte sie weiter. 

Polen forderte am 10. Jahrestag erneut die Herausgabe des Wracks. Eine entsprechende diplomatische Note habe man an Moskau gerichtet, teilte das Außenministerium in Warschau per Twitter mit. „Keine Norm des internationalen Rechts ist Grundlage dafür, dass Russland das Eigentum Polens weiter behält.“

Wrack-Fragmente dienten als Beweisstück

Bereits im Oktober 2018 hatte die Parlamentarische Versammlung des Europarats Russland aufgefordert, Polen das Wrack zurückzugeben. Laut dem Chicagoer Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt müsse das Land, in dem sich das Unglück ereignet habe, die Überreste des Flugzeugs aushändigen, sobald die technischen Untersuchungen zur Unfallursache abgeschlossen seien. 

Russland hat aber bislang argumentiert, dass ein strafrechtliches Verfahren zu dem Absturz noch laufe. Die Fragmente des Wracks dienten als Beweisstück und könnten daher nicht herausgegeben werden. (dpa)

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