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Oskar Niedermayer ist Politologe.

Rechte im Wahlkampf

"Die Skandale helfen der AfD"

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Der Parteienforscher Oskar Niedermayer erörtert die Ursachen für das Umfragehoch der Rechten. Und erklärt auch, was die TV-Duelle damit zu tun haben.

Herr Niedermayer, noch vor wenigen Tagen lag die AfD in den meisten Umfragen bei acht Prozent, nun ist sie bei einigen Instituten mit zwölf Prozent drittstärkste Kraft. Befindet sich die Partei pünktlich vor der Bundestagswahl im Aufwind?
Es gibt eine gewisse Bandbreite bei den Umfragen, deswegen muss man vorsichtig sein mit der Interpretation. Aber es lässt sich erkennen: Der Abwärtstrend der AfD ist gestoppt, der Trend zeigt nach oben.

Wie erklären Sie sich das?
Die Flüchtlingsfrage ist wieder stärker in den Fokus gerückt, in den Wahlkampfduellen war es das dominierende Thema. Das Flüchtlingsthema gehört zum Markenkern der AfD und es ist immer so, dass eine Partei zulegt, wenn ihr Markenkern in der öffentlichen Debatte an Bedeutung gewinnt.

War die AfD also der eigentliche Gewinner des TV-Duells?
Das kann man so sehen. Jedenfalls wurde im TV-Duell das zentrale Thema der Partei noch einmal ganz nach oben auf die Agenda im Wahlkampf gehoben – und das hat der Partei sicherlich genützt.

Inwieweit hilft der AfD, dass es heißt, das Duell der großen Parteien sei längst entschieden?
Das ist ein wichtiger Faktor. Die Aufmerksamkeit richtet sich derzeit besonders auf die Kleinen, weil das Rennen der Großen tatsächlich gelaufen scheint – und das hilft natürlich den kleinen Parteien, auch der AfD.

Aber wieso profitiert sie mehr davon als die anderen kleineren Parteien?
Weil sie weiterhin auf die Strategie setzt, mit Tabubrüchen in den Medien stattzufinden. Das beschert der Partei viele Gegner, meistens sind das Leute, die ohnehin nicht AfD wählen wollen. Aber es bringt die Partei auch zurück ins Kurzzeitgedächtnis der Wähler. Für eine kleine Partei ist das besonders wichtig.

Hat die AfD also trotz oder gerade wegen der aktuellen Skandale zugelegt?
Die Skandale dürften der Partei eher helfen. Dass die Staatsanwaltschaft gegen Spitzenkandidat Alexander Gauland wegen Volksverhetzung ermittelt und dass Spitzenkandidatin Alice Weidel wegen einer angeblichen E-Mail angegriffen wird und eine Putzhilfe illegal beschäftigt haben soll, wird bei Leuten, die ohnehin drauf und dran sind, AfD zu wählen, nicht weiter negativ aufgenommen werden. Bei der Anhängerschaft dürften diese Skandale eher eine Trotzreaktion auslösen.

Weil es in die Erzählung der Partei passt?
Ja, letztlich werden die jüngsten Skandale wohl das Gefühl der Opferrolle bestärken. Die Anhänger werden sich in ihrem Eindruck bestätigt sehen, gegen die AfD laufe eine Kampagne. Sie werden denken: Jetzt wird versucht, die AfD kurz vor der Wahl fertigzumachen. Das dürfte zu einer Solidarisierung mit der Partei führen.

Welchen Anteil am Erfolg der AfD hat der Wahlkampf der anderen Parteien?
Die Parteien machen im Wahlkampf alle den Fehler, genau in die Argumentationslinie der AfD zu rennen. Man muss die Partei inhaltlich bekämpfen, aber zu oft argumentieren die großen Parteien gerade jetzt vor der Wahl pauschal mit dem Nazivorwurf. Es kommt bei den Wählern nicht gut an, wenn man sie indirekt gleich mit in die Nazi-Ecke rückt. Das produziert nur Unmut und führt zur angesprochenen Solidarisierung mit der Partei.

Interview: Nico Schnurr

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