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Nach dem Giftanschlag auf Skripal musste die britische Stadt Salisbury von Spezialteams untersucht und gesäubert werden.
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Nach dem Giftanschlag auf Skripal musste die britische Stadt Salisbury von Spezialteams untersucht und gesäubert werden.

Geheimdienstmitarbeiter

Skripal-Giftanschlag in Salisbury: Weiterer Russland-Agent steht im Fokus

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Die britischen Behörden klagen einen dritten Agenten aus Russland im Fall Skripal an. 2018 hatte der Giftanschlag von Salisbury eine schwere Krise ausgelöst.

London/Salisbury – Dreieinhalb Jahre ist der Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia, der in Großbritannien und der internationalen Staatengemeinschaft für Alarmstimmung sorgte, her. Nun hat das britische Ermittlungsteam einen dritten Tatverdächtigen offiziell beschuldigt.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft seien die Beweise ausreichend, um Anklage gegen den russischen Geheimdienstmitarbeiter Denis Sergejew, der unter dem Aliasnamen Sergej Fedotow bekannt sei, wegen Verschwörung zur Ermordung Skripals zu erheben, teilte die Polizei am Dienstag (21.09.2021) mit. Ihm würden zudem die versuchte Ermordung von Skripals Tochter Julia sowie des Polizisten Nick Bailey, schwere Körperverletzung und der Einsatz einer Chemiewaffe vorgeworfen.

Giftanschlag in Salisbury: Skripal sollte mit Nowitschok getötet werden

Die britischen Ermittler:innen gehen davon aus, dass es sich um einen Agenten des russischen Militärgeheimdiensts GRU handelt. Premierminister Boris Johnson forderte Moskau auf, alle Verdächtigen in dem Fall auszuhändigen. Ein Auslieferungsgesuch werde mangels Hoffnung auf Erfolg nicht gestellt. Der russische Botschafter werde aber vom Außenministerium mit der Angelegenheit konfrontiert, sagte ein britischer Regierungssprecher.

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März 2018 im südenglischen Salisbury dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok ausgesetzt worden. Beide überlebten den Anschlag nur knapp. Eine Britin, die ebenfalls mit Nowitschok in Kontakt gekommen war, starb hingegen Ende Juni 2018. Ein mit ihr befreundeter Mann und der Kriminalbeamte Bailey, der nach der Attacke als einer der Ersten das Haus der Skripals betreten hatte, erlitten ebenfalls Vergiftungen – beide überlebten jedoch.

Die britische Regierung macht den russischen Geheimdienst für den Anschlag verantwortlich. Moskau weist jegliche Verantwortung zurück. Der Fall führte zu einer schweren Krise zwischen Russland und dem Westen, beide Seiten veranlassten die Ausweisung dutzender Diplomat:innen.

Russland bestreitet Verwicklung in Giftanschlag auf Skripal in Salisbury

Russland bestritt einmal mehr eine Verwickelung. „Wir verurteilen entschieden alle Versuche Londons, Moskau für den Vorfall verantwortlich zu machen“, sagte die Außenamtssprecherin Maria Sacharowa der Staatsagentur Tass zufolge. Der Fall solle objektiv und unparteiisch untersucht werden. Moskau sei zu einer Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden und Fachleuten bereit.

Die britische Polizei hatte bereits im September 2018 zwei Verdächtige in dem Fall identifiziert, bei denen es sich um Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU handeln soll. Sie reisten nach Angaben der Polizei vermutlich unter den Decknamen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow nach Großbritannien ein.

Ruslan Boschirow (l) und Alexander Petrow: Im russischen Staatsfernsehen präsentierten sich die beiden Beschuldigen als Touristen.

Eine Woche später präsentierten sich die beiden gesuchten Männer im russischen Fernsehen als unbescholtene Touristen. In einem Interview beteuerten sie, nur als Touristen nach Salisbury gereist zu sein, um „die wunderschöne Stadt“ und die „bekannte Kathedrale“ zu besuchen. Auch Kreml-Chef Wladimir Putin bezeichnete sie als Zivilisten. Fedotow war den britischen Ermittlern zufolge am Vormittag des 2. März in London gelandet, wenige Stunden vor Petrow und Boschirow. Die drei Männer trafen sich demnach mehrmals in London, bevor Fedotow am 4. März wieder nach Moskau zurückflog.

Skripal-Giftanschlag in Salisbury: Gericht macht Russland für weitere Attacke verantwortlich

Unterdessen wurde bekannt, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Russland für einen weiteren Anschlag verantwortlich macht: die Ermordung des Ex-Agenten Alexander Litwinenko 2006 in London. Die beiden Männer, die Litwinenko mit dem radioaktiven Polonium 210 vergifteten, handelten dem Anschein nach im Auftrag oder unter Kontrolle der russischen Behörden, wie das Straßburger Gericht am Dienstag mitteilte. Da Russland sich weigere, interne Ermittlungsdokumente zu teilen, die das Gegenteil zeigen könnten, werde die Ermordung Litwinenkos Russland zugerechnet.

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Litwinenko hatte bis Ende der 1990er Jahre für die russischen Geheimdienste gearbeitet. Nachdem er öffentlich machte, mit der Prüfung eines Mordanschlags auf einen russischen Geschäftsmann beauftragt worden zu sein, floh Litwinenko mit seiner Familie nach Großbritannien. 2006 wurde er dort von zwei Russen vergiftet – und starb wenig später im Krankenhaus. Britische Behörden sahen die Verantwortung bei Russland.

Russland wies die Entscheidung zurück. Es lägen noch keine Ergebnisse der Untersuchung vor. Daher seien die Aussagen des Gerichts unbegründet, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. „Es ist unwahrscheinlich, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte über Befugnisse und technologische Fähigkeiten verfügt, um Informationen in dieser Angelegenheit zu erhalten.“ (tvd/AFP/dpa)

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