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Datenmissbrauch

Sippenhaftung bei Amazon

Neue Fälle von Datenmissbrauch: Amazon sperrt Konten von Kunden - wegen deren vermeintlicher "Verbindung" zu Menschen mit Schulden. Die Hannoversche Leben gibt offenbar Daten an Adresshändler weiter.

Von Matthias Thieme

Fall 1: Der Frankfurter Rundschau liegt der Schriftwechsel des Amazon-Kunden Walter H. vor, dessen Kundenkonto lediglich deshalb gesperrt wurde, weil seine Tochter mit einer Person im selben Haus wohnt, die Schulden bei Amazon hat. Walter H. ist seit Jahren Amazon-Kunde und hat seine Rechnungen stets sofort bezahlt. Kürzlich wird ihm von Amazon mitgeteilt: "Wir mussten Ihr Kundenkonto (...) deaktivieren, da es aufgrund von Übereinstimmungen bei den angegebenen Daten in Verbindung zu einem anderen Kundenkonto steht, bei dem es Unstimmigkeiten gegeben hat."

Walter H. fragte nach der "Verbindung" und staunte: "Ich erfuhr erst nach hartnäckiger Nachfrage den Grund: dass meine Tochter in einem Haus wohnt, in dem jemand wohnt, der Schulden hat". Deshalb war H.s Konto und die Konten aller Hausbewohner gesperrt worden. "Da ich eine solche Sippenhaftung nicht akzeptieren kann und das Geschäftsgebaren als sittenwidrig ansehe, habe ich Amazon eine Frist gesetzt" - doch nichts geschah.

Sein Kundenkonto ist weiter gesperrt. Man könne "aus Datenschutzgründen keine Auskunft zu dem Vorgang geben", sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Man werde sich bei dem Kunden entschuldigen und das Konto sofort freischalten.

Versicherung gibt Daten an Adresshändler weiter

Fall 2: Berufsschullehrer T. will seinen Schülern die Berufsunfähigkeitsversicherung an einem konkreten Beispiel erklären und meldet deshalb beim Internetportal der Versicherung Hannoversche Leben eine fiktive Person an: weiblich, 20 Jahre alt, mit realer Adresse.

Lehrer T. erhält ein Angebot der Versicherung, bespricht die Unterlagen im Unterricht und vergisst die Sache - bis seine fiktive Person plötzlich Post von der GEZ erhält: "Sie verdienen bereits eigenes Geld und (...) halten Rundfunkgeräte zum Empfang bereit?", fragt die Gebühreneinzugszentrale die nicht existierende Person. Lehrer T. ist baff: Wie konnte die GEZ diese Daten bekommen, die er nur ein einziges Mal bei der Versicherung angegeben hatte? Die zudem fiktiv waren - Verwechslung also ausgeschlossen. Um "Schwarzsehen" zu verhindern, miete man bei großen Adressanbietern Daten für Anschreiben, teilt die GEZ mit.

Die konkrete Adresse habe man "für den Versand von Informationsschreiben an die Zielgruppe 'Junge Erwachsene' angemietet". Lieferant sei der Händler AZ Direct in Gütersloh gewesen. Doch wie kam der Name zum Händler? Die Hannoversche Leben prüft den Vorgang nach einer FR-Anfrage seit Wochen. "Wir untersuchen diesen Vorfall intensiv", hieß es am Montag. "Zur Zeit haben wir noch keine neuen Erkenntnisse."

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