Bristol

Sklavenhändler-Statue durch Skulptur von Black-Lives-Matter Aktivistin ersetzt - und gleich wieder entfernt

  • Stefan Krieger
    vonStefan Krieger
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Erst hatte die Skulptur der Black-Lives-Matter-Aktivistin Jen Reid die Statue eines Sklavenhändlers in Bristol ersetzt. Jetzt wurde sie wieder entfernt.

  • In Bristol wurde die Statue eines Sklavenhändlers umgestürzt
  • Auf dem Sockel wurde eine Statue einer Black-Lives-Matter-Aktivistin aufgestellt
  • Eine Genehmigung durch die Stadt gab es für diese Aktion nicht

Bristol - Ohne Genehmigung ist in der englischen Hafenstadt Bristol eine Statue des britischen Sklavenhändlers Edward Colston durch eine Skulptur der Black-Lives-Matter-Aktivistin Jen Reid ersetzt worden. Die neue Statue des Londoner Künstlers Marc Quinn wurde ohne das Wissen des Stadtrats von Bristol errichtet, wie Bristols Bürgermeister Marvin Rees am Mittwoch erklärte. Die Skulptur sei „weder angefordert noch genehmigt“ gewesen.

Black Lives Matter: Statue in Bristol zeigt Aktivistin Jen Reid

Das Werk mit dem Titel „A Surge of Power“ („Eine Welle der Macht“) zeigt die Aktivistin Reid mit erhobener Faust. Reid war selbst bei der Enthüllung des Werks anwesend. Die Statue werde die Anti-Rassismus-Diskussion am Laufen halten, sagte sie der Zeitung „The Guardian“. Demonstranten, darunter Reid, hatten im Juni die Statue des in Bristol geborenen Colston vom Sockel geholt und ins Hafenbecken der Stadt geworfen.

Bürgermeister Rees möchte, dass die Bürger von Bristol darüber entscheiden, was mit dem leeren Sockel passiert. Rees, der zuvor Sympathien für die Proteste geäußert hatte, kündigte an, die neue Statue wieder entfernen zu lassen. Dies wurde inzwischen umgesetzt, wie eine Sprecherin des Stadtrats von Bristol bekannt gab: „Heute Morgen haben wir die Skulptur entfernt. Sie kommt in ein Museum“.

Bristol: Die Bevölkerung soll über Black-Lives-Matter-Skulptur entscheiden

„Die Zukunft des Sockels und was darauf angebracht wird, muss von den Menschen in Bristol entschieden werden“, twitterte unterdessen Rees, der selbst jamaikanische Wurzeln hat. Der Stadtrat hatte bereits vergangenen Monat die Einsetzung einer Kommission bekannt gegeben, deren Ziel es sei, die „wahre Geschichte“ Bristols ans Licht zu bringen. Bristol gehört zu den britischen Städten, die im 17. und 18. Jahrhundert am stärksten in den Sklavenhandel involviert waren.

Im Zuge der durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA ausgelösten Anti-Rassismus-Proteste gerieten auch andere Denkmäler in Großbritannien ins Visier von Protestteilnehmern, darunter die Statue von Cecil Rhodes am Oriel College der Universität Oxford. Der Bergbaumagnat Rhodes erwarb im 19. Jahrhundert für die britische Krone mehrere Kolonialgebiete im Süden Afrikas. (skr/afp/dpa)

Rubriklistenbild: © Ben Birchall/​dpa

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